Manfred Moll, Schwäbische Post

Fragebogen 08/2007

Wovon handelte Ihr erster Artikel?
Es war ein Erfahrungsbericht, zusammen mit einer jungen Rollstuhlfahrerin, über Hindernisse und „Schikanen“. Heute würde man sagen, eine Untersuchung auf „Barrierefreiheit“, am Bahnhof, bei der Post, im Rathaus und in der Fußgängerzone. Das war 1981.


Von welcher Story träumen Sie noch heute schlecht?
Reportage über einen Boxkampf im Festzelt. Ich machte auch die Fotos dazu, deshalb musste ich mich nach vorn drängeln. Weil ich ein paar alkoholisierten Zuschauern die Sicht nahm, hätte ich um ein Haar etwas auf die Nase bekommen.


Worauf könnten Sie bei Ihrer Arbeit am ehesten verzichten?
Auf das ständige Klingeln des Telefons. Der permanente Kommunikationszwang bewirkt, dass meine Geschichten manchmal nicht so gut sind, wie sie sein könnten.


Woher holen Sie sich Ideen für gute Geschichten?
Tipps aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, in selteneren Fällen auch von Lesern,  „Abkupfern“ aus anderen Blättern, Brainstormings der Redaktion, und nicht zuletzt aus der drehscheibe.


Eine Stunde vor Redaktionsschluss bricht ein Artikel weg. Was machen Sie?
Nachsehen, ob genügend Leserbriefe da sind. Ist das nicht der Fall, ein Schmuckfoto raussuchen. Dass davon genügend da sind, dafür sorgt der Fotoredakteur.


Das Thema „Kaninchenzüchterverein“ steht wieder an. Welche Tipps geben Sie dem Praktikanten, damit eine interessante Geschichte daraus wird?
Die Vereinsregularien knapp halten. Mal nachfragen, ob die Leute im Vorstand auch diejenigen sind, deren Tiere die besten Erfolge bei Ausstellungen erzielen. Wie wichtig ist den Züchtern artgerechte Haltung? Wer macht eigentlich die Drecksarbeit, wie Ställe ausmisten?


Welche Geschichte in Ihrem Blatt war in jüngster Zeit besonders gelungen?
Die Reportage eines Kollegen über eine Familie, die komplett von „Hartz IV“ lebt, wurde inhaltlich und stilistisch über die Maßen gelobt.


Welche Story sorgte für den größten Wirbel bei den Lesern?
Der Direktor der Aalener Stadtwerke wurde wegen Untreue-Vorwürfen entlassen. Er sollte eine hohe Abfindung erhalten, zudem hielten Teile des Gemeinderats nach wie vor zu ihm, was wir aus zwar nichtoffizieller, aber sicherer Quelle erfuhren.


Was ist derzeit der wichtigste Trend im Lokaljournalismus?
Auch die lokalen Nachrichten und Geschichten ins Internet zu stellen, sobald sie druckreif bearbeitet sind („online first“). Dabei ist allerdings eine eventuelle Konkurrenzsituation im Auge zu behalten.


Das schönste Kompliment für einen Zeitungsmacher ist?
„Wenn Ihr Name oder Kürzel bei einem Artikel steht, dann weiß ich, dass ich das, was ich lesen will, auch ohne Fremdwörterlexikon verstehen werde.“


Warum lesen Sie die drehscheibe?
Um zu sehen, was die anderen machen, wie sie es machen, und um immer wieder festzustellen, dass das eigene Blatt gar nicht so übel ist.

 

 

Manfred Moll
ZEITUNG: Schwäbische Post (Aalen)
POSITION: Lokalredakteur
GEBOREN: 1957
WERDEGANG: Freie Mitarbeit, Praktikum, Diplom-Studium der Germanistik, Journalistik, Soziologie (Uni Bamberg), Tätigkeit als Fotoreporter, Volontariat. Fest angestellt als Redakteur seit 1991.
TELEFON: (07361) 59 41 59
E-MAIL: m.moll@sdz-medien.de

 

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