Internetwerkstatt

Gütesiegel für Journalismus

von Christina Quast

aus drehscheibe 08/2019

Nummer 07/2019

Seit Mai vergibt das Medien-Start-up News-Guard in Deutschland Qualitätssiegel für Nachrichten-Websites: Die farbigen Piktogramme werden im Browser angezeigt und sollen Konsumenten auf seriösen Journalismus hinweisen oder vor Falschmeldungen warnen. NewsGuard beurteilt die Glaubwürdigkeit und Transparenz von Nachrichten-Websites anhand von neun Kriterien.

Vertrauenswürdige Nachrichtenseiten erhalten ein grünes Siegel, auch Lokalzeitungen werden der Bewertung unterzogen. Die Höchstpunktzahl von NewsGuard beträgt 100 Punkte, eine Website mit weniger als 60 Punkten bekommt ein rotes Siegel.

Bewertungskriterien

Lokalredaktionen sollten die Website entsprechend optimieren, um ein grünes Piktogramm zu erhalten. Die NewsGuard-Kriterien zu Glaubwürdigkeit und Transparenz lauten sinngemäß:

  • Es werden keine Falschinformationen veröffentlicht: 22 Punkte

  • Es wird nach journalistischen Kriterien recherchiert: 18 Punkte

  • Fehler werden regelmäßig richtiggestellt: 12,5 Punkte

  • Nachricht und Meinung werden unterschieden: 12,5 Punkte

  • Irreführende Überschriften werden vermieden: 10 Punkte

  • Es werden Eigentumsverhältnisse und Finanzierung veröffentlicht: 7,5 Punkte

  • Werbung gekennzeichnet: 7,5 Punkte

  • Redaktionell Verantwortliche und mögliche Interessenskonflikte werden offengelegt: 5 Punkte

  • Informationen über Journalisten sind zugänglich: 5 Punkte

NewsGuard will schon im Sommer 90 Prozent der Nachrichten-Websites mit einem Qualitätssiegel versehen. Das dürfte die meisten Lokalzeitungen betreffen, bei denen aktuell ein farbloses Piktogramm den Hinweis anzeigt: „Diese Website wird derzeit von NewsGuard bewertet.“

Wer bewertet

Die Bewertungen übernehmen keine Algorithmen, sondern freie Mitarbeiter von NewsGuard: Sie sind ausgebildete Journalisten und begutachten die gesamte Publikation, ohne einzelne Artikel auf Fakten zu checken. Das Start-up  begründet die Punkte in einem Mediensteckbrief und kontaktiert das Medienhaus, um gegebenenfalls Stellungnahmen einzufügen, bevor es ein Quälitätssiegel veröffentlicht. Die Bewertung soll alle drei Monate geprüft werden, sodass sich  Nachrichten-Websites auch verbessern oder verschlechtern können.

Sichtbarkeit

Um die Piktogramme von NewsGuard zu sehen, muss man sich eine kostenlose Erweiterung für den Browser installieren. Dann werden die Qualitätssiegel automatisch angezeigt, sobald man eine Nachrichten-Website aufruft. Zusätzlich werden sie bei Google und Facebook neben Artikeln eingeblendet. Wer auf das Piktogramm klickt, erkennt auf einen Blick, welche Kriterien erfüllt sind und welche nicht.

Kennzeichnungen

Zusätzlich zu roten und grünen Piktogrammen für Nachrichten-Websites gibt es ein oranges Piktogramm für Satire-Websites wie „Der Postillon“ und graue Etiketten für Nutzer-Plattformen wie Wikipedia. Wer eine Nachrichten-Website ohne  Qualitätssiegel besucht, kann diese mit einem Klick zur Beurteilung übermitteln. Im Browser Edge von Windows ist NewsGuard bereits integriert, bei Google Chrome wurde die Erweiterung über 58.000 und bei Mozilla Firefox über 5.000 Mal installiert (Stand: 30. Mai).

Fazit

Lokalredaktionen sollten eigene Websites entsprechend der Glaubwürdigkeit- und Transparenz-Kriterien optimieren und die „NewsGuard“-Bewertung kennen. Ein grünes Piktogramm mit hoher Punktzahl können Redakteure auch nutzen, um über die Kriterien für seriöse Nachrichten zu berichten und die Arbeitsweisen im eigenen Medienhaus zu erklären.

Christina Quast

Autorin

Christina Quast schreibt als freie Journalistin über digitale Tools und Themen. Sie gibt auch Seminare für Journalisten und ist seit Mitte 2018 für den Blog Journalisten-Tools.de verantwortlich.

Mail: mail@journalistentools.de
Internet: www.journalisten-tools.de

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