Anton Sahlender über "Politik neu denken"
Herr Sahlender, Sie waren Initiator und Gastgeber des bpb-Pilotprojekts "Politik neu denken" in Kitzingen. Warum haben Sie sich so für diese Werkstatt engagiert?
Jetzt reden nicht nur die Bademeister mit uns über das Schwimmen, sondern vom Wasser betroffene Kollegen schwimmen selbst. Im Ernst: Die Werkstatt ist
notwendig, weil wir alle den Umgang mit diesen Medien lernen müssen. Es ist ein guter Weg, dabei direkt in Redaktionen zu praktizieren. Vor Ort, bei realen Arbeitsbedingungen und mit den betroffenen Journalisten können wir am besten erkennen, was im Tagesgeschäft machbar und was nicht machbar ist. Es zeigt uns, welche Ziele wir anstreben sollten.

- Anton Sahlender, Stellvertreter des Chefredakteurs der Main-Post
Wie hängen crossmediale Veränderungen in der Tageszeitung mit einem zukunftsgerichteten Lokaljournalismus und mit einer besseren Politikberichterstattung im Lokalen zusammen?
Die Tageszeitung ist ganz klar noch unser Basismedium, aber sie wird leider nicht mehr von jedem genutzt und verliert noch immer an Boden. Nun geht es um Zukunftsfähigkeit, auch um die der Print-Journalisten. Nach allem was wir wissen, müssen wir vor allem da, wo es unsere Stärke ist, nämlich im Lokalen und im Regionalen die Vielfalt der neuen Verbreitungswege nutzen. Darüber erreichen wir wieder mehr Menschen, darunter auch solche, die die Tageszeitung nicht mehr lesen. Wir haben in unseren Regionen noch immer die besten journalistischen Möglichkeiten und Nachrichtennetze. Diese Zukunftsorientierung - mit der Qualität des Tageszeitungsjournalismus - kommt natürlich einer besseren und nachhaltigeren Politikberichterstattung zugute.
Welche Ergebnisse der Werkstatt nehmen sie mit?
Besonders erfreulich finde ich die Begeisterung, mit der die beteiligten Lokaljournalisten bei der Sache waren. Sie haben sich nicht davon abschrecken lassen, dass wir mit einer Reihe von Übermittlungsmedien überhaupt noch nicht umgehen konnten, wie etwa mit bewegten Bildern und mit Tonaufnahmen. Innerhalb kürzester Zeit jedoch haben sie einige technische und dramaturgische Grundlagen von Video- und Audiobeiträgen gelernt. Zu Seminarende konnten wir uns bemerkenswerte Ergebnisse anschauen. Es bleibt dennoch ein weites Feld nahezu unbearbeitet vor uns liegen. Bereit sein müssen wir, aus Fehlern zu lernen. Aber was ich gesehen habe, macht Mut. Es hat die Flexibilität von Lokalredakteuren gezeigt und nimmt etwas von jener unbestimmten Angst vor "Eier legenden Wollmilchsäuen".
Ist es sinnvoll über das Lokaljournalistenprogramm der bpb auf die Veränderung der Tageszeitung durch neue Medien einzugehen?
Ja, durchaus. Ich schätze die bpb-Seminare dafür, dass sie sehr praxisbezogen sind. Referenten aus der Praxis versuchen Theorie über Praxis zu vermitteln. Davon lebte die Kitzinger Werkstatt, direkt in einer Lokalredaktion. Das ist eine Form der konsequenten Fortsetzung des Lokaljournalistenprogramms in einer sich ständig weiter verändernden Medienwelt. Praktiker und Experten sind gemeinsam gefragt – als Berater der bpb und als Zielgruppe der Seminare. Und was am Ende dabei rauskommt, wird deswegen bei anderen Lokaljournalisten nicht nur sehr bedenkenswert, sondern hoffentlich auch umsetzbar sein.
Das Interview führte Berthold L. Flöper, bpb.


