Forschung
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Vermischte Seiten in Lokalzeitungen |
| Viel Promis, wenig Regionales: In seiner Diplomarbeit zeigt Sebastian Wieschowski von der Universität Eichstätt das versteckte Potenzial der vermischten Seiten von Lokalzeitungen."Um die Vermischtes-Seite aufzuwerten und das lokale Profil zu schärfen, könnten Regionalzeitungen darüber nachdenken, kuriose Themen aus dem Lokalteil herauszuheben und im Vermischten zu platzieren", lautet ein Fazit seiner Untersuchung, für die er 86 Lokalzeitungen aus ganz Deutschland analysierte.Für die drehscheibe fasste er seine Ergebnisse zusammen. | |
Die Erdbebenkatastrophe in Italien, die Traumhochzeit des Tennis-Stars und das Verdauungsproblem eines Schweins, alles zusammen auf einer Zeitungsseite – die Regionalzeitungsredaktionen zwischen Flensburg und München bieten ihren Lesern im Vermischtes-Ressort vor allem Unterhaltung. Das ist wichtig: 65 Prozent der Befragten der Langzeitstudie „Massenkommunikation“ gaben an, die Zeitung aus Spaß zu lesen.
Vergleicht man die Vermischten-Seiten, fallen einige
Unterschiede auf. Schon bei der Namensgebung herrscht deutschlandweit
keinesfalls Einigkeit. In den 86 untersuchten regionalen Tageszeitungen
sind 21 verschiedene Seitennamen zu finden. Am häufigsten (bei 30
Zeitungen) ist der Name „Aus aller Welt“. 14 Zeitungen gaben ihrer
bunten Seite den Namen „Panorama“, neun Zeitungen benannten sie
„Weltspiegel“.
Was sind die beliebtesten Themen? Die Berichterstattung über
Prominente nimmt den größten Anteil ein. Etwa jeder dritte Artikel
behandelt Geschichten aus der Welt der Stars und Sternchen. Besonders
oft stehen Entwicklungen in Partnerschaft oder Familie im Fokus der
Texte, gefolgt von beruflichen Neuigkeiten sowie kriminellen
Zwischenfällen. Abseits der „People“-Berichterstattung
fanden sich insgesamt 31 Themenkomplexe, wobei Berichte über jegliche
Form der Kriminalität den größten Raum auf den Vermischten-Seiten
einnehmen, gefolgt von Unfällen. Regionale Themen sind dagegen kaum zu
finden: Nur etwa fünf von hundert Artikeln behandeln ein Ereignis,
welches sich in dem Bundesland der jeweiligen Zeitung zugetragen hat.
Auch lokale Ereignisse spielen eine marginale Rolle. Der Anteil der
Meldungen, bei denen Erscheinungsort der Zeitung und Ortsmarke des
Textes identisch waren, lag bei nur 1,24 Prozent. Um ihre
Vermischtes-Seite aufzuwerten und das lokale Profil zu schärfen, könnten
Regionalzeitungen also darüber nachdenken, kuriose Themen aus dem
Lokalteil herauszuheben und im Vermischten zu platzieren –
beispielsweise mit einer kurzen und kuriosen Meldung aus dem
Verbreitungsgebiet.
Die Seitenstruktur ist stets ähnlich: Aufmacher im oberen Bereich
der Seite, zwei bis vier längere Meldungen darunter und fünf bis
zehn kurze Nachrichten in einer eigenen Spalte am Seitenrand. Die
Berichterstattung über Berühmtheiten wird meist in dieser Spalte
platziert, die Namen wie „Menschen im Blickpunkt“ (Fuldaer Zeitung),
„Leute heute“ (Die Glocke, Oelde) oder „Klatsch und Tratsch“
(Heilbronner Stimme) trägt. Daneben finden sich nur vereinzelt speziell
für die Vermischtes-Seite entwickelte Elemente auf der Seite. Einzige
Ausnahme: Die Meldungsspalte wird in den meisten Zeitungen mit einer
eigenen Rubrik abgeschlossen, die Namen wie „Aufgespießt“ (Badisches
Tagblatt, Baden-Baden), „Unglaublich“ (Braunschweiger Zeitung), „Auch
das noch“ (Landeszeitung für die Lüneburger Heide) oder „Nicht von
dieser Welt“ (WAZ-Gruppe) trägt. Manche Redaktionen verwenden weitere
Rubriken. Zum Beispiel:
Kindernachrichten:
Nils
Nager, der rasende Reporter, erzählt in der Rheinpfalz (Ludwigshafen)
kindgerecht eine vermischte Nachricht. Im Mindener Tageblatt gibt es
unter der Rubrik „Kinder aktuell“ eine einfach gestaltete Meldung vom
Tage.
Das kleine Rätsel:
Der Münchner
Merkur stellt eine Wissensfrage mit drei Antwortmöglichkeiten. Wer die
richtige Antwort lesen möchte, muss die Seite um 180 Grad drehen – in
der rechten unteren Ecke ist die Lösung zu finden.
Kurzinterviews:
Im
Kölner Stadt-Anzeiger werden Menschen, die für „bunte“ Schlagzeilen
gesorgt haben, in der Rubrik „Sagen Sie mal...“ zum Kurzinterview
gebeten. In den knappen Gesprächen berichtet beispielsweise die deutsche
Meisterin im Kartoffelschälen von ihrem Hobby.
Kolumnen:
In
der Neuen Presse (Hannover) finden die Leser jeden Tag die
Leute-Kolumne „NPeople“ mit Klatsch und Tratsch. Im Wiesbadener Kurier
berichten Redakteure unter dem Titel „Fokus“ von alltäglichen
Kuriositäten und schreiben süffisante Gedanken zu den vermischten Themen
auf.
Drei Seitenkonzepte fielen beim deutschlandweiten
Vergleich aus dem Rahmen. Sie zeigen, dass es durchaus Alternativen zum
klassischen Aufbau der bunten Seite gibt. Der Westfälische Anzeiger
(Hamm) hat zwei getrennte Vermischte-Seiten mit „Blick in die
Welt“ für internationale Ereignisse sowie „Land und Leute“ für Themen
aus der Region und Deutschland. Die WAZ-Gruppe hält sogar drei Seiten
aus dem klassischen Themenkanon des Vermischtes-Ressorts vor: „Welt“,
„Menschen“ und „Gesellschaft“. Auffällig ist ebenfalls die Pforzheimer
Zeitung: Die Redaktion widmet dem Vermischten eine Doppelseite mit
opulenter Aufmacheroptik, drei bis vier größeren Geschichten und vielen
kleinen Texten am Seitenrand.






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