Panzer überrollen den Frühling der Reformen
von Jan-Malte Wortmann
Am 21. August 1968 beendete Militär aus der Sowjetunion, Bulgarien, Ungarn und Polen gewaltsam die reformkommunistische Bewegung des „Prager Frühlings“ in der damaligen ČSSR (den heutigen Ländern Tschechien und Slowakei). Auch die DDR war beteiligt. Damit machte die kommunistische Führung der Sowjetunion unmissverständlich deutlich, dass sie in ihren osteuropäischen Satellitenstaaten kein Abweichen von ihrem ideologischen und diktatorischen Kurs duldete.
Maßgeblich hatte auch die autoritär-sozialistische Führung der DDR auf diese Militär-Intervention hingewirkt, weil sie ein Überschwappen der Reformbewegung und einen Machtverlust fürchtete. Infolge kam es zu zahlreichen Festnahmen Oppositioneller auch in der DDR. Das westliche Staatenbündnis reagierte schockiert - aber politisch mit großer Zurückhaltung.
Ein Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) aus dem Jahr 2018 beschreibt und analysiert das Geschehen - 50 Jahre danach. Es bündelt ältere und neue Texte, Fotos und Video-Interviews. Beispielsweise gehört zur Sammlung auch ein Brief des Schriftstellers Heinrich Böll, der sich am 21. August 1968 mit seiner Frau Annemarie und seinem Sohn René in Prag befand.
Zur historischen Bedeutung des Prager Frühlings schreibt etwa Jan Pauer:
„Das Reformexperiment des „Prager Frühlings“ dauerte nur acht Monate. Es wurde im August 1968 durch die größte Militäraktion in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg und die einzige gemeinsame Aktion des Warschauer Paktes gewaltsam gestoppt. Damit scheiterte der erste friedliche und tiefgreifende Reformversuch „von oben“, der im ehemaligen Ostblock einen Systemwandel einleiten und einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ verwirklichen wollte. Er war also kein antikommunistischer Aufstand und sprengte mit seinen Intentionen die Muster des Kalten Krieges.“
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