
- Gabi Liebegall (52) ist Redakteurin der Oschatzer Allgemeinen.
Fragebogen 02/2008
Wovon handelte Ihr erster Artikel?
Ich habe über einen internationalen Fechtwettkampf berichtet. Da ich in meiner Jugendzeit selbst Leistungssportlerin in dieser Sportart war und immer gute Aufsätze schrieb, wurde ich vom Trainer dazu vergattert. Damals ging ich in die 10. Klasse.
Von welcher Story träumen Sie noch heute schlecht?
Ich war noch nicht einmal ein Jahr in meinem Beruf, als ich kurzfristig in einen Kuhstall zur Geburt von drei Kälbchen an einem Tag geschickt wurde. Ursprünglich sollte ich zur Einweihung einer Klinik – und so war ich auch gekleidet. Pumps mit hohen Absätzen, kurzer Rock, weiße Bluse. Als ich dann im Kuhstall stand, wäre ich am liebsten im Boden versunken, so habe ich mich geschämt.
Worauf könnten Sie bei Ihrer Arbeit am ehesten verzichten?
Auf Leute aus dem Nicht-Journalistenbereich, die mir erklären wollen, wie ich meine Hausaufgaben zu machen habe.
Woher holen Sie sich Ideen für gute Geschichten?
Aus dem Alltag. Außerdem aus Gesprächen und Studien anderer Medien.
Eine Stunde vor Redaktionsschluss bricht ein Artikel weg. Was machen Sie?
Kurz durchatmen und überlegen, was ich noch im Block habe, das passen würde.
Das Thema Kaninchenzüchterverein steht wieder an. Welche Tipps geben Sie dem Praktikanten, damit eine interessante Geschichte daraus wird?
Geht es um eine Ausstellung? Einen Preis? Das Vereinsleben? Es kommt darauf an, was mit dem Text erreicht werden soll. Ist das klar, soll er mit sich eine Art Brainstorming machen, Fragen aufschreiben und sich überlegen, was er selbst als Leser gern aus dem Text erfahren würden.
Welche Story sorgte für den größten Wirbel bei den Lesern?
Als ein Bürgermeister, der gleichzeitig Präsident eines Fußballvereins war, nach einem Spiel behauptete, dass ein Besucher von einem Fußballer verletzt worden sei. Aber sowohl der Kicker als auch der angeblich Betroffene versicherten, dass gar nichts passiert war. Der Bürgermeister blieb bei seiner Behauptung und verbot daraufhin seinen Mitarbeitern der Verwaltung, bei dem Arbeitgeber des Fußballers, einer Supermarktkette, einkaufen zu gehen. Das hat wahnsinnige Wellen geschlagen.
Welche Geschichte in Ihrem Blatt war in jüngster Zeit besonders gelungen?
Als das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zur Neuregelung der Hartz-IV-Verwaltung kam, brachen zwei Kollegen das Thema noch am gleichen Tag regional runter. Am Ende entstand eine üppige, lesbare, informative und einfühlsame Reportage. Unter Druck gibt es oft die besten Geschichten.
Was ist derzeit der wichtigste Trend im Lokaljournalismus?
In Gesprächen mit Leuten oder in Briefen Themen zwischen den Tönen und zwischen den Zeilen heraushören und lesen, den Alltag einfangen und ihn ins richtige Licht rücken.
Das schönste Kompliment für einen Zeitungsmacher ist ...
... eine positive Rückmeldung vom Leser. Das passiert selten genug.
Warum lesen Sie die drehscheibe?
Weil man allein oder in einem so kleinen Team wie unserem gar nicht so viele gute Ideen entwickeln kann.
Gabi Liebgall
ZEITUNG: Oschatzer Allgemeine
POSITION: Redakteurin
GEBOREN: 1955
WERDEGANG: Volontariat Leipziger Volkszeitung, Studium der Journalistik in Leipzig; seit 1979 Lokalredakteurin in Oschatz, sieben Jahre als Redaktionsleiterin; spezialisiert auf Polizei- und Gerichtsberichterstattung.
TELEFON: (03435) 97 68 21
E-MAIL: g.liebegall@lvz.de


