Internetwerkstatt

Corona in Zahlen

von Christina Quast

aus drehscheibe 07/2020

Infizierte, Tote und Reproduktionszahlen sind wichtige Daten – auch für Journalisten, die über das Corona-Virus berichten. Klar ist auch, dass die Maßnahmen gegen die Pandemie einen Einfluss darauf haben, wie sich Menschen in Deutschland und weltweit verhalten. Dazu gibt es mittlerweile aktuelle Daten, die Redaktionen verwenden können, um die Berichterstattung über das Corona-Virus zu ergänzen und die Folgen zu beurteilen. Ein paar für Deutschland beachtenswerte Quellen sind Google, Apple und ein Gemeinschaftsprojekt der Universität Erfurt.

Daten zur Mobilität

Die eingeschränkten Kontakte und geschlossenen Geschäfte haben sich deutlich auf die üblichen Bewegungsmuster der Menschen ausgewirkt, das zeigen Daten zur Mobilität, die von Google und Apple bereitgestellt werden. Derzeit veröffentlichen die Techkonzerne aggregierte und anonymisierte Nutzerdaten ihrer Karten-Apps, die auf fast allen Smartphones vorinstalliert sind. Diese Mobilitätsberichte oder -trends zeigen für viele Länder, wie und wann Menschen das eigene Verhalten geändert haben, infolge von Ausgangs- und Kontaktsperren und mit den schrittweisen Lockerungen.

Die Google-Mobilitätsberichte zur Corona-Krise kann man nach Ländern geordnet als PDF-Datei herunterladen. Die Daten werden alle zwei bis drei Tage aktualisiert und sind für die letzten sechs Wochen in Diagrammen dargestellt. Für Lokalredaktionen sind die englischsprachigen Mobilitätsberichte interessant, weil Deutschland auch nach Bundesländern gegliedert ist. Sie zeigen die Kategorien „Einzelhandel und Kultur“, „Lebensmittel und Apotheken“, „Parks“, „öffentlicher Verkehr“, „Arbeitsplätze“ und „Wohngegenden“ mit einem prozentualen Plus oder Minus zur sogenannten Baseline, also den Daten von fünf nicht corona-beeinflussten Wochen. Obwohl die Mobilität im Einzelhandel stark gesunken und in Parks stark gestiegen ist, gibt es abhängig von den Maßnahmen in den Bundesländern auch klare Unterschiede: So hat Hamburg den stärksten Schwund im Einzelhandel (-53 %) und Brandenburg den höchsten Zuwachs in Parks (+153 %) – Stand: 9 Mai.

Sehr ähnlich sind die „Berichte zu Mobilitätstrends“, die Apple seit Mitte Januar sogar täglich aktualisiert. Hier können Journalisten nach Ländern, Regionen und Städten suchen, für Deutschland sind die Bundesländer und die etwa zehn größten Städte findbar. Das Such­ergebnis ist ein Diagramm mit Linien zu den Fortbewegungsarten „Fahren“, „Gehen“ und „ÖPNV“. Tatsächlich ist der ÖPNV am stärksten – bis zu 70 % – zurückgegangen, während das Fahren in einigen Bundesländern schon wieder über der Baseline liegt – Stand: 14. Mai. Diese Mobilitätstrends von Apple basieren auf angefragten Wegbeschreibungen im Vergleich zu einer Baseline am 13. Januar.

Es ist für Redaktionen ratsam, regelmäßig die angebotene CSV-Datei zu speichern, denn Google und Apple schreiben, dass die Nutzerdaten nur für eine begrenzte Zeit online sein werden –so lange, wie sie helfen, die Verbreitung von Covid-19 einzudämmen.

Wahrnehmung der Pandemie 

Ein Covid-19 Snapshot Monitoring veröffentlicht die Universität Erfurt als Gemeinschaftsprojekt mit wissenschaftlichen und gesundheitlichen Institutionen: Es handelt sich um eine wöchentliche repräsentative Datenerhebung, die seit Anfang März beobachtet, wie die deutsche Bevölkerung die Corona-Virus-Pandemie wahrnimmt. Das Monitoring ist nach durchaus aktuellen Themen strukturiert – zum Beispiel „Maskenpflicht“, „Tracing-App“ oder „Immunitätspass“ – und die zugehörigen Daten zeigen, dass fast 80 % Masken tragen, sich nur etwa ein Viertel für den Immunitätspass ausspricht und Verschwörungserzählungen von 17 % geglaubt werden. Denn auch das Informationsverhalten und das Verschwörungsdenken werden abgefragt.

Mit den aktuell und regelmäßig erhobenen Daten können Redaktionen einerseits Stimmungen über die Zeit beobachten – dazu werden auch die wöchentlichen Umfrage-Ergebnisse als PDF zum Download angeboten. Und andererseits lässt sich die Relevanz von Anti-Corona-Protesten beurteilen und aufgrund von Zahlen belegen, dass die lautesten Stimmen nicht die allgemein verbreitete Stimmung repräsentieren.

Links

Mobilitätsberichte von Google: www.google.com/covid19/mobility/

Mobilitätstrends von Apple: www.apple.com/covid19/mobility

Covid-19 Snapshot Monitoring“ der Universität Erfurt: www.t1p.de/covid-erfurt

 

Christina Quast

Christina Quast

berichtet als freie Journalistin über digitale Tools und Themen und ist seit Mitte 2018 für den Blog „Journalisten Tools“ verantwortlich. Für Journalisten gibt sie auch Seminare und organisiert Barcamps.

Mail: quast@journalisten-tools.de
Internet: www.journalisten-tools.de

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