„Vielfalt macht relevanter und lebendiger“
von Josephine Macfoy
Laura Marie Hattenhauer hat sich in ihrer Masterarbeit mit der Rolle der Diversität im Lokaljournalismus beschäftigt. Eine Erkenntnis lautet: Vielfalt in der Redaktion kann zu wirtschaftlichem Erfolg beitragen.
Frau Hattenhauer, Sie haben sich in Ihrer Masterarbeit an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt mit der Diversität im Lokalen auseinandergesetzt. Wieso haben Sie das Thema gewählt?
Diversität ist für mich generell ein spannendes Thema im Journalismus. In meinem universitären Umfeld habe ich das Gefühl, dass es als sehr relevant empfunden wird. Gleichzeitig weiß ich, dass es teils schwierig ist, den Gesellschaftswandel in bestehenden Strukturen als Redaktion mitzumachen. Medien handeln nicht nur ethisch, sondern stehen auch unter wirtschaftlichem Druck. Genau das hat mich interessiert: Wie gehen Lokalzeitungen als privatwirtschaftliche Unternehmen mit dem Thema Vielfalt um?
Was genau haben Sie erforscht?
Es ging mir darum, besser zu verstehen, wie divers Redaktionen sind. Welche Rolle spielt Diversität in der Rekrutierung und der Arbeit? Zudem wollte ich herausfinden, wie Journalistinnen und Journalisten das Thema wahrnehmen und wie sich ihre eigene Lebenserfahrung auf die Berichterstattung auswirkt.
Sie schreiben, es sei notwendig, dass sich Redaktionen selbst hinterfragen.
Gerade im Lokalen sind Redaktionen immer noch sehr homogen. Damit spiegeln sie die Gesellschaft nicht wider. Leserinnen und Leser erkennen sich nicht in den Inhalten, wichtige Themen bleiben unbeachtet, und das Vertrauen sinkt. Außerdem entsteht eine Spirale: Was nicht in der Zeitung vorkommt, gilt als unwichtig, obwohl es für viele relevant wäre.
Mit welchen Redaktionen haben Sie darüber gesprochen?
Ich habe mit großen und kleinen Redaktionen gesprochen, mit Menschen in leitenden Funktionen, aus dem Recruitment und mit jungen Journalistinnen und Journalisten. Dabei ging es um das Verständnis von Diversität, die personelle Zusammensetzung, den Arbeitsalltag, die Berichterstattung und Wünsche für die Zukunft. Mit dabei waren dankenswerterweise die Augsburger Allgemeine, der Verlag Nürnberger Presse, die Fränkische Landeszeitung und das Weißenburger Tagblatt.
Welche Unterschiede gab es zwischen großen und kleinen Häusern?
Größere Redaktionen haben mehr Ressourcen, feste Volontariatsprogramme und Leute, die sich um die Rekrutierung kümmern. Aber selbst dort hängt viel davon ab, wie engagiert die Führungskraft ist und welchen Stellenwert sie der Diversität zuschreibt. Bei kleineren Redaktionen fehlen oft nicht nur Ressourcen und Zeit, sondern auch entsprechende Bewerbungen.
Was hat sich bewährt, um grundsätzlich vielfältiger zu werden?
Um die Redaktion diverser zu machen, sollte man früh ansetzen, zum Beispiel in Schulen über die eigene Arbeit sprechen und unterschiedlichsten Schülerinnen und Schülern den Beruf vorstellen. Vielfältiger Nachwuchs lässt sich auch auf Social Media gewinnen. In bestehenden Redaktionen haben sich zudem Fortbildungen bewährt, bei denen Journalistinnen und Journalisten sensibilisiert werden.
Was würde mehr Diversität verändern?
Vieles! Medien könnten ein breiteres Publikum erreichen und bessere Absatzzahlen erzielen. Und: Der Lokaljournalismus könnte seine integrative Kraft entfalten. Wenn Leserinnen und Leser sich wiederfinden, schafft das Vertrauen.
Wie hoffnungsvoll sind Sie, dass das gelingt?
Redaktionen sind engagiert, aber solange Diversität nicht strukturell verankert ist, kommen sie nur langsam voran. Wer jetzt aber die Zeit nutzt, Mittel investiert und Nachwuchs früh fördert, kann den Lokaljournalismus relevanter, lebendiger und vertrauenswürdiger machen – und das dürfen wir nicht verpassen.
Das Interview erschien zuerst in der Ausgabe 1/2026.
Mehr über das Thema Diversität im Lokalen:
Hier geht es zum drehmoment-Podcast mit Ella Schindler, Redakteurin im Verlag Nürnberger Presse und Vorständin der Neuen deutschen Medienmacher, und Sinan Sat, Redaktionsleiter Gelsenkirchen der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung.
Zum Interview mit der Volontärin Roya Hedayati (Thüringer Allgemeine) geht es hier. Sie sprach mit uns über Rassismus im Lokalen und die Berichterstattung für eine Einwanderungsgesellschaft.
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