
- Isabell Funk, Ludwigsburger Kreiszeitung
Fragebogen 05/2007
Wovon handelte Ihr erster Artikel?
Von einer Versteigerung in einem Busdepot. Damals war ich Praktikantin bei der Saarbrücker Zeitung und mächtig stolz über die erste eigene Veröffentlichung.
Von welcher Story träumen Sie noch heute schlecht?
Es ging um einen besonders tragischen ärztlichen Kunstfehler. Einer jungen Frau mussten nach einer nicht erkannten Blindarmentzündung beide Beine abgenommen werden. Zudem gab es weitere lebensbedrohliche Komplikationen. Die Zeitung war zwar restlos ausverkauft, aber die gesamte Ärzteschaft der betroffenen Universitätsklinik fiel über mich her. Damals habe ich am eigenen Leibe erfahren dürfen, wie wichtig ein loyaler Chefredakteur ist.
Worauf könnten Sie bei Ihrer Arbeit am ehesten verzichten?
Auf schlechte Laune bei mir selber und bei anderen.
Woher holen Sie sich Ideen für gute Geschichten?
Augen auf und Kontakte, Kontakte, Kontakte...
Eine Stunde vor Redaktionsschluss bricht ein Artikel weg. Was machen Sie?
Wir haben in der Redaktion eine vernünftige Vorausplanung und viele kreative Köpfe. Probleme sehen anders aus.
Das Thema „Kaninchenzüchterverein“ steht wieder an. Welche Tipps geben Sie dem Praktikanten, damit eine interessante Geschichte daraus wird?
Ach herrje, die Kaninchen und der Lokaljournalismus. Eine Verbindung, die sich in manchen Köpfen offenbar unausrottbar eingebrannt hat. Dem Praktikanten rate ich, den ältesten, den jüngsten oder den erfolgreichsten Züchter zu porträtieren und dabei rüberzubringen, was Menschen an diesem Hobby so faszinierend finden. Bei jeder Geschichte geht es darum, Menschen in dem, was sie tun, ernst zu nehmen.
Welche Geschichte in Ihrem Blatt war in jüngster Zeit besonders gelungen?
Was mich persönlich besonders interessiert hat, war 30 Jahre nach der Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback durch die RAF ein bebilderter Rückblick auf die damaligen Fahndungsarbeiten der Polizei im Kreis Ludwigsburg.
Welche Story sorgte für den größten Wirbel bei den Lesern?
Das waren Artikel zu zwei Ereignissen: die geplante und dann wieder gestoppte Einführung einer Auto-Feinstaubplakette in Ludwigsburg und die Planung eines Holzheizkraftwerkes, gegen das es heftigen Widerstand gibt.
Was ist derzeit der wichtigste Trend im Lokaljournalismus?
Das Herunterbrechen nationaler und internationaler Ereignisse. Lokaljournalisten sollten ihren Lesern die Welt erklären. Was eine EU-Richtlinie für die Menschen vor Ort bedeutet, kann man – um beim Beispiel Feinstaub zu bleiben – wunderbar beschreiben. Auch das Thema Klimawandel und seine möglichen Folgen löst viel mehr Betroffenheit aus, wenn ich es lokal verankere.
Das schönste Kompliment für einen Zeitungsmacher ist?
Eine steigende oder wenigstens stabile Auflage.
Warum lesen Sie die drehscheibe?
Weil Lesen bildet. Selbst wenn es um Kaninchen geht.
Isabell Funk
ZEITUNG: Ludwigsburger Kreiszeitung
POSITION: Chefredakteurin (seit 2001)
GEBOREN: 1956
WERDEGANG: Volontariat Saarbrücker Zeitung, später Redakteurin und Redaktionsleiterin, ab 1995 Lausitzer Rundschau, Koordinatorin von damals
14 Lokalredaktionen, später Chefin vom Dienst, dann stellv. Chefredakteurin
TELEFON: (07141) 13 02 40
E-MAIL: Isabell.Funk@lkz.de


