Holger Knöferl, Pforzheimer Zeitung

Fragebogen 03/2007

Wovon handelte Ihr erster Artikel?
Von der Einweihung eines SWR-Regionalbüros. Ich habe den Zweispalter noch. Aber er ist nicht besser geworden durch die lange Lagerung.


Von welcher Story träumen Sie noch heute schlecht?
Weihnachten 1993. Es gießt seit Tagen. Alle Experten versichern: „Es gibt kein Hochwasser.“ Als die Leute morgens dann die Zeitung aufschlagen, steht da in großen Buchstaben: „Calwer behalten trockene Füße“. Und das Wasser steht Ihnen dabei bis zum Hintern.


Worauf könnten Sie bei Ihrer Arbeit am ehesten verzichten?
Auf Leute, die am anderen Morgen nicht mehr zu dem stehen, was sie gestern zu einem Journalisten gesagt haben.


Woher holen Sie sich Ideen für gute Geschichten?
Oft schleichen die sich einfach irgendwie aus dem Unterbewusstsein an. Zielführender ist aber konsequentes Brainstorming mit den Kollegen. Hintergrund muss zwingend ein breiter Überblick über die aktuelle Nachrichtenlage sein.


Eine Stunde vor Redaktionsschluss bricht ein Artikel weg. Was machen Sie?

Ein geschätzter Kollege hat einmal gesagt: „Einen guten Journalisten lässt der Herrgott nicht im Stich.“ Gott sei Dank hat es der Herrgott mit meinem Team und mir immer so gehalten.


Das Thema „Kaninchenzüchterverein“ steht wieder an. Welche Tipps geben Sie dem Praktikanten, damit eine interessante Geschichte daraus wird?

Hör den Leuten zu, schau den Leuten zu und nimm sie ernst. Die sind auf Ihrem Fachgebiet absolute Spezialisten und können etwas, das viele andere nicht können.


Welche Geschichte in Ihrem Blatt war in jüngster Zeit besonders gelungen?

Wir haben die Diskussion um die Freilassung der RAF-Terroristen Mohnhaupt und Klar lokalisiert. Eigentlich nichts Besonderes – bis sich bei der Recherche herausstellte, dass die Befragten, der heutige Landrat, der Vorsitzende Richter am Landgericht und der Polizeichef, in den Siebzigern ganz dicht am Geschehen waren. Herausgekommen ist eine sehr dichte, authentische Geschichte.


Welche Story sorgte für den größten Wirbel bei den Lesern?
Bei Wahlen wirbelt es natürlich immer. Auf riesige Resonanz stoßen aber immer Geschichten, bei denen ein Redakteur etwas ganz Persönliches preis gibt. Wir sind als leidlich sportliche Schreibtischtäter 2004 zu dritt eine Tour de France-Etappe von 240 Kilometern abgeradelt und haben daraus drei Ich-Reportagen gemacht. Darauf werden wir noch heute angesprochen.


Was ist derzeit der wichtigste Trend im Lokaljournalismus?
Dass man endlich kapiert hat, wie sich Print und Online gegenseitig nutzen können, welches Medium welche Stärke hat. Und dass man das auch umsetzen kann.


Das schönste Kompliment für einen Zeitungsmacher ist?
Das prompte „Ja“ einer 16-jährigen Praktikantin in der Redaktionskonferenz auf die Frage, ob sie für diese Zeitung freiwillig Geld ausgeben würde.


Warum lesen Sie die drehscheibe?
Weil es halt doch nicht immer so klappt, wie unter Punkt 4 beschrieben.

 

 

Holger Knöferl
ZEITUNG: Pforzheimer Zeitung
POSITION: stellv. Chefred. (seit 2005)
GEBOREN: 1968
WERDEGANG: Volontariat beim Schwarzwälder Boten (1991-93), Leiter der Lokalredaktionen Calw und Horb (1994-98); seit 1998 stellv. Leiter der Stadtredaktion und Regionalredaktion der Pforzheimer Zeitung
TELEFON: (07231) 93 31 53
E-MAIL: holger.knoeferl@pz-news.de

 

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