Die erste deutsche Demokratie
von Max Wiegand
In den Jahren vom Kriegsende 1918 bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 hatte Deutschland erstmals eine demokratische Verfassung. Mehrere Publikationen der bpb zeichnen die turbulente Geschichte der Weimarer Republik nach.
Die Weimarer Republik als Ort der Demokratiegeschichte
Der Ort der Weimarer Republik in der Erinnerungskultur Deutschlands war lange Zeit vor allem negativ bestimmt. Erst jüngere Forschungen haben den Blick auf die 14 Jahre währende Republik verändert, indem sie die Leistungen der zeitgenössischen demokratischen Akteure und Institutionen in den Fokus gerückt haben: seien diese doch in der Lage gewesen, ein innovatives demokratisches Gemeinwesen aufzubauen, es erfolgreich durch existenzbedrohende Krisen zu führen und es lange Zeit gegen Republikfeinde verschiedener Couleur zu verteidigen. Die in diesem Band versammelten Beiträge fragen unter verschiedenen Themensetzungen, was es mit der Neubestimmung Weimars in der deutschen Demokratiegeschichte auf sich hat und welcher Ort der ersten deutschen Republik in der Erinnerungskultur zukommen sollte.
Schicksalsjahr 1925: Als Hindenburg Präsident wurde
Im Frühjahr 1925 suchten die verschiedenen politischen Kräfte der Weimarer Republik einen Nachfolger für den kürzlich verstorbenen Reichspräsidenten Friedrich Ebert. Die noch junge deutsche Demokratie war von zahlreichen Krisen geprägt, etwa der Hyperinflation, die 1923 ihren Höhepunkt erreicht hatte, oder Putschversuchen der extremen Rechten. Die starke Stellung des Reichspräsidenten in der Weimarer Verfassung machte die Wahl von 1925 zur Richtungswahl, wie Wolfgang Niess darstellt. Der vom Volk direkt gewählte Reichspräsident konnte mit Notverordnungen unmittelbar in die Gesetzgebung eingreifen, den Reichstag auflösen und den Reichskanzler einsetzen. Es sollte sich als folgenreich erweisen, dass der überzeugte Antidemokrat Paul von Hindenburg die Stichwahl gewann. Er war im ersten Wahlgang noch nicht angetreten, kandidierte nun aber für einen Block rechtsgerichteter Kräfte.
Die Entscheidung: Deutschland 1929 bis 1934
Der 30. Januar 1933 markiert das Ende der Weimarer Republik. Ihr öffentlicher Rückhalt war angesichts der schwierigen politischen und sozialen Verhältnisse bereits in den Jahren zuvor fragil geworden. Parlament und Parteien zeigten sich in der Frage nach Weichenstellungen für die Zukunft immer öfter tief zerstritten und brachten die Kraft oder den Willen zum Kompromiss nicht mehr auf. Zugleich war mit dem Nationalsozialismus ein radikaler Gegner der Republik erstarkt, dem es letztlich gelang, der verwundeten Demokratie den Todesstoß zu versetzen. Die Rechtsextremisten nutzten die Spannungen in Politik und Gesellschaft durch skrupelloses Taktieren, offene Drohungen und gewaltsames Agitieren aus. Ihr pöbelndes Auftreten und eine die Demokratie verachtende Programmatik fand Resonanz in vielen Gesellschaftsschichten, besonders bei von Abstiegsangst Erfüllten sowie bei Enttäuschten und Entmutigten, die sich von den suggestiven Parolen angesprochen fühlten.
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