Impulsgeber fürs Lokale

Das Modell "drehscheibe" soll zukünftig auch in der Schweiz den Austausch von Ideen unter Lokaljournalisten fördern. Ob sich die Schweizer Zeitungen der drehscheibe anschließen oder ein eigenes Projekt umsetzen, wird jetzt diskutiert.

 

 

Das Schweizer Medienmagazin EDITO über die drehscheibe. Zum Download des Beitrags als PDF auf das Bild klicken!

Manchmal dauert es etwas, bis sich eine gute Idee herumspricht. Nach 27 Jahren ist das Modell "drehscheibe" nun auch in der Schweiz angekommen und sorgt dort für Diskussionen. Beim Medienpodium '09 der Schweizer Journalistenschule MAZ stellte Berthold L. Flöper, Leiter des Lokaljournalistenprogramms der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und Herausgeber der drehscheibe, das Netzwerk und die Ideenbörse für Lokaljournalisten vor. Bei der Veranstaltung in Luzern ging es um die Zukunft des Lokaljournalismus. "Das Lokale im Journalismus – DAS Allerheilmittel, DIE Überlebenschance?" lautete die Frage, die von Medienprofis aus der Schweiz und Deutschland diskutiert wurde.

 

Die Herausforderungen, denen sich der Lokaljournalismus in den kommenden Jahren gegenüber sieht, sind groß. "Wir werden künftig mit noch weniger Leuten noch mehr Qualität bieten müssen", sagte Jörg Meier von der Aargauer Zeitung auf dem MAZ-Medienpodium. Gleichzeitig wächst in Zeiten des Internets für die Verlage die Bedeutung der lokalen Information. Sylvia Egli von Matt, Direktorin der Journalistenschule MAZ, ist überzeugt, "dass das Lokale wichtiger wird, je globaler wir agieren müssen". Und obwohl die Ansprüche an einen qualitativ hochwertigen Lokaljournalismus steigen, hätten die Schweizer Lokalredaktionen mit einer "hohen Fluktuation und geringen Wertschätzung" seitens der Kollegen zu kämpfen, so Egli von Matt.

 

In dieser Situation sind einerseits die Verleger und Chefredakteure gefordert, den Wert des Lokalen für das eigene Medium zu erkennen und zu stärken, andererseits muss aber auch der Innovationstransfer zwischen den Lokalredaktionen gefördert werden. An dieser Stelle könnte auch die drehscheibe als Forum für den Austausch von Ideen und Konzepten für den Schweizer Lokaljournalismus interessant werden. Entweder, indem die Schweizer Zeitungen sich am Netzwerk "drehscheibe" beteiligen oder aber das Konzept übernehmen und eine eigene Plattform aufbauen.

 

In Deutschland gibt es die drehscheibe bereits seit 1981. Damals erschien die erste Ausgabe des drehscheibe-Magazins mit nachahmenswerten Ideen und neuen Konzepten aus Lokalredaktionen. Der Pressedienst für Lokaljournalisten ist Teil des Lokaljournalistenprogramms der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, das sich seit mehr als 30 Jahren die Förderung der Qualität im Lokaljournalismus auf die Fahnen geschrieben hat. Mit Weiterbildungsangeboten, Kongressen, Publikationen und dem Ideen-Austausch der drehscheibe bleibt das Programm dicht an der lokaljournalistischen Praxis und hat sich als Netzwerk für den Lokaljournalismus in Deutschland etabliert. Inzwischen zählen aber auch deutschsprachige Medien aus anderen europäischen Ländern zu den Abonnenten der drehscheibe. Ob nun weitere Schweizer Zeitungen sich dem Netzwerk anschließen oder aber die Schweizer Verlage das Modell importieren, bleibt vorerst offen.  MAZ-Direktorin Sylvia Egli von Matt hat aber bereits ein Projektteam aufgestellt, dass diese Frage erörtern soll.

 

Jan Steeger

 

 

Berichterstattung zum MAZ-Medienpodium und das Konzept der "drehscheibe" in schweizerischen Medien:


"Neue Impulse für das Lokale", erschienen in der Aargauer Zeitung vom 3. September 2009

 

"Vitaminstoss für das Lokale", erschienen im Schweizer Medienmagazin EDITO 03/2009

 

"MAZ-Medienpodium im Zeichen des boomenden Lokaljournalismus", auf der Website der Journalistenschule MAZ

 

 

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