
- André Uzulis
Fragebogen 11/2006
Was war für Sie im vergangenen Monat die wichtigste Nachricht und warum?
Die wichtigste Meldung war für mich die von der Absetzung der Oper „Idomeneo“ in Berlin. Weil ich es für einen für unsere Kultur tragischen Vorgang halte, wenn wir uns selbst unsere Freiheiten aus Furcht vor religiösen Fanatikern beschneiden. Die Freiheit der Kunst wie auch die Pressefreiheit sind zu lang und zu hart erkämpfte Güter, als dass wir sie aufgeben sollten. Und durch vorauseilenden Gehorsam gegenüber Verbrechern schon gar nicht.
Worüber haben Sie sich in den Medien am meisten geärgert?
Über das zunehmende Unwesen der so genannten Leserreporter. Das Engagement von Lesern in allen Ehren, aber die Aufgabe der Zeitung ist doch wohl eine andere als Fotos abzudrucken, die in Familienalben gehören. Zur Qualität der Zeitung trägt diese Modeerscheinung nicht bei.
Welche Geschichte in Ihrem Blatt war besonders gelungen?
Es ist uns gelungen, gemeinsam mit dem Norddeutschen Rundfunk die einzige Podiumsdiskussion der Spitzenkandidaten der im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern vertretenen Parteien im vergangenen Wahlkampf zu veranstalten. Sie fand im Verlagsgebäude des Nordkurier statt und fand weit über das Verbreitungsgebiet des Nordkurier hinaus Beachtung.
Welche Story sorgte jüngst für den größten Wirbel bei den Lesern?
Die Berichterstattung der in Frage drei beschriebenen Veranstaltung.
Was ist derzeit der wichtigste Trend im Lokaljournalismus?
Die Herstellung von Öffentlichkeit über die Zeitung hinaus – durch lokale Foren, Stadtteilgespräche, Talk-Shows, Podiumsdiskussionen und andere Aktivitäten.
Woher holen Sie sich morgens Ihre ersten Informationen?
Die allerersten Informationen eines Tages bekomme ich schon am Vorabend bei der Durchsicht der Nordkurier-Seiten. Morgens beginne ich den Tag zu Hause mit NDR Info und dem Deutschlandfunk. In der Redaktion folgen FAZ, Welt, Süddeutsche, Bild sowie unsere regionalen Nachbarzeitungen.
Schalten Sie Ihr Handy auch mal ab?
Ja, nachts.
Von welcher Story träumen Sie noch heute schlecht?
Von spannenden Wahlabenden, an denen bis Redaktionsschluss das Ergebnis noch offen ist und man bei der Kommentierung vage bleiben muss.
Worauf könnten Sie bei Ihrer Arbeit am ehesten verzichten?
Auf Kaffee.
Das schönste Kompliment für einen Zeitungsmacher ist?
„Wann lese ich den nächsten Artikel von Ihnen?“
Warum lesen Sie die drehscheibe?
Anregungen, Anregungen, Anregungen.
André Uzulis
ZEITUNG: Nordkurier, Neubrandenburg
POSITION: Chefredakteur
GEBOREN: 1965
WERDEGANG: Volontariat Braunschweiger Zeitung, Lokalredakteur Braunschweiger Zeitung, Studium der Geschichte, Politikwissenschaft, Romanistik in Hannover und Lille, Mitarbeit bei dpa, Nachrichtenredakteur Deutsche Welle Hörfunk, Politikredakteur Welt am Sonntag, stellvertretender Chefredakteur Nordsee-Zeitung, seit April 2002 Chefredakteur Nordkurier.
PRIVAT: verheiratet, zwei Söhne
TELEFON: (0395) 284 02 02


