Best Practice

Die Legende vom blauen Trikot

von Robert Domes

Mit einem Klick auf das Bild erhalten Sie ein PDF des Artikels. (Foto: Nordsee-Zeitung)

Als Levin Meis auf dem Flohmarkt in Bremerhaven ein altes blaues Trikot findet, ahnt er nichts von den Geheimnissen, die dahinter stecken. Erst eine aufwendige Recherche zeigt, dass die Geschichte des Trikots und seiner früheren Besitzer ein historisches Kapitel des SV Werder Bremen beleuchtet.

 

Idee

Am Anfang stand ein Zufallsfund: Im Herbst 2023 entdeckte Levin Meis, damals Volontär der Nordsee-Zeitung, auf einem Flohmarkt ein blaues Trikot mit dem Schriftzug „Norda“ auf der Brust und einer weißen 14 auf dem Rücken. Er fand es schick und kaufte es. Als er einem Kollegen davon erzählte, meinte der, es könnte sich um ein historisches Trikot von Werder Bremen handeln. In diesem Fall wäre es gar eine kostbare Rarität aus den 70er Jahren, als der Bundesligaverein für kurze Zeit nicht im traditionellen Grün, sondern in Blau spielte. Der Grund war der damalige Sponsor, der Fischereikonzern Nordsee. Daraufhin begab Meis sich auf die Suche nach dem Besitzer des Trikots und den Hintergründen des ersten Sponsorings bei Werder Bremen.

Recherche

Zunächst ließ Meis die Archivarin des Werder-Archivs die Echtheit des Trikots prüfen. Sie und andere Experten erzählten ihm, dass an dem Trikot viele Geschichten hängen könnten: Von ehemaligen Spielern und Besitzern, von den Zuständen in der Bundesliga und im Verein in den 70er Jahren, von dem Deal mit dem Sponsor und von dem Weg, den das Trikot über die Jahrzehnte genommen hat. Die Suche nach dem Spieler war nicht leicht, weil Rückennummern damals keiner Person zugeordnet waren. An der Suche beteiligten sich nicht nur der Verein, sondern auch Zeitzeugen, die sich auf einen Aufruf in der Zeitung meldeten. Immer wieder kamen Hinweise von Fans, erzählt Meis. Am Ende konnte zwar kein genauer Spieler ermittelt werden. „Doch die Recherche hat viele Geschichten hervorgebracht, die so vorher nie erzählt wurden“, sagt Meis. Zum Beispiel über den Deal zwischen Werder Bremen und dem Fischereikonzern Nordsee vor 50 Jahren. Laut Zeitzeugen war dies der Beginn der Kommerzialisierung bei dem Verein.

Umsetzung

Die Recherchen mündeten schließlich in der sechsteiligen Serie „Die Spur des blauen Werder-Trikots“. Darin beschreibt Meis die Suche nach Fakten, erklärt Grundsätzliches über die früheren Trikots und erkläutert den Sponsorendeal von damals. Außerdem geht es darin um den Weg, den das blaue Trikot vom Spielfeld der 70er-Jahre bis zum Flohmarkt von heute genommen hat. Am Ende wird das Trikot verkauft und der Erlös kommt der Nachwuchsarbeit eines kleinen Fußballvereins in Bremerhaven zugute.

Neben der Serie für Print und Online werden die Recherchen auch noch in einem Podcast aufgegriffen. Darin spricht der Autor über die Hintergründe und Höhepunkte seiner Recherche mit einer Kollegin.

Hier geht es zum Podcast zur Recherche.

drehscheibeTipps:

  • Die Redaktion ruft die Leserinnen und Leser dazu auf, Fotos von alten Bundesligatrikots einzuschicken. Welche Erinnerungen haben sie daran? Dazu recherchiert die Redaktion Fakten und kuriose Hintergründe zu der Saison, in der das Trikot aktuell war.
  • Die Redaktion lässt die Leser Abstimmen: Welches Trikot des besten regionalen Fußballvereins war das Schönste, welches das Hässlichste der vergangenen Jahre?
  • „Der Fußball und das Geld“: In einem Datenstück wird die Entwicklung von Sponsoren, Ticketpreisen und Zuschauerzahlen regionaler Clubs seit den 1970ern visualisiert. Ex-Funktionäre erklären, wie damals die Verhandlungen liefen und wie sie auf den heutigen Fußball schauen.

Levin Meis

ist Reporter bei Radio Bremen. Telefon: 0157 – 56 17 21 40. E-Mail: l.meis@posteo.de

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