Internetwerkstatt

Geschichten erlebbar machen

von Christina Quast

Nummer 01/2018

Der digitale Trend Virtual Reality (kurz VR) ist für Journalisten interessant, die Geschichten in sogenannten immersiven Formaten erzählen wollen. 360-Grad-Fotos oder -Videos können einen Menschen in andere Situationen und an andere Orte versetzen, wenn dieses Material mit einer VR-Brille betrachtet wird.

Tool für Journalisten

Mit finanzieller Hilfe aus der Digital-News-Initiative von Google hat das deutsche Start-up VRagments das kostenlose Tool Fader entwickelt, das momentan als Beta-Version online ist. Damit können Journalisten eigene Virtual-Reality-Storys produzieren und veröffentlichen. Man benötigt dazu eine Spezialkamera für 360-Grad-Aufnahmen, die Fotos in mehrere Richtungen anfertigt und automatisch zusammensetzt. Die so entstandenen Bilder lassen sich zu Storys zusammenbauen und entweder im Browser oder mit VR-Brillen betrachten, um ein immersives Erlebnis zu schaffen. Die Sender Euronews und Deutsche Welle haben Fader bereits verwendet: Einige veröffentlichte Virtual-Reality-Storys finden sich in der „Discover“- Rubrik von Fader.

Bei VRagments in Berlin arbeiten Journalisten, Storyteller und Programmierer zusammen, die Fader speziell für Redaktionen entwickelt haben; das Online-Tool lässt sich sehr leicht und ohne technische Fachkenntnisse bedienen. Journalisten können sich mit einer Mailadresse online bei Fader registrieren, um Virtual-Reality-Storys zusammenzubauen, die aus mehreren Szenen bestehen können.

Geschichten bauen

Zunächst gibt man einer neuen Story einen Titel, dann lassen sich die einzelnen Szenen bearbeiten. Diese werden auf einer Leiste unter dem Titel in nummerierter Reihenfolge angezeigt. Eine Szene zeigt ein leeres Raster im dreidimensionalen Raum, um 360-Grad-Aufnahmen mit Fotos, Videos, Audios und Texten zu multimedialen Storys zu kombinieren. Alle benötigten Dateien werden bei Fader in eine Bibliothek hochgeladen, um dann für die einzelnen Szenen verfügbar zu sein. Jede Szene lässt sich per Baukastensystem aus dem Material in der Bibliothek zusammensetzen. Konkret kann pro Szene eine 360-Grad-Aufnahme mit maximal 30 Megabyte verwendet werden, die Raum für alle weiteren Elemente ist. Das Raster markiert links und rechts sowie vorn und hinten, um sich im virtuellen Raum zu orientieren und die Fotos, Videos, Audios oder Texte an der gewünschten Stelle zu platzieren. Jede Datei kann über das Werkzeugsymbol angepasst werden: Durch Rotation, Position und Größe bestimmen Journalisten, wo sich die Elemente im virtuellen Raum befinden. Für Texte können zusätzlich Farbe, Hintergrund und Rahmen angepasst werden.

Storys in eigener Regie

Als Letztes können interaktive Elemente eingefügt werden, mit denen die Zuschauer in der veröffentlichten Virtual-Reality-Story zur nächsten Szene navigieren. So entstehen mit Fader immersive Geschichten, bei denen die Zuschauer mitbestimmen können, was und in welcher Reihenfolge sie es sich anschauen möchten. Denn die Leser führen in Virtual-Reality-Storys auch selbst mit Regie.

Die fertigen Virtual-Reality-Storys können über den „Teilen“-Button mit einem Embed Code auf die Website der Redaktion übernommen werden oder als Link direkt bei den sozialen Netzwerken Facebook, Twitter, Google+ und LinkedIn oder in den Messengern WhatsApp und Telegram verbreitet werden. Durch die kostenlose Nutzung und die leichte Bedienung ist Fader ein gutes Online-Tool für Redaktionen, die sich in die neue Welt der Virtual Reality einarbeiten und neue Storytelling-Formate ausprobieren wollen.

Links

www.getfader.com

discover.getfader.com

 

Christina Quast

Autorin

Christina Quast lebt als freie Journalistin im Ruhrgebiet und ist auf Twitter spezialisiert. Sie gibt auch Social-Media-Seminare und organisiert Barcamps.
Mail: c_q@about.me
Internet: www.about.me/C_Q

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