Podcast

Von alten Häusern und ihren Bewohnern

von Robert Domes

Der Podcast „Hinter Bonner Türen“ wagt einen Blick durch's Schlüsselloch.

Wie gerne würde man in alten Häusern mal durchs Schlüsselloch schauen. Genau das machen Johanna Lübke und Christine Ludewig vom Bonner General-Anzeiger. In ihrem Podcast „Hinter Bonner Türen“ erzählen sie historische Geschichten von alten Gebäuden und ihren Bewohnern.

Mit einem Klick auf das Bild gelangen Sie zum Podcast.

Idee

Bei einem Workshop während ihres Volontariats entwickelten Johanna Lübke und Christine Ludewig die Idee für einen historischen Podcast: Sie wollten Stadtgeschichte möglichst nah an dem Ort erzählen, an dem sie passiert ist, berichtet Ludewig. Als die beiden dann Redakteurinnen waren, haben sie die Idee umgesetzt: Sie brachten im Oktober 2023 die erste Folge von „Hinter Bonner Türen“ heraus.

Wie der Titel schon andeutet, geht es darum, hinter die Türen von historischen Gebäuden zu blicken und weniger bekannte, kuriose oder auch skandalöse Geschichten ans Licht zu holen. Immer verknüpft mit dem Ort, erzählen Lübke und Ludewig über Menschen und Hintergründe aus der Stadtgeschichte. Mal geht die Geschichte vom Gebäude aus, wie zum Beispiel bei der Folge zum historischen Viktoriabad, das die erste Badeanstalt Bonns war. Mal mehr von Menschen, wie zum Beispiel über Berta Lungstras, die Ende des 19. Jahrhunderts in Bonn Häuser für „gefallene Mädchen“ einrichtete, die unverheiratet schwanger geworden waren. Mal geht es um ein altes Kino, mal ums Einkaufserlebnis vor 100 Jahren, mal um einen Ort des NS-Terrors.

 

Recherche

„Eigentlich liegen die Themen überall herum“, sagt Ludewig. Sie begegnen ihnen oft bei ihrer Arbeit als Reporterinnen in der Bonner Lokalredaktion. Manchmal kommen auch Vorschläge von Lesern oder Kollegen. Die Autorinnen recherchieren im Stadtarchiv, suchen passende Literatur, Expertinnen und Experten oder auch Zeitzeugen. Eine wichtige Quelle seien alte Ausgaben des General-Anzeigers. Da könne man schauen, was zum Beispiel zur Eröffnung des Viktoriabades 1906 geschrieben wurde. Ludewig erklärt: „Das ist immer eine total spannende Perspektive und auch eine tolle Quelle, weil wir auch immer wieder Szenen nachstellen wollen.“

Jeden Monat wechseln sich die beiden Reporterinnen mit der Vorbereitung des Podcasts ab. Es stecken rund zwei Arbeitstage in jeder Folge, sagt Ludewig. Das beinhaltet Interviews, Recherche und den Schnitt der Beiträge, den sie selber machen. Ein Kollege mastert am Ende die Folgen.

 

Umsetzung

Der Podcast erscheint einmal im Monat, jeweils in einer Länge von 15 bis 30 Minuten. Der Aufbau ist immer gleich. Es gibt eine Einstiegsszene, ähnlich wie bei einem Hörspiel, gesprochen von einem Moderator. Dann unterhalten sich Lübke und Ludewig über das Thema. Zusätzlich laden sie Experten dazu ein. Wenn es sich anbietet, liest der Erzähler zwischendurch auch noch aus alten Zeitungsartikeln oder anderen zeitgenössischen Quellen.

Die Geschichten erscheinen immer als Gesamtpaket, so Ludewig. Zum Podcast gibt es einen Artikel in der Printausgabe und online. Dazu gehören auch historische Fotos aus dem eigenen Archiv oder aus dem Stadtarchiv. Ludewig: „Ein ganz wichtiges Element sind unsere Reels für Social Media, in denen wir die Orte zeigen und auf die Geschichten hinweisen.“ Anfangs versuchten die Autorinnen, mit Stickern mit QR-Codes an Laternen in der Nähe der Schauplätze der jeweiligen Folge oder auf Postkarten in Kneipen zu werben. Dies sei jedoch nur wenig angenommen worden. Nun wird vor allem auf Social Media Werbung gemacht – mit großem Erfolg. Die Videos haben in der Regel auf Instagram über 20.000 Views.

Die Idee mit den QR-Codes will Ludewig aber nicht aufgeben. „Ich glaube sehr an diese Idee, weil es die Geschichte so unmittelbar macht, wenn Leute an einem Haus vorbeilaufen und spontan reinhören und etwas erfahren können.“

 

Bei einem Stadtspaziergang können die Schauplätze des Podcasts besucht werden.

Resonanz

Der Podcast hat im Durchschnitt 2000 Streams pro Folge und rund 1500 Abonnenten. Es gebe sehr viel positives Feedback und fast ausschließlich 5-Sterne-Bewertungen bei Spotify, berichtet Ludewig. Allerdings haben sie und ihre Kollegin die Erfahrung gemacht, dass viele ältere Menschen, die für historische Themen eine wichtige Zielgruppe sind, mit den QR-Codes oder dem Format Podcast noch wenig anfangen können. Deshalb überlegen sie, eine Podcast-Folge als Live-Veranstaltung zu machen, um mit dem Publikum in Kontakt zu kommen und das Format zu erklären.

Hier finden Sie alle Folgen von „Hinter Bonner Türen“.

Christine Ludewig & Johanna Lübke

sind Redaktuerinnen des Bonner General-Anzeigers. Kontakt: c.ludewig@ga.de oder j.luebke@ga.de

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