Schicksalsjahr und Trauma einer Republik
von Jan-Malte Wortmann
Am 17. Juni 1953 gingen in der DDR über eine Million Menschen auf die Straße und protestierten gegen das noch kommunistische SED-Regime. An manchen Orten werden die Kommunsalverwaltungen besetzt und Bürgermeister abgesetzt. Doch der Volksaufstand wird von russischen Panzern blutig niedergeschlagen: Mindestens 55 Menschen sterben, Tausende werden verhaftet. Für die Bürgerinnen und Bürger der DDR markiert das Datum fortan ein nationales Trauma, bis heute ist es ein Gedenktag.
Allerdings lohnt es sich, den Blickwinkel auf das Jahr 1953 zu weiten: Im März stirbt Stalin und löst in der sowjetischen Führung einen verbitterten Machtkampf aus. In Korea wird nach drei Jahren Krieg ein Waffenstillstand beschlossen, der jedoch die Teilung des Landes bis heute zementiert hat. Und im Iran wird der gewählte Ministerpräsident Mohammad Mossadegh mit westlicher Beteiligung aus dem Amt geputscht. All diese Ereignisse waren eng mit dem Kalten Krieg verwoben. So schreibt etwa der Historiker Christian F. Ostermann:
„Der Volksaufstand in Ostdeutschland im Juni 1953 und die internationalen Reaktionen darauf spiegelten sowohl das Gefühl wider, eine Veränderung des Kalten Krieges herbeiführen zu können – als auch einen neuen Grad der Verhärtung infolge der gewaltsamen Niederschlagung.“
Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hat dem Schicksalsjahr 1953 mit einer ganzen Ausgabe der Zeitschrift Aus Politik und Zeitgeschichte eine eigene Publikation gewidmet.
Hier geht's zur Bestellung oder zum kostenlosen Download.
Inhaltsverzeichnis
- Christian F. Ostermann – Zwischen Verhärtung und Entspannung. Der Kalte Krieg im Jahr 1953
- Daniela Münkel – Der 17. Juni 1953. Trauma, Erinnerung, Aufarbeitung
- Ralph Jessen – Entsichert, organisiert und erzogen. Die DDR-Gesellschaft der frühen 1950er Jahre
- Sonja Levsen – Zwischen Konformität und Konflikt. Die westdeutsche Gesellschaft 1953
- Katajun Amirpur – Ein iranisches Schicksalsjahr
- Martin Wagner – Stalins Tod und das Ende der Allmacht. Zur Transformation totalitärer Herrschaft
Aus Politik und Zeitgeschichte, Ausgabe Nr. 20-21/2023. Bestellnummer 72320. 48 Seiten (kostenlos). Bonn 2023.
Veröffentlicht am

Kommentare
Einen Kommentar schreiben