Der Trend: Große Bilder, viel Weißraum

Europas Zeitungen werden immer "magaziniger" – nur die Deutschen zieren sich noch

 

Zeitungsdesigner und Veranstalter Norbert Küpper

Alle europäischen Zeitungen – außer die deutschen – werden zunehmend "magaziniger" gestaltet, resümierte der Zeitungsdesigner Norbert Küpper. "Das heißt zeitschriftenähnlich: mit großen Bildern und viel Weißraum." Küpper ist Initiator des European Newspaper Awards. Im neunten Jahr haben sich 288 Zeitungen aus 26 Ländern mit ihren Designs und Konzepten präsentiert. An 86 Zeitungen aus 17 Ländern gingen "Awards of Excellence". Küpper gab im Wiener Rathaus einen Überblick über die Trends.

 

 

 

In Deutschland brauchen Leser lange Arme

 

Während sich bereits seit dem Jahr 1904 das Tabloid in Österreich etabliert hat, druckt das Gros der deutschen und schweizer Zeitungsmacher weiterhin auf ausladende Papierbögen – zum Blättern brauchen Leser lange Arme. Ein Trend zum Tabloid sieht Küpper in beiden Ländern nicht. Neben der Welt Kompakt wagte in Deutschland lediglich die Frankfurter Rundschau 2007 den Schritt zum handlichen Format. Küppers lobte deren ungewöhnliche Titelblattillustration etwa zur Frankfurter Buchmesse.

 

Das Spiel mit Typo und Layout

 

Doch auch einige Großformate spielen mit der Magazinästhetik. Die Thüringer Allgemeine etwa bringt jedes Wochenende eine magazinige Version ihrer sonst eher klassisch gelayouteten Tageszeitung heraus.
Im Magazinstil machen’s die skandinavischen Blattmacher ihren europäischen Kollegen vor. Art Direktoren und Layouter in Schweden, Finnland und auch Estland gestalten ihre Tabloid-Zeitungen zumeist bildlastiger. Vor allem deren Titelseiten sind sehr bildkräftig. Der Trend im europäischen Tabloid geht allgemein hin zu einem gesetzten Themenschwerpunkt. So auch in Spanien, allerdings mit mehr Text als in Skandinavien, wo zudem die Fotoreportage fester Bestandteil ist. So berichtete die norwegische Zeitung Bergens Tidende mehrere Tage lang in Form einer Fortsetzungs-Fotoreportage über ein Schiffsunglück und die damit verursachte Ölkatastrophe:

 

 

 

Wie wirkungsvoll und übersichtlich die visuelle Aufarbeitung eines Themas auf einer Zeitungsdoppelseite sein kann, zeigte Küpper am Beispiel einer Doppelseite mit riesiger Infografik aus einer englischen Zeitung. "Das kann das Internet nicht leisten", sagt der Zeitungsdesigner. Andere Zeitungen wie etwa Die Zeit und die Mittelbayerische Zeitung aus Regensburg fangen die Blicke der Leser mit Kunstgriffen der Typografie, zeichnen etwa Formen mit dem Text passend zum Thema.

 

 

 

 

Lokalteilkonzepte nah am Leser gehen in Serie

 

Lokalteile deutscher Tageszeitungen überzeugten die Jury mit ihren Konzepten: Bei den Aachner Nachrichten etwa läuft derzeit eine Serie namens "un-sichtbar". Auf der ersten Lokalseite bringt die Redaktion fünfspaltige Fotos von Orten, die für den Normalbürger meist unsichtbar sind: ungewöhnliche Perspektiven aus der Fußballer-Umkleidekabine von Alemannia Aachen, Hinterzimmern des Theaters oder Archiven. Dazu gibt es immer eine kleine Geschichte. Die fotografisch anspruchsvollen Motive kommen so gut bei den Lesern an, dass die Redaktion nun sogar einen Kalender zur Serie plant. Küpper hob auch das Serienkonzept "Hamburg lebenswert" des Hamburger Abendblatt hervor. Die Braunschweiger Zeitung (BZ) brachte eine Folge namens "Literarische Plätze" und arbeitete dazu mit dem Sender Deutschlandradio Kultur zusammen. In der BZ-Nebenausgabe, der Salzgitter Zeitung, gaben die Layouter mit einem Satellitenbild eine innovative Übersicht über die Standorte leer stehender Geschäfte im Stadtteil Bad. Andere Zeitungsmacher nutzen Satellitenbilder von "Google earth" oder Karten aus "Google maps", um etwa Umleitungen, Unfallorte oder Radtourstrecken zu veranschaulichen:

 

 

 

 

 

Weitere Infos zu den Trends von Norbert Küpper unter www.editorial-design.com

 

Text: Patricia Dudeck

Aus dem Weltall: Fotos fürs Lokale

Der Tipp von Norbert Küpper

Mit "Google Earth Pro" können Journalisten jeden Punkt der Erde heranzoomen und als Bilddateien bis zu einer Größe von maximal DIN-A3 exportieren. Für eine Lizenzgebühr von rund 300 Euro (400 US-Dollar) pro Jahr können diese Bilder in Dokumenten, Präsentationen, Webseiten oder Printmaterialien verwenden werden. Weitere Informationen dazu im Internet unter www.earth.google.com

Aus den Award-Kriterien:

- Nur eine sauber gestaltete Zeitung zu machen genügt nicht – darum bemühen sich Viele.

 

- Das Niveau bei der Gestaltung mit Bildern muss weit über dem Normalen liegen.

- Alle typografischen Elemente müssen durchgehend konsequent verwendet sein.

 

- Das Seitenlayout muss fachmännisch richtig und weder zu langweilig noch zu wild wirken.

 

- Hauptpreisträger wird, wer eigenwillig, unverwechselbar und im weitesten Sinne innovativ im Verwenden der gestalterischen Mittel ist.

 

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