Best Practice

Hat (nicht) viel bewegt

von drehscheibe-Redaktion

Schweriner Volkszeitung, Bilanz

Zuerst veröffentlicht in der drehscheibe 01/2014.
Kommunalwahl Mecklenburg-Vorpommern 2009

Idee

Anlässlich der letzten Sitzung der Stadtvertretung vor der anstehenden Kommunalwahl zog die Redaktion der Schweriner Volkszeitung Bilanz und fragte: Was hat jeder Einzelne unserer Stadtvertreter in den vergangenen fünf Jahren geleistet?

Recherche

Als ersten Indikator überprüfte die Redaktion, wer an wie vielen Sitzungen teilgenommen hat. „Dazu holte ich mir beim Sitzungsdienst alle Sitzungsprotokolle und arbeitete sie durch“, erklärt Timo Weber, Redaktionsleiter der Schweriner Lokalredaktion, sein Vorgehen. Zu Beginn der Wahlperiode hatte die Redaktion alle Gewählten gebeten, ihre politischen Ziele in zwei Sätzen zu skizzieren. „Diese Vorsätze haben wir, fünf Jahre später, wieder hervorgeholt.“ Mit zwei Kollegen, die ebenfalls regelmäßig über die Stadtverwaltung berichten, bewertete Weber die Leistung jedes Politikers. Dabei zogen sie auch die eigene Berichterstattung zu Rate.

Umsetzung

Auf einer Doppelseite wurden alle Stadtvertreter mit Foto abgebildet und es wurde aufgelistet, in welchen Ausschüssen und Aufsichtsräten sie saßen. Zudem bewertete die Redaktion jeden in einem Satz. In einem Fazit haben die Redakteure die Leistung zusammengefasst. „Wir haben uns schnell gegen die Vergabe von Schulnoten entschieden“, sagt Weber. „Wie könnten wir uns erdreisten, die ehrenamtlichen Politiker mit einer Zensur zu beurteilen?“ Man einigte sich, die Einschätzungen „hat viel bewegt“, „Durchschnitt“ und „hat nicht viel bewegt“ zu vergeben.


Aufwand

„Zwei Wochen lang habe ich mich zwei Stunden täglich durch die Sitzungsprotokolle gearbeitet“, sagt Weber. Alle Bewertungen zu formulieren, habe ebenfalls ein paar Tage gedauert.

Reaktionen

„Seitens der Politiker gab es einen Riesenaufschrei“, erinnert sich Weber. „Einige fühlten sich natürlich falsch bewertet. Das hat sich aber nach ein paar Tagen gelegt.“ Von den Lesern erhielt die Redaktion ein durchweg positives Feedback.

Nachfrage zur Bundestagswahl

„Für die Bundestagswahl würde sich eine Bilanzierung der Tätigkeiten der Abgeordneten aus dem Wahlkreis anbieten“, überlegt Weber, der heute Ressortleiter der Regionalredaktion Schwerin, Gadebusch und Schweriner Umland ist.

Zum Zeitpunkt des Gespräches standen die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern und die Bürgermeisterwahl in Schwerin an, zu denen die Redaktion einige sehr interessante Formate entwickelt hat. „Ganz neu ist das Wahlmagazin, welches die Inhalte im Blatt erweitert, und der Fokus auf crossmediale Berichterstattung“, sagt Weber. Ein Dossier auf Svz.de versammelte alle Beiträge zu Landtags- und Bürgermeisterwahlen. Darunter befanden sich Themenseiten zu jeder Partei, Videos, in denen die Parteien jeweils drei kurze Fragen beantworteten, und ein Wahlentscheidungs-Tool. Das selbst programmierte Tool, das Ersatz für einen fehlenden Wahl-O-Mat in Mecklenburg-Vorpommern war, hat die Zeitung mit Exzerpten der jeweiligen Wahlprogramme der Parteien bestückt. In Prozent wurde am Ende die Übereinstimmung mit einer Partei angegeben. Für die Auswertung der Ergebnisse in der Nacht nach der Wahl hat die IT-Abteilung der Zeitung eine eigene Datenbank programmiert.

Die gesamte Bundesrepublik hat am Wahltag gespannt nach Mecklenburg-Vorpommern geblickt. „Um die Spannung besser einfangen zu können, haben wir zusätzlich einen Live-Blog auf unserer Seite gehabt, der bis 0 Uhr die Entwicklungen begleitet hat“, erzählt Weber. Dafür wurde ScribbleLive Engage genutzt, ein Tool, das die Aufbereitung von Inhalten und die Interaktivität erleichtert.

Timo Weber

Timo Weber

Zeitung: Schweriner Volkszeitung
Tel.: 0385 – 63 78 81 50
Mail: tiwe@svz.de

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