Gedenken an ein Jahrhundertverbrechen
von Jan-Malte Wortmann
Am 27. Januar 1945 wurden die Gefangenen des Konzentrationslagers Auschwitz von der Roten Armee befreit. Der Jahrestag der Befreiung wurde 1996 zum offiziellen deutschen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Seit 2005 ist dieses Datum der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts. Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) bietet eine große Auswahl an Publikationen zum Holocaust und seinen Folgen an. Ein Überblick.
Aus Politik und Zeitgeschichte (Nr. 1-5/2025): Auschwitz
Dass Auschwitz zur Chiffre für die Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands und zum Symbol für Holocaust und Völkermord geworden ist, hat nicht zuletzt mit den monströsen Ausmaßen dieses Konzentrations- und Vernichtungslagers zu tun. Mehr als eine Million Menschen sind dort ermordet worden.
Zum 80. Jahrestag der Befreiung des Lagers stellt diese Ausgabe der Reihe „Aus Politik und Zeitgeschichte“ die Frage, was das Diktum „Nie wieder Auschwitz!“ heute für uns bedeutet und welche Verpflichtungen daraus erwachsen.
Lily Brett, Nikolaus Wachsmann, Christin Zühlke, Christian Kuchler, Piotr M.A. Cywiński, Axel Doßmann, Volkhard Knigge. 56 Seiten. Bestellnummer 72501. Bonn 2025.
Hier gibt es die Ausgabe zum kostenlosen Download.
Schriftenreihe (Bd. 11101): Die Vernichtung der europäischen Juden
Raul Hilberg floh mit seinen Eltern 1939 vor den Nationalsozialisten aus Wien. Bereits in den 1950er-Jahren verfasste er das erste umfassende Werk zum Holocaust, das er über Jahrzehnte hinweg ergänzte und überarbeitete. „Die Vernichtung der europäischen Juden“ erschien in den USA 1961, in Deutschland lehnten mehrere Verlage das Buch ab, bis es erstmals 1982 in einem Kleinverlag erscheinen konnte.
Hilberg schildert in diesem Standardwerk die Entrechtung, Enteignung und Ermordung der europäischen Juden vor allem in Hinblick auf die sie ermöglichenden Strukturen und Prozesse.
Raul Hilberg, Übersetzung: Christian Seeger, Harry Maor, Walle Bengs, Wilfried Sczepan, Thomas Bertram. 1472 Seiten. 7,50 Euro. Bestellnummer 11101. Bonn 2024.
Schriftenreihe (Bd. 11129): Deportiert. „Immer mit einem Fuß im Grab“ – Erfahrungen deutscher Juden
Im Herbst 1941 begannen die systematischen Deportationen von Jüdinnen und Juden aus dem NS-Staat. Die meisten von ihnen wussten vor der Abfahrt lediglich, dass sie „nach Osten“ fahren und dort arbeiten sollten. Auf dem Weg zu den Bahnhöfen und spätestens in den Zügen trafen sie auf entmenschlichende Zustände. Am Zielort angekommen, wurden sie direkt erschossen oder fielen den grausamen Bedingungen in den Ghettos oder Konzentrationslagern zum Opfer, wurden erhängt oder vergast.
Die Historikerin Andrea Löw hat hunderte Briefe, Postkarten, Berichte, Tagebücher, Interviews und Aussagen aus mehreren Archiven ausgewertet. Die Zeitzeugnisse stammen überwiegend von Menschen, die nachweislich ermordet wurden oder deren Spur sich während des Krieges verlor.
Andrea Löw. 368 Seiten. 5 Euro. Bestellnummer 11129. Bonn 2025.
Schriftenreihe (Bd. 10996): „Irgendjemand musste die Täter ja bestrafen“ – Die Rache der Juden, das Versagen der deutschen Justiz nach 1945 und das Märchen deutsch-jüdischer Versöhnung
Der Jurist und Autor Achim Doerfer beklagt, die deutsche Gedenkkultur betrachte die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten europäischen Jüdinnen und Juden mehrheitlich als still leidende Opfer und dränge auf ein versöhnliches gemeinsames Erinnern.
Der Versöhnungsdiskurs sei zudem von christlich geprägten Vorstellungen bestimmt und vernachlässige ethische Konzepte des Judentums. Doerfer, selbst Nachkomme von Shoa-Überlebenden, bietet mit diesem Buch einen Überblick über die Geschichte jüdischen Widerstands und jüdischer Rache sowie die Defizite in der juristischen Aufarbeitung in beiden deutschen Staaten und ruft dazu auf, bessere Versöhnungsarbeit mit mehr Raum für jüdische Positionen zu leisten.
Achim Doerfer. 372 Seiten. 5 Euro. Bestellnummer 10996. Bonn 2023.
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