
- Jan Kaymer, Ostfriesen-Zeitung
Fragebogen 01/2007
Wovon handelte Ihr erster Artikel?
Der erste Versuch als freier Mitarbeiter waren zwanzig Zeilen über ein Spiel meiner eigenen Handballmannschaft. Die Sportkameraden waren über die Objektivität des Berichterstatters wenig erfreut und haben mir weitere Spielberichte unter Androhung eines körperlichen Verweises verboten.
Von welcher Story träumen Sie noch heute schlecht?
Ich vermeide es, von der Arbeit zu träumen.
Worauf könnten Sie bei Ihrer Arbeit am ehesten verzichten?
Auf die Einführung neuer Redaktionssysteme.
Woher holen Sie sich Ideen für gute Geschichten?
Viele Zeitungen lesen, bei den Nachbarn Tee trinken, jede Woche einmal in die Dorfkneipe gehen.
Eine Stunde vor Redaktionsschluss bricht ein Artikel weg. Was machen Sie?
Ein guter Redakteur hat immer noch etwas in der Schublade.
Das Thema „Kaninchenzüchterverein“ steht wieder an. Welche Tipps geben Sie dem Praktikanten, damit eine interessante Geschichte daraus wird?
Er (oder sie) soll sich genauso ernsthaft vorbereiten wie für eine Ratssitzung. Wenn er (oder sie) das Thema Kaninchenzüchter mit sichtbarem Widerwillen angeht, dann gebe ich ihm (oder ihr) den Tipp, sich einen anderen Beruf zu suchen. Mein Ausbildungsredakteur pflegte zu sagen: Wer sich zu wichtig für kleine Arbeiten hält, ist meist zu klein für wichtige Arbeit.
Welche Geschichte in Ihrem Blatt war in jüngster Zeit besonders gelungen?
Es ist kein einzelner Artikel, sondern ein Thema, dessen sich die Kollegen angenommen haben: die Aufarbeitung der Jahrhundertsturmflut vom 1. November.
Welche Story sorgte für den größten Wirbel bei den Lesern?
Als unsere Zeitung berichtete, dass der Heilpraktikerverband eine weithin geschätzte „Knochenbrecherin“ aus dem Geschäft drängen wollte. „Knochenbrecher“ haben die seltene Gabe, mit feinfühligen Fingern schmerzende Sehnen und Nerven zurechtzurücken. In der übernächsten Ausgabe hatten wir eine Doppelseite Leserbriefe in der Zeitung – wir hätten Stoff für acht Seiten gehabt.
Was ist derzeit der wichtigste Trend im Lokaljournalismus?
Das Bemühen, die so genannten „Qualitätsinseln“ im Blatt wachsen zu lassen.
Das schönste Kompliment für einen Zeitungsmacher ist?
„Kun leper“ (plattdeutsch: Könnte schlechter sein)
Warum lesen Sie die drehscheibe?
Siehe Frage 4.
Jan Kaymer
ZEITUNG: Ostfriesen-Zeitung, Leer
POSITION: Chef vom Dienst
GEBOREN: 1958
WERDEGANG: Volontariat in einem Düsseldorfer Medienbüro von 1978 bis 1980, 1980 Wechsel zur Ostfriesen-Zeitung und seitdem dort beschäftigt: im Lokalen, im Regionalen, in der Wirtschaft, Volontärsausbilder und seit zwölf Jahren Chef vom Dienst.
TELEFON: (0491) 97 90 171
E-MAIL: jkaymer@ostfriesen-zeitung.de


