Internetwerkstatt

Text trifft Töne

von Christina Quast

aus drehscheibe 01/2019

Nummer 01/2019

Audio wird zunehmend wichtiger im Internet, spätestens seit Podcasts und Sprachassistenten immer mehr Zuhörer gewinnen. Um Texte mit Tönen aufzuwerten, könnten Journalisten das Tool „Soundcite“ verwenden: Es kann in wenigen Schritten eine Audio-Datei mit einem Stück Text kombinieren.

Möglichkeiten des Tools

Das Tool bietet Redaktionen einen bequemen Weg, um Artikel im Internet einerseits multimedial zu gestalten und andererseits aufgezeichnete Gespräche und Geräusche zu nutzen, die sich nicht immer mit Worten beschreiben lassen. Zum Beispiel können Zitate mit dem Originalton unterlegt werden, um auch die Stimme und den Sprachstil zu hören, oder es können Geräusche der Umgebung aufgezeichnet werden, um die Atmosphäre am Ort zu vermitteln, oder es kann Musik eingespielt werden, um eine bestimmte Stimmung zu erzeugen. Kurz gesagt, ergänzt Soundcite einen Text um Töne, die Journalisten auch mit einem Smartphone aufnehmen können.

Drei Schritte zum Text-Ton-Schnipsel

Sichtbar werden diese Text-Ton-Clips durch einen Play-Button und einen Fortschrittsbalken im Text, der vertont ist. Das kostenlose Tool wurde im KnightLab an der privaten Northwestern University in den USA entwickelt und kann ohne Registrierung genutzt werden.

Mit dem „Make a Clip“-Button auf der Soundcite-Website beginnen Journalisten, in drei Schritten und kurzer Zeit einen  Text-Ton-Clip für eigene Online-Artikel zu produzieren. Einzige Voraussetzung ist, dass die Audio-Datei online verfügbar ist – zum Beispiel auf einem eigenen Server der Redaktion oder bei Wordpress in die Medienbibliothek. Soundcite kann mit verschiedenen Datei-Formaten umgehen: MP3, WAV, OGG und M4A von Apple sind möglich.

Kein Schnitt notwendig

Im ersten Schritt wird der Link zur Audio-Datei bei Soundcite eingefügt, um die Tonaufnahme zu laden und im zweiten Schritt anzuzeigen. Sehr durchdacht ist, dass man die Audio-Schnipsel für die Online-Artikel nicht separat schneiden muss, sondern direkt auf der Soundcite-Website einen Ausschnitt auswählen kann, in dem man die Time Codes für den Start und das Ende einträgt. So lassen sich beispielsweise aus einem mitgeschnittenen Interview einzelne Zitate ohne zusätzlichen Aufwand auswählen. Um den gewünschten Ausschnitt zu finden, lässt sich die Audio-Datei auch direkt mit Soundcite abspielen.

Anschließend müssen Journalisten nur noch eintragen, wie oft der Audio-Clip zu hören sein soll und wie der Text lauten soll, der mit der Tonaufnahme kombiniert wird. Mit einem Klick auf „Create Clip“ erledigt Soundcite die restliche Produktion und generiert im dritten Schnitt einen sogenannten Embed Code, also einen fertigen HTML-Code, der nun in Wordpress oder ein anderes Redaktionssystem übernommen werden kann. Der Embed Code für den Text-Ton-Clip muss nur an die richtige Stelle im Online-Artikel kopiert werden, danach lässt sich der Text wie gewohnt fortsetzen. Noch ein Hinweis: Der vertonte Text sollte eher kurz sein, um den Fortschrittsbalken beim Abspielen ohne Zeilenumbruch darzustellen.

Lesen und hören

Mit Soundcite können Journalisten in wenigen Minuten individuelle Text-Ton-Clips für Online-Artikel herstellen und alle nötigen Arbeitsschritte auf der Website erledigen, sogar ohne die verwendete Audio-Datei schneiden zu müssen. Das Tool ist optimal, um Texte lebendiger und intensiver zu gestalten, indem Töne direkt mit dem Text verbunden sind und die geschriebenen Worte auch hörbar werden.

Link

Hier geht es zu Soundcite: www.soundcite.com

Christina Quast

Autorin

Christina Quast schreibt als freie Journalistin über digitale Tools und Themen. Sie gibt auch Seminare für Journalisten und ist seit Mitte 2018 für den Blog Journalisten-Tools.de verantwortlich.

Mail: c_q@about.me
Internet: www.about.me/C_Q

Veröffentlicht am

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Kommentieren

Bei den mit Sternchen (*) markierten Feldern handelt es sich um Pflichtfelder.