
- Uwe Mauch, Badische Zeitung
Fragebogen 11/2007
Wovon handelte Ihr erster Artikel?
Vom Festakt „40 Jahre Wasserwacht“ in Weiden in der Oberpfalz. Kurios war, als beim Totengedenken die Namen der verstorbenen Mitglieder aufgezählt wurden und sich plötzlich ein älterer Herr meldete, dass er noch am Leben sei.
Von welcher Story träumen Sie noch heute schlecht?
Extrem heikle Geschichten bereiten mir höchstens vor der Veröffentlichung schlaflose Nächte. Sind alle Aspekte berücksichtigt, richtig bewertet, korrekt eingeordnet? Wer wird am nächsten Tag angreifen, und wie wird unser Konter aussehen?
Worauf könnten Sie bei Ihrer Arbeit am ehesten verzichten?
Auf Formularkram, von der Urlaubsplanung bis zur Kontrolle der Spesenabrechnungen freier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Verzichtbar sind meist auch Kritik und Kommentare von Journalistinnen und Journalisten, die Lokalredaktionen nur vom Hörensagen kennen. Das erinnert mich häufig an die Erziehungstipps von Kinderlosen.
Woher holen Sie sich Ideen für gute Geschichten?
Augen und Ohren auf. Die alte Regel gilt noch: Wer auf einen Termin, zu einer Veranstaltung, zu einem Interview geht, kommt mit mindestens einer neuen Geschichte zurück.
Eine Stunde vor Redaktionsschluss bricht ein Artikel weg. Was machen Sie?
Austauschen gegen den Aufmacher auf Halde. Falls es den nicht gibt: Umbauen und die Notlösung aufpeppen.
Das Thema „Kaninchenzüchterverein“ steht wieder an. Welche Tipps geben Sie dem Praktikanten, damit eine interessante Geschichte daraus wird?
Konzentriere dich auf einen Aspekt, der exemplarisch ist. Suche dir einen roten Faden. Erzähle die Geschichte aus Sicht der Akteure, nehme sie Ernst und sei dabei heiter, sorge für ein ungewöhnliches Bildmotiv – und mache bloß keinen Fehler bei den Ergebnissen.
Welche Geschichte in Ihrem Blatt war in jüngster Zeit besonders gelungen?
Dass der pensionierte Oberbürgermeister alles dran setzt, die Wiederwahl seines Nachfolgers im Jahr 2010 zu verhindern. Er sucht jetzt schon einen Kandidaten – und das an seiner Partei vorbei.
Welche Story sorgte für den größten Wirbel bei den Lesern?
Es sind ja oft die nebensächlichen Themen, die für Aufregung sorgen, etwa der Streit unter Meteorologen, ob der Fallwind aus dem Höllental ein kalter oder ein warmer ist, oder ob die Bademeister im Thermalbad korrekt mit den Gästen umgehen. Jede Geschichte über Hunde und ihre Besitzer, über radelnde Rüpel oder über Dreck in der Stadt löst mit schöner Regelmäßigkeit eine Leserbrieflawine aus.
Was ist derzeit der wichtigste Trend im Lokaljournalismus?
Natürlich dreht sich derzeit alles um „Online first“. Gleichzeitig gilt es, die wachsenden und immer stärker ausdifferenzierenden Ansprüche der Leserinnen und Leser auf hohem Niveau zu erfüllen: Information, Orientierung, Nutzen und – auch das – Spaß. Eine immer wichtigere Rolle spielt dabei das Bild.
Das schönste Kompliment für einen Zeitungsmacher ist?
Wenn ein Leser sagt: „Das Frühstück war zu kurz für Eure Ausgabe.“
Warum lesen Sie die drehscheibe?
Auf der Suche nach schrägen Ideen wird man immer wieder fündig.
Uwe Mauch
ZEITUNG: Badische Zeitung (Freiburg)
POSITION: Ressortleiter
GEBOREN: 1962
WERDEGANG: Volontär und Redakteur beim Schwarzwälder Boten, stellv. Redaktionsleiter bei der Schwäbischen Zeitung, freier Journalist, seit 1998 bei der Badischen Zeitung.
TELEFON: (0761) 4 96 52 00
E-MAIL: mauch@badische-zeitung.de


