Historisches aus der Hansestadt
von Robert Domes
Einmal die Woche bringt eine Serie der Hamburger Morgenpost den Hamburgern ihre Geschichte näher. Die Serie „Der Tag, an dem …“ ist seit Jahren eine Institution. Dem Chefreporter Olaf Wunder gehen dabei die Themen nicht aus.
Idee
Die Hamburger Morgenpost erscheint einmal die Woche, am Freitag, als Printprodukt. Darin gibt es die Serie „Der Tag, an dem...“ auf jeweils vier Seiten. Chefreporter Olaf Wunder erzählt darin ausgehend von einem Tag ein besonderes Ereignis der Hamburger Geschichte. Wobei der Tag nur den Anlass für eine große Hintergrundgeschichte bietet. Ein Beispiel: Am 30. Jahrestag der Befreiung des entführten Jan Philipp Reemtsma erzählt der Reporter die Geschichte der drei Männer, die damals die Lösegeld-Übergabe organisiert haben. Er spricht mit zwei der drei Männer und beschreibt bis ins Detail, wie alles abgelaufen ist. Dazu gibt es Hintergründe und die Vorgeschichte.
Recherche
Anlass für die Geschichten sind mal Jahrestage, mal Geburtstage berühmter Personen oder auch Bücher über historische Ereignisse. Wunder nutzt die Bücher als Grundlage, recherchiert aber oft eigene Geschichten dazu. Er sucht Zeitzeugen, besorgt sich im Hamburger Staatsarchiv Dokumente und Fotomaterial. Er hat ein großes Netzwerk an Historikern und Experten, die er zu bestimmten Themen befragen kann, und ist selbst Mitglied im Hamburgischen Geschichtsverein.
Umsetzung
Die Geschichten werden als historische Reportage in Print und online veröffentlicht. Dabei sind Fotos ein wichtiger Bestandteil. Eine Zeitlang machte Wunder dazu auch einen Podcast. Der wurde aber mittlerweile eingestellt. Zwei Mal im Jahr wird ein historisches Hochglanzmagazin mit dem Titel „Unser Hamburg“ produziert. Auf 130 Seiten bietet es ein Best-of der historischen Geschichten aus der Zeitung. Rund 70 Prozent davon sind Geschichten, die schon mal im Blatt gestanden haben. Etwa 30 Prozent schreibt Wunder neu. Diese neuen Geschichten erscheinen danach irgendwann in der Serie. „Das Magazin ist ein totaler Renner“, sagt Wunder. Viele Leute fragten schon, wann das nächste Magazin erscheint.
Besonderheiten
„Es muss stimmen, was man schreibt“, betont der Reporter. Es gebe auch in Hamburgs Geschichte viele Legenden, die immer wieder erzählt würden, obwohl die Forschung sie schon lange widerlegt habe. Man müsse aufpassen, dass man dem nicht auf den Leim geht.
drehscheibeTipps:
- „Was unter unseren Füßen liegt“: Die Redaktion recherchiert gemeinsam mit Archäologen oder Stadtplanern, welche historischen Überreste, vergessenen Tunnel oder zugeschütteten Wasserläufe sich unter dem heutigen Stadtbild verbergen, und macht das unsichtbare Erbe der Stadt sichtbar.
- Vergessene Straßennamen: Die Redaktion spürt Straßen, Plätze und Gassen auf, die im Laufe der Jahrzehnte umbenannt wurden, und fragt nach, welche teils skurrilen oder politisch brisanten Geschichten hinter den alten Namen stecken.
- „Wie war das damals?“: Im Gespräch mit einer Redakteurin erzählen die ältesten Bewohnerinnen und Bewohner der Region von wichtigen oder kuriosen Ereignissen aus der Geschichte der Region, bei denen sie selbst dabei waren. Wie erinnern sie sich an die Ereignisse?
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