Organisationsleitfaden

Ein zwiespältiger Tag deutscher Geschichte

von drehscheibe-Redaktion

(Foto: AdobeStock/creativeKawsar)
(Foto: AdobeStock/creativeKawsar)

Der 9. November ist ein komplexer, doppelter Gedenktag: Er erinnert an ein finsteres Kapitel der deutschen Geschichte, an die Reichspogromnacht 1938. Am 9. November 1989 indes gab es Grund zur Freude: den Mauerfall. So können Lokalredaktionen ihre Berichterstattung vorbereiten.

 

Fünf Monate vorher

-Thematische Standortbestimmung
Legen Sie intern fest, welche der beiden Ereignisse – Reichspogromnacht oder Mauerfall – Sie in welchem Verhältnis bespielen wollen.

-Lokale Spurensuche starten
Beauftragen Sie eine erste Recherche: Welche Spuren haben Reichspogromnacht und Mauerfall in unserer Stadt hinterlassen?

  • Gibt es eine ehemalige Synagoge, ein Mahnmal, Stolpersteine?
  • Gab es 1989 lokale Grenzübergänge, Ausreisewellen, Freudenszenen?
  • Wer sind die Zeitzeugen in der Region?

-Zeitzeugen frühzeitig ansprechen
Zeitzeugen – ob zur NS-Zeit oder zur Wende – werden weniger. Fangen Sie früh an, sie zu finden und erste Kontakte zu knüpfen.

 

Vier Monate vorher

-Archivrecherche beauftragen
Schicken Sie jemanden ins Stadtarchiv, Kreisarchiv oder Landesarchiv: Dort gibt es womöglich Zeitungsberichte von 1938 und 1989, Fotos, Dokumente. In vielen Archiven müssen Besuche vorgebucht werden – früh anfragen lohnt sich.

-Kooperationspartner ansprechen
Planen Sie Kooperationen mit lokalen Institutionen:

  • Stadtmuseen, Gedenkstätten, Schulen
  • Jüdische Gemeinden
  • Heimatvereine, Geschichtsvereine

 

Drei Monate vorher

-Serienkonzept entwickeln
Planen Sie eine mehrteilige Lokalserie, die in den Wochen vor dem 9. November erscheint. Beispielthemen:

  • „Die Nacht, in der auch hier Scheiben zerbrachen" (Pogrom 1938 lokal)
  • „Wo warst du, als die Mauer fiel?" (Erinnerungen aus der Region)
  • „Was wurde aus den jüdischen Familien unserer Stadt?"

 

-Fotografen und Archivbilder sichern
Klären Sie Bildrechte für historische Fotos aus dem Archiv. Planen Sie, ob ein Fotograf Zeitzeugen-Porträts erstellen soll – das braucht Vorlauf und Terminabsprachen.

 

Zwei Monate vorher

-Erste Zeitzeugen-Interviews führen
Ältere Zeitzeugen sind oft nur begrenzt belastbar, Termine können platzen. Frühe Interviews geben die Möglichkeit, nachzuhaken oder nachzurecherchieren.

-Schulen und Jugend einbinden
Nehmen Sie Kontakt zu lokalen Schulen auf: Gibt es Projekttage, Gedenkveranstaltungen, Theateraufführungen zum 9. November?

 

Ein Monat vorher

-Serie beginnen – erste Teile veröffentlichen
Starten Sie die Lokalserie Anfang/Mitte Oktober.

-Leser aktiv einbinden
Rufen Sie zur Leserbeteiligung auf: „Haben Sie noch Fotos, Briefe oder Erinnerungen an die Nacht vom 9. November 1938 oder 1989 in unserer Stadt?" –

 

Hinweis:

Grundprinzip für den gesamten Countdown: Der 9. November ist kein Thema, das man „kurz macht". Je früher man anfängt, desto tiefer, authentischer und lokaler wird die Berichterstattung – und desto mehr hebt sie sich von überregionalen Medien ab.

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