Alle Geschichten an einem Ort
von Robert Domes
Der General-Anzeiger aus Rhauderfehn hat für seine historischen Themen einen eigenen Ort geschaffen. Die Redaktion bündelt alle historischen Geschichten aus der Region in einem eigenen Portal.
Idee
Am Anfang stand die Erkenntnis, dass historische Artikel immer gleich aktuell sind, erzählt Redakteur Dirk Hellmers vom General-Anzeiger aus Rhauderfehn. Das bedeutet, es ist unerheblich, wann sie gelesen werden. Im Kampf um die aktuellen Plätze wandern die historischen Artikel jedoch oft relativ schnell auf der Website der Zeitung nach hinten und sind schwer wiederzufinden. Deshalb überlegte die Redaktion, wie sie diese Geschichten jederzeit verfügbar machen und ihre Haltbarkeit erhöhen kann. Da die Zeitung in anderen Bereichen bereits gute Erfahrungen mit Dossiers gemacht hatte, lag die Idee nahe, alle historischen Geschichten in ein Dossier zu packen. So entstand die „GA-Zeitreise“.
Umsetzung
Zunächst sammelten die Kollegen in der Redaktion ihre schönsten historischen Geschichten und hoben sie in das Dossier um. 40 Artikel kamen so zusammen. Um die Leser auf das Angebot aufmerksam zu machen, schrieb dann Hellmers verstärkt historische Artikel. Da die neuen Artikel gut bei den Lesern ankamen, entstand daraus eine Serie. Jeden Donnerstagabend geht nun eine neue Folge online, die dann freitags im Print erscheint. Alle Artikel sind hinter der Paywall. Mittlerweile sind es über 250 Artikel. Es sind Berichte, Reportagen und Bilderstrecken. Die Fotos stammen überwiegend aus dem Archiv der Zeitung, manche auch von Lesern. Was bei den Lesern sehr gut ankomme, seien Galerien mit 40 alten Fotos, sagt Hellmers. Manchmal zu einem bestimmten Thema, oft aber auch einfach 40 historische Bilder aus der Region.
Einmal im Monat schreibt Hellmers einen Newsletter an die Abonnenten. In dem weist er auf alte Artikel zu aktuellen Themen im Dossier hin, gibt einen Blick hinter die Kulissen der Recherche und stellt auch mal eine Frage an die Leser. Ab und zu gibt es auch Newsletter zu besonderen Anlässen, wie zum Beispiel zur Schneekatastrophe von 1979.
Aufwand
Es gibt manche Folgen, die relativ einfach aus dem Archiv zusammengeschrieben werden. Auch die Fotogalerien seien schnell gemacht. Andere Geschichten hingegen seien sehr aufwendig, an manchen arbeite er zwei Tage, sagt Hellmers. Häufig ist für ihn das eigene Archiv Grundlage für die Geschichten. Anfang des Jahres schaut er in den Jahresrückblicken nach, welche runden Jahreszahlen anstehen. Die Jahrestage stellt er zusammen und erhält so eine Übersicht, was im Laufe des Jahres interessant ist. Auch diese Übersicht wird als Folge der Serie im Dossier veröffentlicht.
Immer wieder kämen auch Vorschläge von Lesern oder von Heimatforschern, erzählt Hellmers. Im Dossier finden sich alle Facetten von historischen Geschichten vom Mittelalter bis in die Zeit vor zehn Jahren. Dazu gehöre auch die kollektive Erinnerung, also das, was die Menschen in ihrer Jugend erlebt haben. Was immer gut laufe, seien Geschichten über frühere Diskotheken oder ehemalige Gaststätten. Auch Geschichten über das ehemalige Freibad, das 2009 geschlossen wurde, würden immer gut gelesen.
Rund eine halbe Stunde im Monat nimmt sich Hellmers Zeit für die Dossierpflege. Er sortiert die Geschichten und stellt neue Artikel nach oben. Wenn es ein aktuelles Thema gibt, zu dem die Redaktion schon mal historisch was gemacht haben, werden die alten Artikel neu aktiviert. Das gehe schnell und werde von den Lesern gut angenommen.
Resonanz
Die Geschichten erreichten zwar selten Spitzenwerte bei den Leserzahlen, dafür sei die Media Time in der Regel sehr hoch. Die Leser nehmen sich viel Zeit und lesen die Geschichten immer sehr intensiv. Hellmers sagt: „Wir interpretieren das so, dass es eine sehr zufriedene Leserschaft ist.“
Hier geht es zur GA-Zeitreise
Hier kann man einen Artikel nachlesen. Zum PDF
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