Internetwerkstatt

Retter der Reichweite

von Christina Quast

Nummer 05/2018

Die Reichweite von Facebookseiten sinkt momentan stark: Das betrifft auch Medien, die Nachrichten verbreiten. Vor ein paar Monaten verkündete Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, dass die organische – also unbezahlte – Reichweite für Seiten von Unternehmen und Medien geringer wird: Im Newsfeed sollen hauptsächlich Beiträge von Familie und Freunden erscheinen, um positive Erlebnisse zu fördern (siehe auch drehscheibe, Ausgabe 03/2018). Beiträge von Unternehmen und Medien werden seltener, besonders Artikel und Videos, die passiv konsumiert werden, möchte Zuckerberg vermeiden. Bei Facebook soll es um „bedeutsame Interaktionen“ gehen, die eher nicht durch informierende Inhalte von Journalisten entstehen. Laut Zuckerberg kann man bei Facebook nun mit mehr Beiträgen von Familien, Freunden und Gruppen rechnen.

Mehr moderieren

Deshalb gelten Gruppen als Option, um die sinkende Reichweite von Seiten zu kompensieren. Zumal Facebook die Gruppen mit vielen Funktionen ausstattet, die denen von Seiten ähneln. Weil alle Mitglieder auch Beiträge veröffentlichen können
statt nur die Inhaber, entspricht die Kommunikation in Gruppen mehr dem Facebook-Ziel der „bedeutsamen Interaktionen“ als die Kommunikation auf Seiten. Das bedeutet für Lokalredaktionen, die Gruppen nutzen wollen, um die Reichweite zu retten, auch mehr Zeit und Personal für die Moderation einzuplanen.

Facebook-Gruppen können von Personen oder Seiten gegründet werden – für Medien empfiehlt sich die letzte Variante, weil die Gruppe dann mit der Seite verbunden ist und im Tab „Gruppen“ sichtbar wird. Jede Gruppe benötigt einen Namen und eine Privatsphäre, dann können ein Titelbild und Mitglieder aus den eigenen Freunden hinzugefügt werden. Die Privatsphäre beeinflusst die Sichtbarkeit und den Beitritt in eine Gruppe: Möglich sind öffentlich, geschlossen und geheim.

Eine genaue Übersicht findet sich im Facebook-Hilfebereich. Medien sollten öffentliche Gruppe nutzen und mit einem Standort und maximal fünf Stichworten für die Suche optimieren.

Newsfeed füttern

Wie auf Seiten lassen sich in Gruppen verschiedene Beiträge veröffentlichen: Links, Fotos, (Live-)Videos, Umfragen oder Veranstaltungen sind für alle Mitglieder nutzbar, um eine Gruppe mit Inhalt zu füllen. Diese Beiträge werden dann vielen Gruppen-Mitgliedern im Newsfeed eingeblendet, um organische Reichweite und „bedeutsame Interaktionen“ zu generieren. Zudem lassen sich Beiträge aus einer Gruppe auf einer Seite teilen – und umgekehrt, um die Reichweite zu erhöhen und die Mitglieder an die eigene Marke zu binden. Übrigens können Mitglieder nicht beeinflussen, wie viele Gruppen-Beiträge im Newsfeed sichtbar werden – es ist nur möglich, einer Gruppe zu entfolgen oder Beiträge von einzelnen Mitgliedern zu verbergen.

Als Administratoren einer Gruppe sollten Mitarbeiter der Redaktion fungieren. Sie können einstellen, ob die neuesten Beiträge oder die neuesten Aktivitäten oben erscheinen. Zudem lässt sich oben ein Beitrag fixieren, um das Ziel und die Regeln einer Gruppe zu kommunizieren. Prinzipiell haben Administratoren und auch Moderatoren viele Rechte, um eine Gruppe als Community zu pflegen. Vor allem dürfen sie Mitglieder und Beiträge bestätigen, ablehnen oder entfernen. Zusätzlich können sie Beiträge planen und Statistiken für die Gruppen sehen – Funktionen, die von Seiten bekannt sind.

Facebook-Gruppen bergen allerdings im Allgemeinen auch Risiken, zum Beispiel die Gefahr, dass sich Fake News oder rechte politische Einstellungen in geheime Gruppen verlagern, die dort kaum noch korrigiert oder reguliert werden können. Zudem kann Mark Zuckerberg entscheiden, die Gruppensichtbarkeit im News Feed einzuschränken – wie bereits mit den Seiten geschehen.

News für lokale Publisher

Zuletzt hat der Facebook-Gründer verkündet, lokale Publisher im Newsfeed zu stärken – gemeint sind lokale Nachrichten, Blogs etc. Um lokale Publisher zu erkennen, nutzt Facebook die Geolocation: Wird ein Beitrag häufig von Menschen in einer Region geklickt, wird dieser Beitrag weiteren Menschen aus derselben Region angezeigt. Somit können Lokalredaktionen eventuell auf eine stabile Reichweite hoffen.

Christina Quast

Autorin

Christina Quast lebt als freie Journalistin im Ruhrgebiet und ist auf Twitter spezialisiert. Sie gibt auch Social-Media-Seminare und organisiert Barcamps.
Mail: c_q@about.me
Internet: www.about.me/C_Q

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Kommentar von Gregor |

Nicht unerwähnt bleiben sollte dabei das es auch in Zukunft noch Inhalte von Seiten gibt, die für eine gute Reichweite im Newsfeed sorgen werden, beispielsweise mit Live-Videos (http://contentflow.org/aenderungen-im-newsfeed-live-video-wird-noch-wichtiger/) Alles in allem müssen sich aber Redaktionen auf jeden Fall über Ihre Strategie Gedanken machen und diese auf den Prüfstand stellen.

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