Die Erinnerung lebendig halten
von Jan-Malte Wortmann
Geschichte ist Vergangenheit – und doch darf sie in der Gegenwart nicht verblassen: Erinnerungskultur ist ein entscheidender Teil der Geschichtsarbeit. Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) bietet eine ganze Reihe verschiedener Schriften, Dossiers oder Podcasts zu den Themen Erinnern und Aufarbeiten an. Ein Überblick.
bpb-Dossier „Geschichte und Erinnerung“
Die Vergangenheit ist gegenwärtig. Der Umgang mit der deutschen Geschichte wird auch in Zukunft Thema in Politik und Gesellschaft sein, wird Wissenschaft und Unterricht beschäftigen und auch in den Familien immer wieder diskutiert werden, denn Geschichte wird in jeder Generation neu erzählt.
Können Dokudramen und historische Spielfilme den Geschichtsunterricht ersetzen? Wie verändern die neuen Medien unser Bild von der Vergangenheit? Das Dossier bietet einen Überblick über die Geschichte der Erinnerungskultur in beiden deutschen Staaten, blickt zurück auf vergangene Kontroversen und sucht nach Antworten, wie die Erinnerung in Zukunft aussehen könnte.
Schriftenreihe (Bd. 11182): Aufbruch des Gewissens. Die Geschichte der Deutschen von 1942 bis heute
Wie sah das Bestreben der deutschen Gesellschaft aus, sich nach den Verbrechen des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges moralisch neu zu orientieren? In seinem 80 Jahre deutsche Geschichte umspannenden Werk zeichnet der Historiker Frank Trentmann den Wandel der Moralvorstellungen und Mentalitäten nach: beginnend mit der Spätphase des Nationalsozialismus über die Nachkriegszeit, die Zeit der deutschen Teilung und der Wiedervereinigung bis in die Gegenwart.
Basierend auf einer Vielfalt an Quellen – offiziellen Dokumenten und Statistiken, privaten Briefen oder kulturellen Zeugnissen – lässt er verschiedenste Stimmen, auch aus der Bevölkerung, zu Wort kommen. So entsteht das Bild eines Prozesses, der von Umwegen, Widersprüchen sowie heftigen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um Schuld, Mitschuld, Versöhnung und Erinnerung gekennzeichnet ist.
Frank Trentmann. 1036 Seiten. 7,50 Euro. Bestellnummer 11182. Bonn 2025.
Podcast: „gestern ist jetzt“
Was haben meine Eltern, Großeltern, Onkel und Tanten in der NS-Zeit gemacht? Das Interesse an dieser Frage lässt nicht nach und steigt in der Kinder- und Enkelgeneration im Moment wieder an. Sie spüren: Da ist was nicht erledigt. Der Podcast „gestern ist jetzt“ begleitet diese Menschen: Solche, die sich auf die Suche machen, um mehr über ihre Großeltern zu erfahren – und solche, die sich institutionell mit dem Thema beschäftigen, um die Gespräche einzuordnen und Suchenden von ihrer Arbeit zu berichten.
Die beiden Autorinnen Melanie Longerich und Brigitte Baetz geben Tipps, wie man die Recherche und Aufarbeitung der eigenen Familiengeschichte am besten angeht und machen sich selbst auf die Suche. Historiker kommen ebenso zu Wort wie Soziologinnen, Journalisten und Psychologen.
Schriftenreihe (Bd. 11284): Der vergessene Widerstand. Jüdinnen und Juden im Kampf gegen den Holocaust
Jüdinnen und Juden wurden während des Nationalsozialismus Opfer eines präzedenzlosen Menschheitsverbrechens. Jedoch ergaben sie sich, anders als es das vorherrschende Bild lange Zeit nahelegte, keineswegs passiv und ohnmächtig dem Schicksal, dem ihre Verfolger sie ausliefern wollten. Der Historiker Stephan Lehnstaedt zeichnet die vielfältigen Formen jüdischen Widerstands während des Holocaust nach.
Dieser äußerte sich in unterschiedlichen Formen: in der Pflege von Kultur unter widrigsten Bedingungen, in der heimlichen Dokumentation nationalsozialistischer Verbrechen, als Hilfe bei der Flucht aus Ghettos und Lagern sowie im bewaffneten Aufstand. Lehnstaedt zeichnet die Biografien von Jüdinnen und Juden nach, die mit ihren mutigen Aktionen gegen die existenzielle Bedrohung aufbegehrten. Das Massenverbrechen des Holocaust konnten sie nicht aufhalten, aber sie setzten Zeichen des Widerstands und verhalfen vielen Einzelnen zum Überleben.
Stephan Lehnstaedt. 381 Seiten. 5 Euro. Bestellnummer 11284. Bonn 2025.
bpb-Werkstatt: Themenschwerpunkt „Vernetztes Erinnern“
Ob VR-Anwendungen, Social-Media-Projekte oder hybride Museumsbesuche: Die Möglichkeiten der digitalen Geschichtsvermittlung sind vielfältig. Das erweitert die Zugänge zur Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Gegenwart, stellt Pädagoginnen und Pädagogen aber auch vor neue Herausforderungen. Wie eine zeitgemäße Vermittlung von Geschichte und Erinnerungskultur heute aussehen kann, erkundet der Themenschwerpunkt "Vernetztes Erinnern".
Die „Werkstatt“ ist das Format der bpb für digitale, gesellschaftlich relevante Bildungsthemen der Gegenwart. Viele der Inhalte richten sich an Pädagoginnen und Pädagogen, sind aber auch für Journalistinnen und Journalisten interessant, die politische oder geschichtliche Themen aufbereiten wollen.
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