Interview

Ernähren mit Hartz IV: Eine Redaktion macht den Test

von Katharina Dodel

Das Internetportal Rheinneckarblog.de (Mannheim) nimmt die Debatte über Armut und Hartz IV zum Anlass, selbst einmal zu testen, wie gut oder schlecht es sich mit wenig Geld leben lässt. Hardy Prothmann hat das Projekt initiiert und erzählt, wie der Selbsttest ablaufen soll.

CDU-Politker Jens Spahn (seit kurzem Gesundheitsminister) machte kürzlich mit der Aussage Schlagzeilen, dass Menschen, die Hartz IV beziehen, nicht arm seien. Was sagen Sie dazu?

Meine Ausgangsthese ist: Das Geld reicht, um sich vernünftig zu ernähren. Die erweiterte These ist, dass es aber nur mit hoher Disziplin möglich sein wird und dass das, was für viele selbstverständlich ist – sich mal was zu gönnen – eher nicht stattfinden wird. Aber geht auch bio, regional und nachhaltig? Wie man von Hartz IV tatsächlich leben kann, ist schwer zu beurteilen. Ob aber die Beträge für die tägliche Ernährung ausreichen, das kann man prüfen.

Das machen Sie nun in einem Selbstversuch, bei dem sowohl Sie und die Redaktion des Rheinneckarblogs mitmachen als auch einige Ihrer Leser. Wie kam es ganz konkret dazu?

Eigentlich habe ich die Idee, seit Herr Sarrazin sich vor Jahren dazu geäußert hat – auch damals gab es Empörung. Tatsächlich ist Ernährung ja weltweit ein hochpolitisches Thema. Das Thema liegt also auf der Hand, und dann kam mir wegen der aktuellen Debatte spontan die Idee. Es wird viel über empörte Reaktionen berichtet, es wird viel zitiert, aber wenig recherchiert und kaum geprüft, ob die Aussage von Herrn Spahn zutreffend sein könnte. Das funktioniert nach dem üblichen Aufregerschema: Hauptsache, jemand regt sich auf, es gibt Streit. Damit ist der dramatische Inhalt gesetzt.

Wie läuft das Hartz IV-Projekt ab?

Es gibt für die Teilnehmer eine Tabelle, in der sie täglich eintragen, was für die Ernährung benutzt worden ist, was es gekostet hat und welche Gerichte dabei rauskommen. Die Teilnehmer sollen ihre Ernährung so dokumentieren, wie sie ist – also sich wie immer verhalten. Ich werde versuchen, mich an das Tagesbudget zu halten und dokumentieren, was das für Folgen hat. Selbstversuche halte ich meist für problematisch. Wer für eine kurze Zeit in eine andere Rolle schlüpft, erlebt nie die Wirklichkeit. Das gilt auch für unser Experiment. Es geht um eine „Eindrücklichkeit“, nicht die Wirklichkeit.

Und wie sieht diese Eindrücklichkeit im Arbeitsalltag aus? Mittags essen gehen fällt dann ja flach, oder?

Wir kochen in der Redaktion. Die Kollegen essen, was auf den Tisch kommt. Aber ich frage schon, auf was sie Lust haben, dann mache ich zwei, drei Angebote. Wie gesagt, ich glaube, das Geld reicht, um sich vernünftig zu ernähren. Wissen tue ich das nicht – das wird in diesen 14 Tagen geprüft.

Und wie berichten Sie genau darüber?

Geplant ist ein täglicher Beitrag unserer Recherche, in dem wir die eingekauften Produkte, Preise und die Zubereitung schildern. Dann folgt eine Zusammenfassung, in der wir unsere Erfahrung schildern und kritisch einordnen. Dann ein Beitrag, der unsere Erfahrung mit der Lebenswirklichkeit der Teilnehmer vergleicht.

 

 

Wer sind die Teilnehmer?

Ich habe Zusagen von einer Studentin, einer vierköpfigen Familie und einem Single-Journalistenkollegen sowie eine alleinerziehende Mutter (mit einem Kind).

Sie wollen Politik also erlebbar machen?

Genau, indem man zu den Menschen geht und schaut, wie sie mit politischen Entscheidungen umgehen müssen. Wir machen immer wieder Stories, die man früher als „Sozialberichterstattung" bezeichnet hätte – ob Reportagen aus Flüchtlingsunterkünften oder Hintergründe zum Mannheimer Tafelangebot. Zur HartzIV-Serie gibt es dann noch harte Fakten: Zahl der Hartz IV-Empfänger in Mannheim, darunter die Zahl der Kinder, die Entwicklung dieser Zahlen über die vergangenen Jahre hinweg, Recherche beim Jobcenter, eventuell eine Straßenumfrage. Dabei fällt mir der Satz der früheren Zugehfrau meiner Großeltern im Saarland ein. Die hatte ich vor vielen Jahren gefragt, wie es ihr geht. Die Antwort: "Isch han gut gess", als Ausdruck für ihr Wohlbefinden.

 

Hier geht's zu den Beiträgen des rheinneckarblogs.

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Kommentar von Bodo Winckler |

Hardy Prothmann hat seine Serie a la "satt, satter, Hartz IV" nach eigenem Bekunden - auf Nachfrage - nach Tag 6 unter- (gemeint war wohl eher abge)brochen. Nicht, weil man am siebten Tage bekanntlich ruhen sollte, sondern aufgrund "offensichtlicher Umstände". Dazu, was das ist, schweigt er sich aus. Wer sein Treiben verfolgt, weiß, dass er an Tag 7 seine unsägliche Terror-Fakenews-Aktion mit viel Medienwirbel losgetreten hat. Die Tage nach Tag 6 waren dann für ihn (O-Ton) "sehr außergewöhnlich und ziemlich kostengünstig, weil Freunde für Verköstigung gesorgt haben". Somit kann man als Fazit aus dem Selbstversuch festhalten: Man braucht als Bezieher von Hartz IV früher oder später liebe Freunde, die die Verköstigung übernehmen.

Nachzulesen hier:
https://rheinneckarblog.de/25/tag-6-mein-speiseplan-als-hartzer/137643.html
Zur Fakenews-Aktion u.a.: http://meedia.de/2018/03/26/mehrzahl-der-kommentatoren-ist-dumm-oder-stellt-sich-dumm-hardy-prothmann-ueber-kritik-an-falscher-terror-meldung/

Kommentar von Sven Temel |

Ich möchte nur sehr sachlich anmerken: Die laut Steady 10 Mann starke Redaktion des Rheinneckarblogs hat die Serie "Ernähren mit Hartz IV" nach 6 Teilen ohne Hinweis bzw. Begründung offensichtlich eingestellt. Der letzte Teil kam am 24.3.2018.
https://rheinneckarblog.de/?s=hartz

Laut Interview mit drehscheibe.org und auch selbst auf RNB wurden 15 Tage angekündigt.

Es gibt demnach für den Leser kein Fazit der Recherche!

Der geneigte Leser der drehscheibe darf selbst beurteilen, ob eine solche Arbeit gut oder schlecht ist.

Kommentar von Sven Temel |

Das ist nicht richtig. Ich mache Deine Arbeit nicht schlecht. Sie ist es.

Das testieren renommierte Journalisten wie Stefan Aigner, regensburg-digital, auf seinbem FB-Profil ("Ok. Hardy Prothmann vom Rheinneckarblog ist endgültig durchgedreht. Erst ein Falschmeldung über einen Terroranschlag erfinden und hinter einer Paywall verstecken, das ganze anschließend als große journalistische Gonzo-Leistung verkaufen und Kritiker im Forum dann beschimpfen. Dieser Mann braucht professionelle Hilfe...") oder Patrick Gensing, Leiter des ARD-Portal „Faktenfinder“ auf seinem twitteraccount ("Läuft beim Chefredakteur des #Rheinneckarblog: #FakeNews als „gonzo“ verkaufen und dann rumpöbeln. Entwicklung der Seite ist ja schon etwas länger eher abenteuerlich, jetzt wird es langsam tragisch."). Weitere uellen? Einfach Google News anwerfen... Aber alle haben anscheinend ja keine Ahnung, richtig?

Mittlerweile sind es 29 Gruppenmitglieder. Weitaus mehr lesen die Kommentare, weil die Gruppe öffentlich geschaltet ist. So wie die FB-Seite Fischfutter-Jornalismus, die Deine Art und Weise der Berichterstattung dokumentiert. Wer von uns beiden für Hass, Hetze und persönliche Beleidigungen steht, wird jeder selbst beurteilen.

Immerhin hast Du es ja bis Tag 6 geschafft, Deine Hartz IV-Doku umzusetzen. Der Sonntag fiel was Wichtigerem zum Opfer, gell?

6 von selbst angekündigten 14 bis jetzt. Ich bleibe gespannt, ob Du wenigstens hier mal lieferst und was zu Ende bringst.

Kommentar von Hardy Bernard Prothmann |

Sehr geehrter Herr Temel,

Sie "verfolgen" unsere Arbeit seit vielen Jahren. Wo es Ihnen möglich ist, versuchen Sie diese schlecht zu machen.

Sie haben keinen echten Namen, kein echtes Gesicht - mithin keine Identität.

Sie sind ein Troll und Teil dieser Masse, die nicht für einen vernünftigen Austausch von Argumenten steht, sondern für Hass und Hetze.

Selbstverständlich blockiere ich Leute wie Sie.

Warum sollte ich solchen Leuten wie Ihnen eine Plattform bieten?

Sie nutzen Meinungsfreiheit, aber Sie verachten Sie. Sie mischen sich ein, aber bleiben anonym. Sie "kritisieren", stellen sich aber keiner Gegenkritik.

Auf Ihrer FB-Seite:
https://www.facebook.com/groups/795347050648499/

haben sich noch ein paar wie Sie einer sind versammelt. 16! Wow.

Dort haben Sie sinniert, ob Sie Ihre Identität nicht doch öffentlich machen sollten. Sie haben sich nach reiflicher "Überlegung" dagegen entschieden.

Das kann ich verstehen, denn sonst wüsste ja jeder, wer Sie sind.

Schauen Sie in den Spiegel, "Sven Temel". Und denken Sie dabei daran, dass es Sie gar nicht gibt.

Kommentar von Sven Temel |

Nur schade, dass Hardy Prothmann kritische Leser massenhaft auf seinem Medium blockiert und damit einen Leserkritischen Lokaljournalismus mundtot macht.

"Wir haben rund 1.600 Facebook-Nutzer blockiert" Zitat Hardy Prothmann in seinem Rheinneckarblog. Und weiter: "Alle haben gegen irgendeine unserer Regeln verstoßen."

Hardy Prothmann widmete sogar einen ganzen Artikel einem Leser, der sich zuerst sachlich kritisch zur Hartz-IV Kochreportage des Rheinneckarblogs geäussert hat.

Hardy Prothmann am 21. März auf der Facebookseite des RNB: "(hp) Korrektur. Herr Berger, der uns verlassen hat, hat im Nachklapp massiv beleidigt. Facebook ist auch ein Medium für dahergelaufene Vollidioten. Leider. Artikel aktualisiert."

Ein nachahmenswertes Arbeitsmuster?

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