
- Susanne Schwan, Nordsee-Zeitung
Fragebogen 07/2007
Wovon handelte Ihr erster Artikel?
Ein persönliches Gespräch über Leben, Liebe und Beruf mit der blutjungen Schauspielerin Katerina Jakob, die auf Gastspielstation in Düsseldorf war. Das war um 1980 herum. Ich war mitten im Abi und versuchsweise ein Jahr lang freie Mitarbeiterin bei der Düsseldorfer Illustrierten Neue Welt. Der Chef bot mir ein Volontariat an, aber ich hab mich fürs Musik- und Theaterstudium entschieden. Hatte danach 20 Jahre lang nichts mehr mit Journalismus zu tun ...
Von welcher Story träumen Sie noch heute schlecht?
Von keiner. Glaub ich. Kann mich so selten an schlechte Träume erinnern. Aber im Wachzustand plagt mich fast jede dritte Story: zu nett, zu fies, zu seicht, zu verquast, zu spontan, zu spät ...
Worauf könnten Sie bei Ihrer Arbeit am ehesten verzichten?
Auf immer mehr technische, digitale Verwaltungsprozeduren, die Zeit fürs Nachdenken und fürs Menschliche – Gespräche, Recherchen, Begegnungen – fressen.
Woher holen Sie sich Ideen für gute Geschichten?
Bei jedem Klönschnack auf dem Markt, beim Wochenend-Schlendrian auf der Straße, beim Gucken zwischen Quarkregal und Konservenbüchsen im Supermarkt, beim Belauschen im Bus (öfter mal damit, statt mit dem Auto zu fahren, bringt Freude) und gern mal beim Durchblättern von Illustrierten.
Eine Stunde vor Redaktionsschluss bricht ein Artikel weg. Was machen Sie?
Aufs Klo gehen, fluchen, Kamera schnappen (oder Fotografen) und vor der Haustür Leute sammeln. Das Motto: „Unsere Stadt hat 1000 Gesichter – heute schon mal
diese 12 ...“
Das Thema „Kaninchenzüchterverein“ steht wieder an. Welche Tipps geben Sie dem Praktikanten, damit eine interessante Geschichte daraus wird?
Augen zu, schnüffeln, tasten. Streichele die Viecher ab, hör die Geräusche, werde zum Karnickel und schreib das Ding mal aus Perspektive eines „Großen Blauen Wiener“ ...
Welche Geschichte in Ihrem Blatt war in jüngster Zeit besonders gelungen?
Das Aufdecken eines Schul-Skandals seitens eines Kollegen. „Pulverfass Lessingschule“: die kriminellen Übergriffe der Schüler auf Kinder und Lehrer wurde lange von den Behörden unterm Deckel gehalten. Der Artikel hat aufgewirbelt und Hilfen in Gang gebracht. Chapeau, lieber Kollege!
Welche Story sorgte für den größten Wirbel bei den Lesern?
Der nicht zu verhindernde Bau eines italienischen Luxus-Einkaufszentrums „Mediterraneo“ direkt am Nordsee-Deich.
Was ist derzeit der wichtigste Trend im Lokaljournalismus?
Auf längere Sicht die Devise „Online first“, also das Print-Denken mit den Web-Möglichkeiten zu verknüpfen. Aber: Bei aller Daten-Rasanz dem Blatt das Unverwechselbare, das Verbindliche, Persönliche zu bewahren.
Das schönste Kompliment für einen Zeitungsmacher ist?
„Das hab ich komplett von Anfang bis Ende gelesen!“
Warum lesen Sie die drehscheibe?
Zum Staunen, Lernen und erleichtert Aufatmen, dass man mit all dem gar nicht so allein ist ...
Susanne Schwan
ZEITUNG: Nordsee-Zeitung, Bremerhaven
POSITION: Lokalredakteurin
GEBOREN: 1961
WERDEGANG: Zwölf Jahre Schauspielerin an verschiedenen Bühnen und kleinere TV-Rollen. Fortbildung zur Rundfunk-Redakteurin. Später Volontariat bei der Nordsee-Zeitung. Seit 2004 fest angestellte Redakteurin.
TELEFON: (0471) 59 72 90
E-MAIL: susanne.schwan@nordsee-zeitung.de


