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Interviews

Sebastian Horn ist Redakteur von Zeit online.

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„Pöbler werden ignoriert“

Sebastian Horn ist Redakteur von Zeit online. Er betreut die Community und die Aktivitäten der Redaktion in den sozialen Netzwerken. Gemeinsam mit Max Neufeind von der ETH Zürich hat er eine der Debatten auf Zeit online wissenschaftlich ausgewertet. Am Rande der Internetkonferenz Re:publica, die vom 2. bis 4. Mai in Berlin stattfand, sprach die drehscheibe mit ihm über seine Beobachtungen.

Der Verlauf der Debatte zum Grundeinkommen auf Zeit online
Auf das Bild klicken, dann geht's zur Auswertung.

Herr Horn, Sie haben untersucht, wie sich Nutzer auf Zeit online in ihrem Kommentarverhalten unterscheiden. Auf welche Nutzertypen sind Sie gestoßen?

 
Wir haben eine Debatte mit über 1.400 Kommentaren ausgewertet. Das war die bis dahin längste auf Zeit online und hat sich daher besonders für die Analyse angeboten. Es ging um das Thema Grundeinkommen. Wir haben – basierend auf statistischen Methoden – untersucht, inwiefern sich Nutzer in ihrem Kommentarverhalten ähneln oder unterscheiden.

Dabei haben wir erstens den klassischen Troll gefunden – also den Typen, der mit destruktivem und teilweise beleidigendem Verhalten versucht, die Diskussion zu stören. Wir haben aber festgestellt, dass es nur ein Nutzertyp von vieren ist. In der Debatte, die wir untersucht haben, hat er auch nur rund elf Prozent der Kommentare geschrieben.

Zweitens gibt es den vorbildlichen Musterschüler. Das ist ein Usertyp, der zwar wenige Kommentare schreibt. Seine Kommentare sind jedoch sehr lang, gut ausformuliert und klingen freundlich. Er schafft es außerdem, auf viele Aspekte des Themas einzugehen.

Den dritten Typen nennen wir den Bemühten oder auch den Fleißigen: ein User, der extrem viele Kommentare verfasst. Sie haben eine mittlere Länge, sind durchschnittlich überzeugend und durchschnittlich freundlich. Nur 14 Prozent der Nutzer sind in unserer Auswertung in diese Kategorie gefallen. Sie haben aber den Großteil der Kommentare verfasst.

Der letzte Typ ist der Besserwisser. Jemand, der sehr scharf formuliert, sich häufig direkt an die Autoren des Artikels und gegen deren Standpunkt richtet. Er unterscheidet sich vom Pöbler vor allem dadurch, dass er Argumente vorbringt und dass er inhaltlich etwas zu sagen hat. Dafür erhält er viel Aufmerksamkeit von anderen Nutzern, die auf seine Kommentare antworten oder sie mit einer Leserempfehlung versehen.
 

Ist es der Besserwisser, der die Debatte am ehesten vorantreibt?
 

Grundsätzlich lässt sich sagen: Kommentare, die ein hohes Argumentationsniveau vorweisen und viele Aspekte des Themas beinhalten, lösen die meisten Reaktion aus. Das ist eine sehr erfreuliche Erkenntnis. Kommentare von Pöblern werden meist ignoriert. Je schwächer ein Kommentar argumentativ ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand darauf antwortet.
 

Kann es passieren, dass der Troll eine Debatte sprengt?
 

Das ist möglich. Die Aufgabe der Redaktion besteht darin, sich um solche User zu kümmern und sicherzustellen, dass das nicht passiert. Wir haben ein sehr strenges Moderationsteam, das die Kommentare liest und notfalls löscht, sollten sie gegen unsere Diskussionsregeln verstoßen.
 

Löschen Sie die Kommentare mit dem Hinweis, dass sie gelöscht wurden?
 

Wir ersetzen jeden gelöschten Kommentar durch eine Anmerkung der Redaktion, in der wir knapp den Grund für die Löschung angeben. So bekommt es der Nutzer mit, der den Kommentar geschrieben hat. Aber auch die anderen Diskussionsteilnehmer merken, dass die Redaktion da ist und ein waches Auge auf die Debatte wirft.
 

Was sind Ihre Kriterien für eine Löschung?
 

Wir haben die genauen Kriterien in unserer Netiquette zusammengefasst. Man darf unter anderem niemanden beleidigen oder diskriminieren, keine Verleumdungen verbreiten oder nicht prüfbare Unterstellungen und Verdächtigungen anstellen. In unserer Netiquette steht auch, was für uns einen guten Kommentar ausmacht und wie das Moderationsteam bei Regelverstößen vorgeht.
 

In der Ankündigung Ihres Vortrags auf der Re:publica stand auch etwas von der Möglichkeit, Filter einzubauen, die solche Online-Debatten automatisch steuern. Wie könnte so etwas aussehen?
 

Denkbar wäre, dass die Analysen, die wir händisch ausgeführt haben, von Algorithmen übernommen werden. Das könnte bedeuten, dass ein Programm die Kommentare versteht und zum Beispiel die Meldung auswirft: Dieser Kommentar muss gelöscht werden. Nach meinem Wissensstand ist die Technik jedoch noch nicht so weit. Man kann zwar mittlerweile die Grundstimmung von Kommentaren und Tweets ansatzweise feststellen lassen, aber von sinnvollen automatisierten Moderationshilfen sind wir noch weit entfernt. Um dahinzukommen, sind solche Analysen, wie wir sie jetzt vorgenommen haben, jedoch der Grundstein.
 

Wie viele Kollegen betreuen eine Debatte auf Zeit online?
 

Das schwankt je nach Aufkommen. Es gibt Zeiten, da posten User mehrere hundert Kommentare in der Stunde. In diesen Fällen kümmern sich mehrere Mitarbeiter darum. Meistens sind es ein bis drei Mitarbeiter, die sich gleichzeitig mit den Kommentaren befassen.
 

Die Kommentare erscheinen bei Zeit online automatisch?
 

Ja, sie erscheinen sofort, wenn die User sie abgeben. Wir wenden eine Nachmoderation an, das heißt, wie prüfen die Kommentare zeitnah nach dem Erscheinen. Die große Mehrheit unserer Nutzer schafft es, einen regelkonformen Kommentar zu schreiben, und denen wollen wir den Spaß an einer lebendigen Debatte nicht verderben, indem wir Kommentare vor der Veröffentlichung erst zurückhalten.
 

Haben Sie bei Ihren Analysen eine Gesetzmäßigkeit entdecken können, welche Debatten gut gehen? Lässt sich der Erfolg einer Debatte vorhersagen?
 

Es gibt gewisse Themen, die bei uns immer viel diskutiert werden. Dazu gehören sicherlich die Themen Integration, der Nahostkonflikt, Vegetarismus oder Gleichberechtigung. Auch Politiker wie Sarrazin, Guttenberg oder Wulff haben sehr heftige Diskussionen ausgelöst. Wie die Debatten im einzelnen verlaufen, lässt sich schwer vorhersagen. Das hängt unter anderem von der Zusammensetzung der Nutzer ab, die sich beteiligen, und von der Richtung, die die Diskussion inhaltlich einschlägt.
 

Was halten Sie von Klarnamen?

 

Ich halte sie nicht für notwendig, um online konstruktiv und sachlich zu diskutieren. Unsere tägliche Erfahrung bei Zeit online und die detaillierte Auswertung, die wir auf der Re:publica präsentiert haben, bestätigen das. Gute Argumente und überzeugende Meinungen sollten im Mittelpunkt einer Debatte stehen, und nicht die Frage, wer sie verfasst hat. Klarnamen einzuführen, die auch tatsächlich von der Redaktion verifiziert sind, wäre außerdem äußerst aufwendig und vermutlich nicht praktikabel. Überdies haben wir auf unserer Facebook-Seite und auf Google + erlebt, dass User durchaus auch unter ihrem Klarnamen gegen unsere Regeln verstoßen. Klarnamen wären also keine Garantie dafür, dass die Qualität der Debatte automatisch steigt.

 

Interview: Stefan Wirner


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Kommentare

Kommentar von kein | 23.03.2013

Zeit Online ist die schlimmste Zensurzeitung die im Deutschsprachigem Raum existiert! Bei einigen Themen werden gegenteilige Meinungen zu einem Artikel absolut nicht geduldet und da wird de Kommentar gleich gelöscht oder der Acc gleich mit.

Kommentar von orientierung202 | 10.03.2013

Hat eigentlich jemand Erfahrungen damit, wie es nach einer Sperrung mit dem Datenschutz weitergeht?

Faktisch ist es ja so, dass die ZEIT einem ohne Vorwarnung den Zugriff auf die bisherigen eigenen Kommentare entzieht und keiner weiß, was die künftig damit machen werden.

Damit ist eigentlich nach BDSG ein Anspruch auf Auskunft und Löschung verbunden. Weiß hier keiner was??

Kommentar von orientierung202 | 10.03.2013

Darf ich dem “Club” beitreten?

Mein Account ist Mitte Februar 2013 kommentarlos gesperrt worden. Auf meine Rückfrage, weswegen, habe ich einen Monat später die folgende Auskunft erhalten:

“Leider fielen Sie der Moderation wiederholt durch unangemessene Vergleiche mit der Judenverfolgung, Arbeitslagern u.ä. negativ auf. Darum wurde Ihr Zugang zum Kommentarbereich gesperrt. Auf diese Weise stellen wir sicher, dass unsere Netiquette durchgängig eingehalten wird.

Ein Fall auf den das zutraf war, dass ich bei der Diskussion um die pol. Korrektheit des N-Worts in Büchern darauf verwiesen habe, dass wir ja bereits Zeiten hatten, in denen unliebsame Autoren verbrannt wurden.

Eine angemessene Reaktion auf so einen Beitrag ist entweder ein Widerspruch von anderen Lesern oder der Moderation, die in einem eigenen Beitrag drauf hinweisen kann, dass sie den Vergleich unangemessen findet und warum. So könnte sich jeder eine eigene Meinung bilden. Das scheint aber nicht das Ziel zu sein, sondern der Zusammenhalt einer harmonisch-konformen Gemeinde, die nix “Böses” erfährt.

Dass die Zeit den Humor besitzt, nun genau diese Logik (nicht Sperrung der Meinung, sondern Sperrung meiner Person!) auf meinen Zugang anzuwenden, das ist Chuzpe.

Es ist wie in diesem genialen Werk von C.G. Wells “Die Zeitmaschine”: die Eloi leben friedlich auf Erden. Ab und zu verschwindet einer, was keinen weiter kümmert.

Kommentar von Adelhelm | 23.02.2013

Die Zeit ist eine üble Zensurmaschine.
Die Behauptungen von Sebastian Horn, dass alle Kommentare durch einen Hinweis ersetzt werden ist eine bösartige Lüge. Gerade Kommentare, die die Manipulationsversuche der Redaktionsartikel offenlegen werden eiskalt gelöscht. Und - was hinzu kommt - Folgekommentare auf diese Kommentare werden ebenfalls gelöscht, so dass niemand auf den Gedanken kommen könnte, worum es ursprünglich ging, auch wenn diese völlig konform sind und der Propaganda des Artikels entsprechen.

Ich persönlich bin der Meinung, diese Gestalten in ihren selbstherrlichen Redaktionsbunkern sind die Feinde einer echten Demokratie!

Kommentar von DschingisKhan | 13.01.2013

Die Zeit-Redakteure zensieren mittlerweile völlig willkürlich und verhalten sich obendrein höchst arrogant.

Gerade in den China-Themen ist die allseits bekannte Zensur bei der Zeit ein ganz tolles "Aushängeschild".

Kommentar von krause | 01.10.2012

gefährlich !
was da so in redaktionstuben getrieben wird !
man kommt ins "grübeln" !
es fallen begriffe , wie troll, musterschüler,im auge oder beobachtung.
kenne ich solche denkweisen als ostdeutscher !
habe mal in der zeit online geschrieben, daß wir auf die straße in leipzig gingen , um u.a. meinungsfreiheit zu haben.
wir haben doch geschafft , daß bei uns die Zeit verkauft werden kann.
Das wurde gestrichen !

P.S.
nun ja, ich habe auch geschrieben, daß ich mir die zeitung nicht mehr kaufen würde !

Kommentar von jan Dark | 15.09.2012

Ist das süß:
"Aber auch die anderen Diskussionsteilnehmer merken, dass die Redaktion da ist und ein waches Auge auf die Debatte wirft."

Zensur "als waches Auge auf die Diskussion" verkaufen. China und Iran haben offenbar mehr Einfluss auf die Jugendlichen bei der ZEIT als die demokratische Entwicklung des Westens. na ja, macht ja nichts, hat man halt öfter, dass junge Leute zu Kommunismus und Stalinimus neigen. Ist ja immer für eine gute Sache, wenn die Bürschlein Klugscheissen. Lustig finde ich immer den Hinweis auf Beleidigungen. Das ist bei uns eine Straftat. Die ahnden sonst nur Richter auf Antrag des beleidgten. Aber bei der Zeit machen es die Zensoren im stillen Kämmerlein, wie die Inquisitoren der katholischen Kirche früher. War ja auch für eine gute Sache, die subjektive Ansicht des Zensors als klugscheissende Besserwisserei abzusondern.

So bleiben dann bei der ZEIT nur solche, die sich wohl fühlen, sich masoschistisch dem Zensor zu beugen und dann stolz sind, dass die Bübchen sie nicht gelöscht haben. Diese Inzucht zeit dann da Medium herunter. Die Kommentare in dem inzüchtigen Masochistenverein sind langweilig. Deswegen hat Zeit Online auch keine nenneswerte Zuwachsraten wegen solcher selbsternannten Sittenwächtern mit eigener Scharia.

Die katholische Kirche hat nach 2000 Jahren 1,1 Mrd Mitglieder mit Zensur, Inquisition, Hexenverbrennung, Folter. In Deutschland abnehmend. Facebook hat nach weniger als 10 Jahren 1 Mrd Mitglieder. Ohne Zensur. Tendenz zunehmend. Die Jugendlichen von ZEIT können sich selbst ausrechnen, wohin sie mit ihrer inzüchtigen Zensur treiben. Hoffen wir, dass sie nicht den Weg der katholischen Priester in den sexuellen Missbrauch von Kindern gehen, wo am Anfang auch die arrogante Zensur stand und die Kategorisierung von Menschen statt Erduldung der Freiheit.

Ich finde es immer schön, wenn Kommunisten, Schiiten, Katholiken oder Journalisten von gestern die zwingende Notwendigkeit der Zensur begründen. Weiter so: so schafft man es auf das Titelbild der Titanic als vollgesabberter Realitätsverweigerer.

Kommentar von Andreas | 13.05.2012

Hm. Auf einer Seite, in der ich bestenfalls als Streber oder Besserwisser empfunden werden kann, möchte ich nicht kommentieren.

Kommentar von Ron | 10.05.2012

Soweit ich Herrn Horn verstanden habe, werden nur Kommentare gelöscht, die Beleidigungen oder Verleumdungen enthalten, also sprich: Straftatbestände erfüllen. Daran finde ich prinzipiell nichts Verwerfliches, denn dass man nicht ungestraft andere verleumden oder beleidigen darf, hat, finde ich, auch irgendwie was für sich. Ich wäre jedenfalls nicht begeistert, wenn ich keine rechtliche Handhabe gegen jemanden hätte, der mir Kraftausdrücke an den Kopf wirft und/oder mir unwahre Dinge unterstellt. So etwas zu verbieten, ist meiner Ansicht nach keine Zensur. Allerdings kann ich nicht beurteilen, ob bei der Zeit tatsächlich nur rechtlich bedenkliche Kommentare gelöscht werden. Einige Kommentatoren hier schreiben ja, dass sie da schon andere Erfahrungen gemacht haben. Allerdings sollte man vorsichtig sein, zu behaupten, dass nirgendwo so viele Kommentare gelöscht werden wie bei der Zeit, denn bei den meisten anderen Zeitungen (z.B. faz.net oder vielen Regionalzeitungen) werden als bedenklich eingestufte Kommentare ja gar nicht erst veröffentlicht. Wie viele da "zensiert" werden, kriegt man als Außenstehender also gar nicht mit.

Kommentar von Marc | 10.05.2012

Nochmals: Moderation sehe ich nicht als Zensur. Jeder, der seine Meinung nicht bei der Zeit veröffentlichen kann ist frei dies ein einem eigenen Blog zu tun. Eine Zeitung hat keinerlei Verpflichtung eingesandte Meinung zu veröffentlichen. Das Geschreie von Zensur hat etwas von "Wir Deutsche dürfen so etwas ja nie was gegen... xy sagen.

Kommentar von rofl | 10.05.2012

Mal davon abgesehen, dass man die Zeit nicht lesen sollte, erklärt uns hier grad ein Zensor seinen Job.
Und wie jeder, der weiß, dass sein Verhalten moralisch nicht zu rechtfertigen ist, wird hier schnell mit Platitüden um sich geworfen und sich einbringende Leser (vgl demokratische Willensbildung) in Schubladen kategorisiert.

Fazit: Gut getrollt Herr Oberlehrer!

Kommentar von samosa | 10.05.2012

@Anita

Das hatte meine Mutter mir auch mal gesagt.

Kommentar von Leser | 10.05.2012

Bin ebenfalls zufrieden und sogar angetan von der Moderation der ZEIT. Bei der Analyse fehlt mir jedoch der Typus des permanenten Agitators, der sich vom Troll dadurch unterscheidet, dass er im (wechselnden) Gewand der übrigen Nutzertypen auftritt. Dies ist insbesondere bei den von œMarc erwähnten Debatten zu den Themen "rechte Gewalt" und "Islam" der Fall. Hier wird leider auch übersehen, dass diese User vor mehrfacher Anmeldung/Registrierung nicht zurückschrecken, um Diskussionen breitbandig zu beeinflussen.

Kommentar von Klaus | 09.05.2012

Die Zensur - ja: Zensur - bei der ZEIT ist unter aller Sau. jetzt weiß ich, weshalb. Wegen solch' Jüngelchen. Ich kommentiere dort inzwischen nicht mehr.
Ansonsten bin ich der Meinung von
René Artois | 09.05.2012

Kommentar von Marc | 09.05.2012

Viele hier scheinen das tatsächlich sehr persönlich und viel zu ernst zu nehmen, gleichzeitig wird die Humorlosigkeit von Moderatoren bemängelt - entscheidet Sie sich mal bitte?

Ich schaue auch regelmäßig in die Zeit-Kommentare aber kommentiere höchst selten so manches hier gezeigte Stereotyp trifft auch zu, wobei es natürlich ein vereinfachtes Bild ist, was aber nicht heisst, dass es keinerlei zutreffende Aussage hat.

Lustig auch, wie viele hier die "Zensur" beklagen. Moderation ist KEINE ZENSUR. Ich würde auf meiner eigenen Seite auch nur das stehen lassen, dass es wert ist stehen zu bleiben. Bei der Zeit gibt es da sicherlich Richtlinien und mir ist lieber, dass diese etwas schärfer ausgelegt werden, als dass die Kommentarspalte wie beim Spiegel aussieht.. da wird es einem einfach nur schlecht, wenn man dort reinschaut. Verschwörungstheorien zu löschen ist für mich zum Beispiel Spam-Bekämpfung, ebenso, wenn bei einem Bericht über rechte Gewalt auf einmal über linke Gewalt oder Muslime diskutiert werden soll. (oder umgekehrt...) Besser ein Kommentar zu viel gelöscht als ein Kommentarbereich, bei dem man einfach nur an zu schreien fangen will.

Kommentar von Anita | 09.05.2012

@samosa

Nur Leute mit einem Hau haben es noetig, im Netz rumzudiskutieren.
(Ich schliess mich da nicht aus)

Kommentar von Antimon | 09.05.2012

Kategorisierungen können die Wirklichkeit doch nie vollkommen und bis ins letzte Detail wiedergeben. Sie sind halt nur eine Abstrahierung, mit der man versucht, das inhomogene Wirrwarr von Menschentypen und Kommentarstilen in ein paar nachvollziehbare Schubladen zu packen.
Klar wird es auch immer Leute geben, die Kommentare aus verschiedenen Klassen schreiben oder die ein Mittelding aus zwei Klassen sind. Aber interessant, dass die ZEIT-Redaktion ihre Kommentare tatsächlich auch auswertet und nicht nur verwaltet.

Kommentar von René Artois | 09.05.2012

Die ZEIT-online-Kommentarbehandlung ist keine Moderation, sondern willkürliche Zensur – man erkennt als regelmäßiger Besucher dieser Seiten sofort, ob gerade ein paar "scharfe Hunde" oder vernünftige Leute an den Löschtasten sitzen, so haarsträubend wird mit mehrerelei Maß gemessen. So fällt immer wieder auf, daß bei Artikeln zum Thema Essen und Trinken Veggie-Fundamentalisten den haarsträubendsten Unfug ungestraft unter Absondern persönlicher Angriffe auf nicht Veggies posten dürfen, wohingegen Gegenpositionen, egal wie vorgebracht, einem starken Risiko ausgesetzt sind, von der Zensur plattgemacht zu werden. Aber auch das ist Besetzungsabhängig. Schrecklich ist auch die ausgewisene Humorlosigkeit – nein: Humorfeindlichkeit der meisten Blockwarte.

Kommentar von Thomas | 09.05.2012

Schöne Diskussion.

(In welche Kategorie falls ich jetzt?)

Kommentar von Meykos | 09.05.2012

@ rax | 09.05.2012
Ich finde Herrn Horn sympathisch, wundere mich jedoch überhaupt nicht darüber, wie viele es seltsam finden, dass er zu seinen Kommentatoren vermutlich eine, wie sie sagen, „negativ gefärbte Meinung“ hat. Zumal, wenn der sich täglich in leitender Funktion mit Kommentaren auseinandersetzt und die Kommentare zudem "wissenschaftlich ausgewertet" wurden. Aber, naja, Wahrnehmungen unterscheiden sich halt...

Kommentar von rax | 09.05.2012

Ich wundere mich ja, wie viele es seltsam finden, dass jemand, der sich täglich mit Kommentaren auseinandersetzt, dazu eine negativ gefärbte Meinung hat. Man könnte fast meinen, Kommentarspalten seien kein Hort der freundlich-konstruktiven Diskussionskultur.

Kommentar von Frank Fischer | 09.05.2012

Soso - "Troll", "Musterschüler", "Bemühter", "Besserwisser" - durchaus interessante Etikettierungen, die der junge Mann da vornimmt.

Vor allem: durchweg negativ eingefärbt. Was für eine Arroganz!, könnte man denken, nähme man derlei "Analysen" von Jung-"Zeit"-Schreibern ernst.

Trotzdem aufschlußreich, welches seltsame Leserbild dort offenbar gepflegt bzw. als "cool" empfunden wird.

Kommentar von Ron | 09.05.2012

@ xenophon: Ich habe die Kategorisierung, die Herr Horn erklärt, etwas anders verstanden. Nämlich so, dass sich der "Musterschüler" vom "Besserwisser" nicht durch die schwächere Argumentation unterscheidet, sondern dadurch, dass er es nicht für nötig hält, mit einer Attitüde aufzutreten, als ob er die Weisheit mit Löffeln gefressen hätte und alle, die sich erdreisten, eine andere Meinung zu vertreten als er selbst, geistig minderbemittelt sein müssten - wie ein Besserwisser eben, den man ja auch im "richtigen Leben" kennt.

Kommentar von Franck | 09.05.2012

> Wir haben ein sehr strenges Moderationsteam [...] Wir wenden eine
> Nachmoderation an [...] Denkbar wäre, dass die Analysen, die wir
> händisch ausgeführt haben, von Algorithmen übernommen werden. Das
> könnte bedeuten, dass ein Programm die Kommentare versteht

Wer sich nur einmal die Diskussionen zum Gedicht von Günther Grass ansieht und all die damit verbundenen Interpretationen kann kaum erwarten, daß eine Maschine eine auch nur halbwegs treffsichere Klassifizierung menschlicher Äußerungen hinbekommt -- weder jetzt noch mittelfristig.

Ich wundere mich zudem über den betriebenen Aufwand eines Moderationsteams, das mittels Nachmoderation tausende Kommentare sichtet, kürzt, sperrt, selbst kommentiert.

Trauen sie ihren Lesern/Kommentatoren doch mehr zu.
Sie sagen ja selbst daß "Kommentare, die ein hohes Argumentationsniveau vorweisen" die meisten Reaktion auslösen und hingegen Pöbler-/Trollkomentare meist ignoriert werden und es kaum/keine Antworten hierauf gibt.
Wieso erweitern sie das System nicht einfach, um die vielbeschworene Schwarmintelligenz stärker zu nutzen und wie bspw. Slashdot Kommentare bewerten zu lassen, um kluge hervorzuheben und weniger kluge auszublenden.

Das Thema ist so neu auch wieder nicht und wie hier korrekt angemerkt:

Die Entscheidung könnte man dann auch den Lesern überlassen. Der Witz ist, dass es die ausgefeilte Technik schon einmal gab: für Newsgroups. Gute Newsreader konnten Kommentarverkettung, Navigation im Kommentarbaum und filtern auf Threads und Teilthreads. Das alles leserindividuell, so dass jeder die Diskussion sehen und führen konnte, die ihm gefiel. Mit dem Übergang zu Blogs und ihren primitiven Kommentarfunktionen ist das alles verloren gegangen.
http://www.scienceblogs.de/geograffitico/2010/12/aus-anonymitat-entsteht-verachtung.php#comment163949

Kommentar von Chris | 09.05.2012

Ich denke auch der Begriff "Besserwisser" für die entsprechende Gruppe ist evtl. etwas irreführend. Vielleicht eher etwas wie "Der gemäßigt Energische".

Kommentar von samosa | 09.05.2012

Die Kategorisierung der Leser klingt so, als ob alle irgendwie einen Hau haben.

Kommentar von Meykos | 09.05.2012

@xenophon | 09.05.2012
"Letztendlich unterstellen sie so allen teilnehmenden Lesern ähnlich bloß querulative Beweggründe zu haben..."

Mir geht es in diesem Fall genau so. Alle vier Kategorien beinhalten bei genauerer Betrachtung eine etwas lehrerhafte, negative Wertung. Das könnte sicherlich auch Herr Horn besser;-)

Kommentar von daMasta | 09.05.2012

An dieser Stelle einmal ein Lob an Zeit Online. Von den klassischen Online-Zeitungen (Spiegel, SZ, FAZ, taz, Telepolis, NZZ, um einige zu nennen) hat die Zeit die mit Abstand beste Kommentarfunktion. Man kann Beiträge bewerten, nach Bewertung sortieren und sogar Redaktionsempfehlungen werden ausgesprochen. Die Nachmoderation klappt super und ist nicht sehr restriktiv.
Und auch wenn es nicht so klingt, meine Meinung ist unabhängig ;)

Kommentar von xenophon | 09.05.2012

"Der letzte Typ ist der Besserwisser. Jemand, der sehr scharf formuliert, sich häufig direkt an die Autoren des Artikels und gegen deren Standpunkt richtet. Er unterscheidet sich vom Pöbler vor allem dadurch, dass er Argumente vorbringt und dass er inhaltlich etwas zu sagen hat. Dafür erhält er viel Aufmerksamkeit von anderen Nutzern, die auf seine Kommentare antworten oder sie mit einer Leserempfehlung versehen."

Warum muss die Kategorie von Teilnehmern, die die Debatte mit fundierten kritischen Beiträgen offenkundig weiterbringen und hierfür auch die Anerkennung von anderen Lesern erhalten, mit diesem pejorativen Wort bezeichnet werden? Letztendlich unterstellen sie so allen teilnehmenden Lesern ähnlich bloß querulative Beweggründe zu haben wie 'der klassische Troll', dies aber z.T. lediglich mit mehr argumentativem Aufwand umzusetzen.
Warum heißt diese Kategorie also nicht irgendwas wie: 'der/die sich ernsthaft und mit fundierten Argumenten kritisch Beteiligende' oder, falls sie unter 'Besserwisser' tatsächlich rein besserwisserisches Verhalten kategorisiert haben: warum ist eine positiv konnotierte Kategorie für einen ernsthaften Debattenteilnehmer, dessen Idealbild Ihnen ja auch irgendwie theoretisch vorschweben sollte, überhaupt nicht vorgesehen?
Der 'Musterschüler' scheint ja wiederum bloß mit elegantem Schreibstil und Höflichkeit zu glänzen, argumentativ aber eher nicht so viel auf dem Kasten zu haben. Wenn Sie keine positive Vision mit diesen Leserdebatten verbinden, was für mich aus ihrer Kategorisierung hervorgeht, warum betreiben Sie sie dann?

Kommentar von Lisa | 07.05.2012

@Karl: Der klassische Troll! ;)

Kommentar von karl | 07.05.2012

Schon sehr lustig, daß sich ausgerechnet die Zeit zum Kommentarverhalten äußert, wo doch auf deren Plattform die meisten Kommentare zensiert werden.