
- Philipp Förder, Reutlinger General-Anzeiger
Fragebogen 02/2007
Wovon handelte Ihr erster Artikel?
Als freier Mitarbeiter musste ich zu einer Verhandlung vor dem Amtsgericht einer schwäbischen Kleinstadt. Zum ersten Mal habe ich einen Gerichtssaal betreten. Das Urteil war schnell gefällt. Ich saß als einziger Zuhörer dabei und hatte Schwierigkeiten herauszufinden, wer der Staatsanwalt und wer der Verteidiger war. Aber mein Artikel hat dem Redakteur so gut gefallen, dass er mich gleich wieder ins Amtsgericht geschickt hat.
Von welcher Story träumen Sie noch heute schlecht?
In einer großen Geschichte über einen interessanten Handwerksbetrieb habe ich dem Chef einen falschen Vornamen verpasst. Das war oberpeinlich. Seither schärfe ich mir und jedem freien Mitarbeiter immer wieder ein: Alles darf falsch sein, aber die Namen müssen stimmen.
Worauf könnten Sie bei Ihrer Arbeit am ehesten verzichten?
Auf unwillige Computer.
Woher holen Sie sich Ideen für gute Geschichten?
Am liebsten aus einer lockeren Gesprächsrunde mit Kollegen.
Eine Stunde vor Redaktionsschluss bricht ein Artikel weg. Was machen Sie?
Erst mal tief durchatmen und dann mit den Kollegen reden. Gemeinsam haben wir solche Situationen bisher immer ganz gut gemeistert.
Das Thema „Kaninchenzüchterverein“ steht wieder an. Welche Tipps geben Sie dem Praktikanten, damit eine interessante Geschichte daraus wird?
Lass alle Vorurteile in der Redaktion. Geh hin, informiere dich, rede mit den Leuten und nehme sie ernst. Dann lässt sich immer eine gute Geschichte finden. Und wenn sie ganz anders ist als das, was schon immer über Kleintierzüchter geschrieben wurde? Umso besser.
Welche Geschichte in Ihrem Blatt war in jüngster Zeit besonders gelungen?
Die gelungensten Geschichten sind nicht immer auffällig. Toll finde ich immer, wenn es uns gelingt, scheinbar dröge oder komplizierte Themen so aufzubereiten, dass die Leute merken: Hoppla, das geht mich ja was an. Solche Geschichten haben wir immer wieder. Manchmal werden wir diesem Anspruch aber nicht gerecht. Schade.
Welche Story sorgte für den größten Wirbel bei den Lesern?
Eine Geschichte über finanzielle Unregelmäßigkeiten in einem Sportverein. Aber der Wirbel war nur hinter den Kulissen mitzukriegen.
Was ist derzeit der wichtigste Trend im Lokaljournalismus?
Die Bereitschaft, über Veränderungen nachzudenken. Durch die Krise ist es möglich – und notwendig – geworden, Neues zu wagen und mehr an sich zu arbeiten. Wichtig finde ich auch, dass sich doch die Erkenntnis durchsetzt, dass wir als Journalisten näher an die Menschen herankommen müssen und dass damit auch Formen des Dialogs mit den Lesern notwendig werden.
Das schönste Kompliment für einen Zeitungsmacher ist?
Ein strahlender Leser.
Warum lesen Sie die drehscheibe?
Weil man Perlen findet, ohne lang tauchen zu müssen.
Philipp Förder
ZEITUNG: Reutlinger General-Anzeiger
POSITION: stellvertretender Resortleiter
GEBOREN: 1958
WERDEGANG: Volontariat Reutlinger GA, anschließend Redakteur Stuttgarter Nachrichten, später Außenredaktionsleiter Reutlinger GA, seit Oktober 2006 stellv. Ressortleiter Regionalredaktion
TELEFON: (07121) 30 23 43
E-MAIL: philipp.foerder@gea.de


