
- Claus Morhart, Main-Echo
Fragebogen 14/2006
Wovon handelte Ihr erster Artikel?
Ein Bericht über ein Fußballspiel der Aschaffenburger Viktoria – obwohl ich selbst nicht Fußball spiele. Noch heute fällt es mir schwer, dieser viertklassigen Mannschaft mit der gebotenen journalistischen Distanz zu begegnen.
Von welcher Story träumen Sie noch heute schlecht?
Eine komplizierte Lesertelefon-Geschichte über ein Autoreifen-Problem während eines Praktikums bei der Frankfurter Rundschau. Der Reifenhändler machte hinterher mächtig Wirbel bei der Redaktionsleitung.
Worauf könnten Sie bei Ihrer Arbeit am ehesten verzichten?
Besprechungen, die kein Ende finden.
Woher holen Sie sich Ideen für gute Geschichten?
Gespräche mit Bekannten, Verwandten und Redaktionssekretärinnen, Lektüre aller möglichen Zeitungen, viel Radiohören, Blick aus dem Fenster und Blick in die drehscheibe.
Eine Stunde vor Redaktionsschluss bricht ein Artikel weg. Was machen Sie?
Um ehrlich zu sein: Stehsatz durchforsten, Bilder und andere Artikel aufblasen, Stoff aus Nachbarausgaben übernehmen.
Das Thema „Kaninchenzüchterverein“ steht wieder an. Welche Tipps geben Sie dem Praktikanten, damit eine interessante Geschichte daraus wird?
Fragen Sie doch einmal nach, was aus den Kaninchen der Schau des vergangenen Jahres geworden ist.
Welche Geschichte in Ihrem Blatt war in jüngster Zeit besonders gelungen?
Es waren eine ganze Reihe: 30 Folgen „Schwundrepublik Deutschland“, in der unsere Redaktion im Sommerhalbjahr ressortübergreifend die Folgen des Bevölkerungsrückgangs beschrieben hat.
Welche Story sorgte für den größten Wirbel bei den Lesern?
Zuletzt die Geschichte über einen CSU-Dorfbürgermeister, der eine Senegalesin geheiratet hat. Davor unsere Berichte über den Miltenberger Pfarrer, der die Glocken gegen eine NPD-Demonstration hat läuten lassen, und über die Explosion einer Weltkriegsbombe, die an der Autobahn bei Aschaffenburg einen Bauarbeiter tötete.
Was ist derzeit der wichtigste Trend im Lokaljournalismus?
Auf den ersten Blick scheinen es die „Leserreporter“ zu sein, doch im Grunde ist das kein neuer Trend: Tagtäglich müssen wir daran denken, beim Zeitungsmachen die Perspektive des Lesers einzunehmen.
Das schönste Kompliment für einen Zeitungsmacher ist?
Tolle Mischung heute.
Warum lesen Sie die drehscheibe?
Um mir immer wieder zu sagen: Darauf hätten wir auch kommen können.
Claus Morhart
ZEITUNG: Main-Echo, Aschaffenburg
POSITION: Chefredakteur
GEBOREN: 1956
WERDEGANG: Deutsche Journalistenschule in München, Main-Echo (Aschaffenburg), Oberhessische Presse (Marburg), epd medien,
seit Dezember 2002 wieder beim Main-Echo, jetzt als Chefredakteur.
TELEFON: (06021) 396 219
E-MAIL: morhart@main-echo.de


