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Deutschland zwischen Kolonialismus und Dekolonialisierung

von drehscheibe-Redaktion

Schule in den Kolonien: Die erste Klasse in der evangelischen Missionsschule in Windhuk
Schule in den Kolonien: Die erste Klasse in der evangelischen Missionsschule in Windhuk

Viele glauben der Kolonialismus spiele keine Rolle mehr, dabei wirkt er in den betroffenen Ländern bis in die Gegenwart. Das Zeitalter des Kolonialismus setzte im 15. Jahrhundert ein, als vor allem Portugal und Spanien begannen, außerhalb Europas Handelsniederlassungen und militärische Stützpunkte zu errichten. In den folgenden Jahrhunderten traten weitere Mächte wie die Niederlande, England, Frankreich, Belgien, Deutschland, Italien, Russland, Japan und die USA hinzu, die fremde Gebiete eroberten und ihrer Kontrolle unterwarfen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war ein Großteil der Welt zwischen den führenden Kolonialmächten aufgeteilt, die die dortigen Ressourcen systematisch ausnutzten.

Die Auffassung, eine zivilisatorische Aufgabe in der Welt zu haben, wurde in der betreffenden Zeit untermauert mit Repräsentationen „des Anderen“ auf Völkerschauen und Weltausstellungen, in der Wissensproduktion und in der populären Kultur. Doch vor allem Literatur und bildende Kunst der Zwischenkriegszeit setzen dem hegemonialen Blick bereits radikal andere Sichtweisen entgegen.

Als der französische Politiker Jules Ferry im Juli 1885 vor der Nationalversammlung in Paris von einem Recht Europas auf kolonialen Besitz sprach, begründete er diesen Anspruch mit der „Pflicht der überlegenen Rassen, die minderwertigen [Rassen] zu zivilisieren“. Die Formel von der „Zivilisierungsmission“, die auf Ferry zurückgeht, stellte das Leitmotiv des europäischen Hochimperialismus dar. In der Gewissheit, anderen "Rassen" überlegen zu sein, diente sie dazu, die Ausdehnung europäischer Macht ideologisch zu rechtfertigen, und zugleich spiegelte sich darin die europäische Selbstsicht wider: Indem sie permanent ihre Fortschrittlichkeit und Überlegenheit beschworen, konnten die Menschen in (West-)Europa ein Bewusstsein von Gemeinsamkeit ausprägen, das sowohl die osteuropäischen und die europäischen Gesellschaften an der südlichen und südöstlichen Peripherie des Kontinents ausschloss als auch afrikanische und asiatische Gesellschaften; ja in ihrer „Zivilisiertheit“ lag geradezu der Kern einer (west-)europäischen Identität.

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hat dem Thema des Kolonialismus eine Ausgabe der Zeitschrift Informationen zur politische Bildung gewidmet.

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Inhaltsverzeichnis

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  • Christine Hesse – Editorial
  • Prof. Dr. Gabriele Metzler – Einleitung
  • Prof. Dr. Gabriele Metzler – Die "Eroberung der Welt" und der Konflikt um universelle Rechte
  • Prof. Dr. Gabriele Metzler – Die Epoche des Hochimperialismus
  • Prof. Dr. Gabriele Metzler – Krisen und Niedergang der europäischen Imperien
  • Prof. Dr. Gabriele Metzler – Die Auflösung der europäischen Imperien und ihre Folgen
  • Prof. Dr. Gabriele Metzler – "Wir" und die "Anderen": euopäische Selbstverständigung
  • Prof. Dr. Gabriele Metzler – Die "Anderen" in den Metropolen
  • Prof. Dr. Gabriele Metzler – Kultureller Wandel und hybride Identitäten
  • Prof. Dr. Gabriele Metzler – Ausblick

 

Informationen zur politischen Bildung / izpb, Ausgabe Nr. 338. Bestellnummer 4338. 80 Seiten (kostenlos). Bonn 2018.

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