Internetwerkstatt

Schreiben per Stimme

von Christina Quast

Das KI-gestützte Diktiergerät verwandelt Eingesprochenes in Text.
(Foto: Screenshot/Whispr)

Einst gehörte das Diktiergerät zu den typischen Werkzeugen in jeder Lokalredaktion: Damit wurden Texte aufgenommen und zum Abtippen gegeben. Heute funktioniert das auf Computern und Smartphones, und zwar mit künstlicher Intelligenz. Das bekannteste Diktier-Tool für alle Geräte ist Whispr Flow, das das Tippen auf der Tastatur durch Sprechen ins Mikrofon ersetzen möchte, um Arbeitsschritte zu beschleunigen.

Das Besondere ist, dass es sich für Eingaben in nahezu allen Programmen und Apps mit Textfeld aktivieren lässt, sobald man Whispr Flow installiert hat. Die Software ist bereits für Windows und Apple sowie iOS und Android verfügbar, das Betriebssystem Linux soll noch folgen. Wichtig zu wissen ist, dass es derzeit als KI-gestütztes Diktiergerät funktioniert, aber keine Transkription von hochgeladenen Audio- oder Videodateien anbietet. Es gilt also das gesprochene Wort.

 

(Whispr, Foto: Screenshot)
(Whispr, Foto: Screenshot)

 

Ein Tool für alle Textfelder
Denn Whispr Flow ist ein echter Spezialist für das Umwandeln von Sprache in Text mithilfe von KI. Im Gegensatz zur Transkription werden Füllsel wie „ähm“ oder „also“ und Wiederholungen einfach weggelassen, neu begonnene oder korrigierte Sätze werden nur in der finalen Version verschriftlicht. Auch Strukturen wie Grußformeln in Mails oder Aufzählungen werden automatisch erkannt und entsprechend formatiert.
So kann man Texte, Mails, Nachrichten, Prompts und mehr einfach einsprechen, statt sie zu tippen. Denn das Diktieren funktioniert in jedem Textfeld, das man anklickt. Selbst Flüstern, wenn man in der Redaktion oder bei Vor-Ort-Terminen nicht stören möchte, kann Whispr Flow gut verstehen.

Nach Diktat bearbeitet und formatiert
Damit das Tool arbeitsfähig ist, muss man es auf dem Gerät installieren, sich anmelden und zunächst einstellen, in welchen Sprachen man diktieren möchte – es lassen sich mehrere aus über 100 Sprachen auswählen. Dann kann es losgehen. Ist ein Textfeld aktiviert, kann man auf dem Computer eine selbst wählbare Tastenkombination drücken, um das Diktieren zu aktivieren, während auf dem Smartphone ein Button mit dem Logo von Whispr Flow eingeblendet wird. So werden automatisch das integrierte Mikrofon ausgewählt und eine animierte Audiospur angezeigt, solange zugehört wird. Der diktierte Text erscheint erst, nachdem das Diktieren beendet wurde, und zwar in einer bearbeiteten und formatierten Version. Die kann, falls nötig, noch bearbeitet werden. Außerdem können korrigierte Schreibweisen direkt in ein persönliches Wörterbuch gespeichert werden, genauso wie Orte, Namen und Fachbegriffe, die in der Lokalredaktion regelmäßig vorkommen und dann korrekt geschrieben werden.

Whispr Flow: Stil und Snippets
Whispr Flow: Stil und Snippets

 

Funktionen für Routinen
Für das zeit- sparende Diktieren hat Whispr Flow noch weitere Funktionen integriert. So kann man den Stil definieren, in dem bestimmte Textarten verschriftlicht werden sollen, etwa für private oder berufliche Nachrichten. Die „Snippets“, also Schnipsel, sind selbst festgelegte Kürzel für sich wiederholende Textbausteine, etwa „Gruß“ für „Mit freundlichen Grüßen“ und Name oder „meine Zeitung“ für den Link zur Lokalausgabe. Und mit den „Transforms“, also Umwandlern, kann man Tastenkombinationen zum Umschreiben festlegen, zum Beispiel „Kürze die Mail“ oder „Optimiere den Prompt“.
Zudem gibt es bei Whispr Flow ein Archiv mit den diktierten Texten, die man einfach kopieren und als Audio speichern kann, um nichts zu verlieren und Nachrichten wiederzuverwenden. Wie diese Daten gespeichert werden, kann man in den Einstellungen entscheiden: lokal oder in der Cloud von „Whispr Flow“ sowie Löschen nach 24 Stunden. Sobald man 2.000 Wörter diktiert hat, erstellt das Tool ein Stimmprofil, um sich dem Stil und Vokabular des Sprechenden anzupassen, sodass möglichst wenig Korrekturen nötig sind.

Arbeiten ohne Tastatur
Das Diktier- Werkzeug ist bis zur Grenze von 2000 Wörtern pro Woche kostenlos, für mehr kostet es 15 Dollar im Monat. Keine Wortbegrenzung gibt es aktuell für die neu veröffentlichte Android-App, sodass man auf dem Smartphone unbegrenzt kostenlos diktieren kann. Wer wissen möchte, wie man das Diktier- Tool anwenden kann, sollte in die „Workflow Gallery“ schauen. Dort gibt es kurze Video- Anleitungen, die sich nach Nutzerrolle und Software filtern lassen.
Das Ziel von Whispr Flow ist es, die Tastatur mehr und mehr zu ersetzen, indem man ganz natürlich mit den vielen Textfeldern und perspektivisch dem gesamten Gerät spricht, um Arbeitsschritte schneller auszuführen.

 

Links

Whispr Flow

Spaces – KI-App Verzeichnis

Tasks – Erläuterung zu KI-Modi

Mehr über nützliche KI-Anwendungen fürs Lokale finden Sie hier.

Christina Quast

Christina Quast

berichtet als freie Journalistin über digitale Tools und Themen und ist seit Mitte 2018 für den Blog „Journalisten Tools“ verantwortlich. Für Journalisten gibt sie auch Seminare und organisiert Barcamps.

E-Mail: quast@journalisten-tools.de
Internet: journalisten-tools.de

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