Crossmedia - Dienstag, 8. April 2008 0:39 Uhr - 0 Kommentare
Crossmedia und das Festhalten am Alten
Crossmedia ist in aller Munde: Gestern startete auch die Akademie für politische Bildung in Tutzing einen zweitägigen Workshop mit dem Schwerpunkt Aus- und Fortbildung. Die Tagungsleitung hatten neben Akademie-Mann Dr. Michael Schröder so renommierte Experten wie Dr. Ludwig Maaßen, Ausbildungsbeauftragter beim Bayerischen Rundfunk, Abteilung Hörfunk, und der Eichstätter Journalistik-Professor Dr. Walter Hömberg. Die Teilnehmerliste las sich wie ein Who’s who deutscher Regionalzeitungen und Fortbildungseinrichtungen. Aber! Die Fixierung auf Print war unverkennbar - schon beim Einstiegsreferat des Darmstädter Online-Professors Klaus Meier gestern Abend.
Meier machte sehr anschaulich deutlich, warum Crossmedia sowohl von den Reichweiten her (Abonnenten-Verluste) als auch ökonomisch (Rückgang bei der Print-, exponentiale Steigerungen bei Online-Werbung) für Zeitungsverlage zwingend notwendig ist. Er nannte Crossmedia - hier gab’s die ersten Widersprüche - in erster Linie eine “organisatorische Frage” und erläuterte drei Stufen der crossmedialen Entwicklung: Koordination (getrennte Abteilungen Print und Online), Kollaboration (Zusammenarbeit am Newsdesk) und Integration (multimediales Arbeiten der kompletten Redaktion). [Anmerkung: Dr. Sonja Kretzschmar von der Uni Münster unterscheidet fünf Stufen der Crossmedialität.]
Letzteres ist in Deutschland verwirklicht bei Springer mit dem gemeinsamen Newsdesk von Welt, Welt Kompakt, Welt am Sonntag, Welt online und Berliner Morgenpost. Mit Erfolg: Die Auflagenzahlen sind gegen den Trend gestiegen, die Userzahlen haben sich zwischen 2005 und 2007 verdoppelt. Welt online ist inzwischen, laut Meier, die am intensivsten genutzte Tageszeitungs-Site.
Die zum Ippen-Konzern gehörende Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA) in Kassel ist auf der Ebene der Kollaboration angelangt, mit Web 2.0-Angeboten, wie einem täglichen 15-Minuten-Talk der Lokalredaktion im “Offenen Kanal” (Fernsehen) Kassel, den zwei bis vier Redakteure täglich mit Ankündigungen zum Print-Produkt füllen.
Der Standard in Wien wiederum ist ohne Kooperation und Kollaboration erfolgreich. Print und Online sind zwei verschiedene Firmen in zwei verschiedenen Häusern. Beide erstellen verschiedene Produkte (Online kauft bei Print zu). Trotzdem schreibt Online seit 2004 schwarze Zahlen. Inzwischen erkennen die Österreicher aber, so Meier, welche Reibungsverluste durch die Trennung entstehen.
Andere europäische Zeitungen wie der Daily Telegraph in London und El Mundo in Madrid schaffen gewaltige Newsrooms (bis zu 700 Redakteure in einem Großraumbüro), um die Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Kanälen zu bewirken. Auch der Saarländische Rundfunk und Radio Bremen haben sich zu multimedialen Plattformen entwickelt.
In der Diskussion zu Meiers Vortrag meldeten sich vor allem die Skeptiker (wie immer!). Ist die schlechte Qualität der Online-Videos von (Lokal-)Zeitungen vertretbar, lautete eine länger diskutierte Frage. Die Fernsehbranche sagte Nein, Vetrreter von Lokal- und Regionalzeitungen wiederum verwiesen auf das lokale Zusatzangebot durch lokale Bewegtbilder und rückten das Thema technische Qualität unter Hinweis auf Nutzer-Interessen ganz nach hinten.
Eine spannende Diskussion, eine, die für mich vor allem zeigt, dass die User-Interessen bei vielen Zeitungsmachern immer noch nicht angekommen sind. Aber das ist sicher nur eine Frage der Zeit … Crossmedia, gut gemacht, verbessert jedenfalls die Reichweiten der Medienhäuser und stärkt damit deren Nachrichtenmarke - diese Kernthese Meiers stimmt jedenfalls optimistisch für die Zukunft der Tageszeitung.
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Crossmedia - Dienstag, 8. April 2008 0:39 Uhr - 0 Kommentare
Crossmedia und das Festhalten am Alten
Crossmedia ist in aller Munde: Gestern startete auch die Akademie für politische Bildung in Tutzing einen zweitägigen Workshop mit dem Schwerpunkt Aus- und Fortbildung. Die Tagungsleitung hatten neben Akademie-Mann Dr. Michael Schröder so renommierte Experten wie Dr. Ludwig Maaßen, Ausbildungsbeauftragter beim Bayerischen Rundfunk, Abteilung Hörfunk, und der Eichstätter Journalistik-Professor Dr. Walter Hömberg. Die Teilnehmerliste las sich wie ein Who’s who deutscher Regionalzeitungen und Fortbildungseinrichtungen. Aber! Die Fixierung auf Print war unverkennbar - schon beim Einstiegsreferat des Darmstädter Online-Professors Klaus Meier gestern Abend.
Meier machte sehr anschaulich deutlich, warum Crossmedia sowohl von den Reichweiten her (Abonnenten-Verluste) als auch ökonomisch (Rückgang bei der Print-, exponentiale Steigerungen bei Online-Werbung) für Zeitungsverlage zwingend notwendig ist. Er nannte Crossmedia - hier gab’s die ersten Widersprüche - in erster Linie eine “organisatorische Frage” und erläuterte drei Stufen der crossmedialen Entwicklung: Koordination (getrennte Abteilungen Print und Online), Kollaboration (Zusammenarbeit am Newsdesk) und Integration (multimediales Arbeiten der kompletten Redaktion). [Anmerkung: Dr. Sonja Kretzschmar von der Uni Münster unterscheidet fünf Stufen der Crossmedialität.]
Letzteres ist in Deutschland verwirklicht bei Springer mit dem gemeinsamen Newsdesk von Welt, Welt Kompakt, Welt am Sonntag, Welt online und Berliner Morgenpost. Mit Erfolg: Die Auflagenzahlen sind gegen den Trend gestiegen, die Userzahlen haben sich zwischen 2005 und 2007 verdoppelt. Welt online ist inzwischen, laut Meier, die am intensivsten genutzte Tageszeitungs-Site.
Die zum Ippen-Konzern gehörende Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA) in Kassel ist auf der Ebene der Kollaboration angelangt, mit Web 2.0-Angeboten, wie einem täglichen 15-Minuten-Talk der Lokalredaktion im “Offenen Kanal” (Fernsehen) Kassel, den zwei bis vier Redakteure täglich mit Ankündigungen zum Print-Produkt füllen.
Der Standard in Wien wiederum ist ohne Kooperation und Kollaboration erfolgreich. Print und Online sind zwei verschiedene Firmen in zwei verschiedenen Häusern. Beide erstellen verschiedene Produkte (Online kauft bei Print zu). Trotzdem schreibt Online seit 2004 schwarze Zahlen. Inzwischen erkennen die Österreicher aber, so Meier, welche Reibungsverluste durch die Trennung entstehen.
Andere europäische Zeitungen wie der Daily Telegraph in London und El Mundo in Madrid schaffen gewaltige Newsrooms (bis zu 700 Redakteure in einem Großraumbüro), um die Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Kanälen zu bewirken. Auch der Saarländische Rundfunk und Radio Bremen haben sich zu multimedialen Plattformen entwickelt.
In der Diskussion zu Meiers Vortrag meldeten sich vor allem die Skeptiker (wie immer!). Ist die schlechte Qualität der Online-Videos von (Lokal-)Zeitungen vertretbar, lautete eine länger diskutierte Frage. Die Fernsehbranche sagte Nein, Vetrreter von Lokal- und Regionalzeitungen wiederum verwiesen auf das lokale Zusatzangebot durch lokale Bewegtbilder und rückten das Thema technische Qualität unter Hinweis auf Nutzer-Interessen ganz nach hinten.
Eine spannende Diskussion, eine, die für mich vor allem zeigt, dass die User-Interessen bei vielen Zeitungsmachern immer noch nicht angekommen sind. Aber das ist sicher nur eine Frage der Zeit … Crossmedia, gut gemacht, verbessert jedenfalls die Reichweiten der Medienhäuser und stärkt damit deren Nachrichtenmarke - diese Kernthese Meiers stimmt jedenfalls optimistisch für die Zukunft der Tageszeitung.
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Netznotizen - Freitag, 7. März 2008 11:00 Uhr - 0 Kommentare
Netznotizen 7.3.2008
Die fünf Torheiten der Zeitungsbranche
Stephan Ruß-Mohl hat im European Journalism Observatory die aus seiner Sicht fünf größten Torheiten der Zeitungsbranche zusammen getragen. Ein Auszug: “Torheit Nr. 5 war und ist es, Redaktionsetats auf Teufel komm raus zu plündern. Wenn gesundes Fleisch amputiert wird, bluten Redaktionen aus”. Die ersten vier Torheiten gibt es hier.
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Zitat - Samstag, 8. März 2008 8:30 Uhr - 0 Kommentare
Das Zitat am Morgen

„Journalisten sind Leute, die ein Leben lang darüber nachdenken, welchen Beruf sie eigentlich verfehlt haben.“
Samuel Langhorne Clemens (1835-1910) ist besser bekannt unter seinem Pseudonym Mark Twain. Seine Geschichten über die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn haben ihn zu einem der beliebtesten US-amerikanischen Autoren gemacht. In seinen Arbeiten als Journalist kritisierte er vor allem soziale Missstände wie polizeiliche Willkür, Korruption und politischen Betrug. Auf Twain geht daher auch das geflügelte Wort von der „amerikanischen Krankheit“ zurück, worunter er grenzenlose Geld- und Machtgier verstand. [Bildquelle: Wikipedia]
