Internetwerkstatt

Den Überblick im Fediverse behalten

von Christina Quast

Social-Media-Feeds scheinen meist undurchdringbar. (Foto: Adobe Stock/DC Studio)
(Foto: Adobe Stock/DC Studio)

Zum Tag der Pressefreiheit am 3. Mai haben zahlreiche Stiftungen den Server „stiftungen. social“ bei Mastodon ins Leben gerufen, um sich dort über ihre Arbeit auszutauschen. Das zeigt, dass das dezentrale Netzwerk auch für Redaktionen bedeutender wird (siehe Internetwerkstatt 4/2023).
Um relevante Neuigkeiten und Diskussionen aus Mastodon zu erfassen, empfiehlt sich für Redaktionen das Werkzeug Sill.social. Es stammt vom Journalisten und Entwickler Tyler Fisher und hilft dabei, sich mit wenig Zeitaufwand zu informieren. Denn es sammelt die Links, die im eigenen Feed am häufigsten geteilt werden, in einer übersichtlichen Liste, die sich schnell durchscrollen lässt. Zudem bietet Sill weitere Funktionen an, die Journalisten beim Recherchieren unterstützen. Praktisch ist auch, dass es Mastodon und Bluesky zusammen monitoren kann.

(Still.social, Foto: Screenshot)
(Still.social, Foto: Screenshot)

 

Täglich relevante Links
Derzeit ist Sill kostenlos, man muss nur einen Mastodon- und/oder Bluesky-Kanal verbinden, um täglich eine Liste mit den häufigsten Links der vergangenen 24 Stunden zu erhalten: entweder als Mail oder RSS-Feed. Dieses „Daily Digest“ wird zu einer wählbaren Uhrzeit erstellt und gibt einen Überblick über die populärsten Links im eigenen Feed. Sie sind ergänzt um die Anzahl und Beiträge der Accounts, die die Links geteilt haben.
Bei Sill im Browser gibt es auch eine ständig aktuelle Liste der Links, die durchsucht und gefiltert werden kann: etwa nach populärsten oder neusten Links, Anzahl der Shares und vergangener Zeit von drei bis 24 Stunden sowie Mastodon oder Bluesky als Quelle. So können Redaktionen gezielt Neuigkeiten in diesen Netzwerken finden. Übrigens werden für das Ranking alle Arten von Beiträgen berücksichtigt, aber jeder Account nur einmal, sodass Wiederholungen die Liste nicht beeinflussen.

Still.social: Bookmarks
Still.social: Bookmarks

 

Themen und Trends verfolgen
Wer einen Blick über den eigenen Feed hinauswerfen will, wird bei „Trending“ fündig: Dort gibt es die zehn häufigsten Links der vergangenen drei Stunden aus den Netzwerken, und zwar zusammen mit dem reichweitenstärksten Beitrag, die sich alle fünf bis zehn Minuten aktualisieren. Allerdings werden nur Accounts berücksichtigt, die mit Sill verbunden sind, also nicht alle Beiträge bei Mastodon und Bluesky. Um abseits der häufigsten Links zu recherchieren, bietet Sill noch „Notifications“ und „Bookmarks“, die man selbst definieren kann.
Mit „Bookmarks“, also Lesezeichen, lassen sich selbst ausgewählte Links aktiv verfolgen, und zwar über die 24-Stunden-Frist hinaus. Auch eigene Links aus dem Web lassen sich beobachten, zu denen Sill dann Beiträge in den Netzwerken sammelt. So können Journalisten verfolgen, wie relevante Links verbreitet und diskutiert werden, zum Beispiel auch Inhalte aus der eigenen Redaktion.
Zudem schickt Sill „Notifications“ bzw. Benachrichtigungen zu Beiträgen, die definierte Kriterien erfüllen – beispielsweise Beiträge mit einer Mindestzahl von Shares oder mit Stichworten – um Themen zu verfolgen und die Beiträge dazu im Archiv von Sill zu speichern. Auch Links von einer bestimmten Domain wie dem eigenen Medium können beobachtet werden.

 

Recherche-Tool im Browser
Sill konzentriert sich auf Links, die bei Mastodon und Bluesky geteilt werden, und ist dank zeitsparender Optionen für die Recherche ein passender Dienst für Redaktionen, die Themen in diesen Netzwerken entdecken wollen. Ein Nachteil ist noch, dass sich nicht mehrere eigene Accounts aus einem Netzwerk mit Sill verknüpfen lassen. Sonst sind alle Funktionen browserbasiert nutzbar. Eine App gibt es für Sill bisher nicht.

Christina Quast

Christina Quast

berichtet als freie Journalistin über digitale Tools und Themen und ist seit Mitte 2018 für den Blog „Journalisten Tools“ verantwortlich. Für Journalisten gibt sie auch Seminare und organisiert Barcamps.

E-Mail: quast@journalisten-tools.de
Internet: journalisten-tools.de

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