Ein zwiespältiger Tag deutscher Geschichte
von drehscheibe-Redaktion
Der 9. November ist ein komplexer, doppelter Gedenktag: Er erinnert an ein finsteres Kapitel der deutschen Geschichte, an die Reichspogromnacht 1938. Am 9. November 1989 indes gab es Grund zur Freude: den Mauerfall. So können Lokalredaktionen ihre Berichterstattung vorbereiten.
Fünf Monate vorher
-Thematische Standortbestimmung
Legen Sie intern fest, welche der beiden Ereignisse – Reichspogromnacht oder Mauerfall – Sie in welchem Verhältnis bespielen wollen.
-Lokale Spurensuche starten
Beauftragen Sie eine erste Recherche: Welche Spuren haben Reichspogromnacht und Mauerfall in unserer Stadt hinterlassen?
- Gibt es eine ehemalige Synagoge, ein Mahnmal, Stolpersteine?
- Gab es 1989 lokale Grenzübergänge, Ausreisewellen, Freudenszenen?
- Wer sind die Zeitzeugen in der Region?
-Zeitzeugen frühzeitig ansprechen
Zeitzeugen – ob zur NS-Zeit oder zur Wende – werden weniger. Fangen Sie früh an, sie zu finden und erste Kontakte zu knüpfen.
Vier Monate vorher
-Archivrecherche beauftragen
Schicken Sie jemanden ins Stadtarchiv, Kreisarchiv oder Landesarchiv: Dort gibt es womöglich Zeitungsberichte von 1938 und 1989, Fotos, Dokumente. In vielen Archiven müssen Besuche vorgebucht werden – früh anfragen lohnt sich.
-Kooperationspartner ansprechen
Planen Sie Kooperationen mit lokalen Institutionen:
- Stadtmuseen, Gedenkstätten, Schulen
- Jüdische Gemeinden
- Heimatvereine, Geschichtsvereine
Drei Monate vorher
-Serienkonzept entwickeln
Planen Sie eine mehrteilige Lokalserie, die in den Wochen vor dem 9. November erscheint. Beispielthemen:
- „Die Nacht, in der auch hier Scheiben zerbrachen" (Pogrom 1938 lokal)
- „Wo warst du, als die Mauer fiel?" (Erinnerungen aus der Region)
- „Was wurde aus den jüdischen Familien unserer Stadt?"
-Fotografen und Archivbilder sichern
Klären Sie Bildrechte für historische Fotos aus dem Archiv. Planen Sie, ob ein Fotograf Zeitzeugen-Porträts erstellen soll – das braucht Vorlauf und Terminabsprachen.
Zwei Monate vorher
-Erste Zeitzeugen-Interviews führen
Ältere Zeitzeugen sind oft nur begrenzt belastbar, Termine können platzen. Frühe Interviews geben die Möglichkeit, nachzuhaken oder nachzurecherchieren.
-Schulen und Jugend einbinden
Nehmen Sie Kontakt zu lokalen Schulen auf: Gibt es Projekttage, Gedenkveranstaltungen, Theateraufführungen zum 9. November?
Ein Monat vorher
-Serie beginnen – erste Teile veröffentlichen
Starten Sie die Lokalserie Anfang/Mitte Oktober.
-Leser aktiv einbinden
Rufen Sie zur Leserbeteiligung auf: „Haben Sie noch Fotos, Briefe oder Erinnerungen an die Nacht vom 9. November 1938 oder 1989 in unserer Stadt?" –
Hinweis:
Grundprinzip für den gesamten Countdown: Der 9. November ist kein Thema, das man „kurz macht". Je früher man anfängt, desto tiefer, authentischer und lokaler wird die Berichterstattung – und desto mehr hebt sie sich von überregionalen Medien ab.
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