Muss Ziffer 12 des Pressekodex verändert werden?

Die Ereignisse in der Silvesternacht 2015 in Köln haben auch eine Diskussion über den Pressekodex ausgelöst. War es richtig, dass Zeitungen die ethnische Zugehörigkeit der mutmaßlichen Täter – Stichwort „nordafrikanisches Aussehen“ – wiedergegeben haben? War das mit dem Pressekodex vereinbar? Muss Ziffer 12 modernisiert werden? Eine Debatte.

Thomas Hauser

Es handele sich um ein Gebot – nicht um ein Gesetz. Die Entscheidung, wie über eine Straftat berichtet werde, ob dabei Nationalität, Ethnie oder Religion für die Einordnung der Tat relevant seien oder nicht, müssten immer noch Journalisten selbst treffen, meint Thomas Hauser, der Chefredakteur der Badischen Zeitung.

Lars Reckermann

Ja, wir von der Schwäbischen Post und Gmünder Tagespost nennen die Nationalität in unserer Berichterstattung – und das nicht erst seit den Übergriffen in Köln, sondern schon seit Mai 2015. Und wir nennen die Nationalität auch bei Ladendiebstählen. Warum? Eine Replik von Lars Reckermann, Chefredakteur der Schwäbischen Post.

Joachim Braun

Die Diskussion über Sinn und Zweck der Ziffer 12.1. des Pressekodex ist in vollem Gange. Joachim Braun, derzeit noch Chefredakteur des Nordbayerischen Kuriers, meint, der Kodex sei nur ein Rahmen, denken müssten Journalisten schon selbst. Das Verbot einer Diskriminierung von Minderheiten könne, richtig angewandt, durchaus Leitschnur für die journalistische Arbeit sein.

Edda Eick

Die Ereignisse der Silvesternacht in Köln haben die Öffentlichkeit erschüttert. Nach einigen Tagen wurde bekannt, dass viele Betroffene die Täter als „nordafrikanische“ oder „arabische“ Männer beschrieben haben. Viele Zeitungen übernahmen diese Formulierung. Die drehscheibe sprach darüber mit Edda Eick, Referentin für Öffentlichkeit beim Deutschen Presserat.