Internetwerkstatt

Neuerungen bei Twitter

von Christina Quast

aus drehscheibe 01/2021

„This claim about election fraud is disputed“ – „Diese Behauptung über Wahlbetrug ist umstritten.“ So lautet nach der US-Wahl ein Hinweis an vielen Tweets von Donald Trump, weil der Präsident weiterhin behauptet, die Wahl sei manipuliert worden. Twitter als liebster Kommunikationskanal Trumps hat dieses Jahr einige neue Funktionen eingeführt, um Fake News und Hate Speech zu begegnen, aber auch um Trends zu verfolgen.

Twitter mit mehr Transparenz

Die Hinweise zu falschen und irreführenden Behauptungen platziert Twitter seit Mai 2020 und derzeit wohl am häufigsten und am prominentesten bei Tweets von Donald Trump. Und möchte man einen Link retweeten, den man noch gar nicht angeklickt hat, fragt Twitter nach: „Möchtest du den Artikel zunächst lesen?“ Erst dann wird diese Aktion ausgeführt. Auch Twitter-Profile von Mitgliedern und Mitarbeitern einer Regierung oder von staatlich finanzierten Medien werden mit zusätzlichen Hinweisen zur Transparenz ausgestattet. Und politische Werbung hat Twitter grundsätzlich und dauerhaft verboten, weil sich solche Botschaften eine Reichweite verdienen und nicht kaufen sollen. Ein entsprechender Hinweis, dass Anzeigen für Bundes- oder Landtagswahlen nicht mehr erlaubt sind, findet sich im Ads Transparenz-Center von Twitter. An dieser Stelle werden alle nicht-politischen Anzeigen für sieben Tage archiviert. Und zuletzt hat Twitter angekündigt, den blauen Haken für verifizierte Profile wieder zu vergeben, ein Verfahren, dass das Netzwerk vor Jahren gestoppt hatte.

Twitter gegen Hate Speech

Neu bei den Tweets ist eine Option, die Antworten zu beschränken: Standardmäßig ist „alle können antworten“ eingestellt, was sich auf „Leute, denen du folgst“ oder „Nutzer, die du erwähnst“ eingrenzen lässt. Werden diese Einstellungen aktiviert, ist das Kommentar-Symbol für andere ausgegraut, sodass sich Tweets für (Hass-)Kommentare sperren oder für Interviews bei Twitter nutzen lassen. Bereits angekündigt ist, dass man weitere Leute zum Antworten einladen kann. Und noch ein Hinweis: Retweets mit Kommentar bleiben möglich und werden durch diese Option nicht verhindert. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, einzelne Antworten zu eigenen Tweets auszublenden, die dann automatisch ans Ende sortiert werden und die andere Nutzer ausdrücklich aufrufen müssen.

Trends bei Twitter

Durch Podcasts sind Audioformate im Internet populär geworden, sodass auch Twitter sogenannte Voice Tweets gestartet hat, die man aber nur mit der App für iOS einsprechen kann. Ein zusätzlicher Button in der Medienleiste eines Tweets führt zur Audio-Aufnahme, die 140 Sekunden lang sein kann – entsprechend dem früheren Zeichenlimit für Tweets. Falls man dieses Zeitlimit überschreitet, veröffentlicht Twitter eine Aufnahme in mehreren Tweets als Thread. Und die Audio-Option ist nur in originalen Tweets und nicht in Antworten oder Retweets mit Kommentar verfügbar.

Die neueste Twitter-Funktion sind sogenannte „Fleets“, eine noch beschränkte Version des Story-Formats, das durch Snapchat bekannt wurde und das alle Netzwerke nach und nach kopiert haben. Im Gegensatz zu Tweets sind „Fleets“ nur für eingeloggte Nutzer und nur in der App zu sehen – für höchstens 24 Stunden. Ein Vorteil ist, dass die Verfasser von „Fleets“ erfahren, wer die gestückelten Stories konsumiert hat, während für Tweets nur die Reichweite ausgewiesen wird.

Bereits angekündigt hat Twitter mehr Sticker und eine Live-Funktion, um „Fleets“ den gängigen Stories noch ähnlicher zu machen.

Fazit

Die vielen neuen Funktionen bei Twitter ergeben eine bunte Mischung, mit der sich das Netzwerk einerseits von den größeren Konkurrenten abgrenzen möchte und sich andererseits den allgegenwärtigen Trends fügt. Grundsätzlich sind die genannten Funktionen auch für Redaktionen interessant, weil mehr Transparenz und Kontrolle bei der journalistischen Arbeit helfen kann. Nicht zuletzt ist Twitter nun ein Netzwerk mit echter Audio-Funktion.

Links

Hinweise zu Fake News: www.t1p.de/twitter-fake-news

Hinweise zu Regierungsmitgliedern und -medien: www.t1p.de/twitter-regierung

Verifizierung: www.t1p.de/twitter-verifizierung

Voice-Tweeits: www.t1p.de/twitter-voice

Twitter-Fleets: www.t1p.de/twitter-fleets

Christina Quast

Christina Quast

berichtet als freie Journalistin über digitale Tools und Themen und ist seit Mitte 2018 für den Blog „Journalisten Tools“ verantwortlich. Für Journalisten gibt sie auch Seminare und organisiert Barcamps.

Mail: quast@journalisten-tools.de
Internet: www.journalisten-tools.de

Veröffentlicht am

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Kommentieren

Bei den mit Sternchen (*) markierten Feldern handelt es sich um Pflichtfelder.