Virtueller Globus für den Schreibtisch
von Christina Quast
Die Crew der Artemis-2-Mission hat neulich aus mehr als 400.000 Kilometern auf die Erde geblickt. Für Redaktionen sind etwas mehr als 63.000 Kilometer möglich, denn das ist die maximale Kamerahöhe, aus welcher man mit Google Earth auf den Planeten zoomen kann, teilweise auf 15 Zentimeter genau. Dieser virtuelle Globus steht schon seit 20 Jahren online und ist am besten im Browser nutzbar, denn die früher notwendige Software wird von Google nicht mehr weiterentwickelt.
Vom Satelliten ins Lokale
Aber Google Earth erhält immer wieder neue Funktionen – zuletzt die Datenebenen zum Einfügen. Es ist gewissermaßen der große Bruder von Google Maps. Redaktionen hilft es, Orte zu überprüfen und zusätzlich zu vermessen. Auch Google Earth kombiniert Satelliten- und Luftbilder und Street View, um sich vom Schreibtisch aus überall auf der Erde umschauen zu können, etwa entlang der Straße von Hormus oder an den WM-Spielorten. Die Bilder haben eine Auflösung von 15 Metern bis 15 Zentimetern pro Pixel, sodass man auch ins Lokale blicken kann, zum Beispiel auf die Raffinerie in Schwedt oder die Insel Poel. Dafür benötigt man ein Google-Konto, mit dem man kostenlos auf dem virtuellen Globus navigieren kann.
Zum Bildmaterial liefert Google Earth noch weitere Informationen: Am unteren Rand sind das Datum, die Kamerahöhe, die Koordinaten und die Höhe über Null für die aktuelle Position der Maus eingeblendet. Die „Datenzuordnung“ nennt die Anbieter, die Daten und die Nutzungsbedingungen zu den sichtbaren Bildern. Das sind mehr Details als bei Google Maps.
Neue Daten und historische Bilder
Auch auf dem virtuellen Globus kann man weitere Funktionen ausführen, die als Buttons angezeigt werden und sich im Text-Menü am oberen Rand wiederholen. Seit März sind Datenebenen verfügbar, von denen man eine oder mehrere auf das Bildmaterial von Google Earth legen kann. Derzeit lässt sich aus 45 Datenebenen wählen, die teilweise noch experimentell oder kostenpflichtig sind. So lassen sich Höhenlinien, Verwaltungsgebiete, Bevölkerungszahlen oder Ladestationen für Elektroautos einzeichnen.Auch weniger typische Daten wie Arten von Wäldern, Hochwasser (1999 bis 2020) und der Anteil von Radfahrten, der auf den Standortdaten von Google basiert, sind in der Auswahl. Dazu gibt es eine Liste der vorhandenen Datenebenen mit Beschreibung, Quelle und Abdeckung von weltweit bis zu einzelnen Ländern oder US-Staaten.
Auch sonst muss man sich nicht mit der aktuellen Ansicht eines Ortes begnügen, sondern man kann auch historische Bilder aufrufen und eine Zeitreise starten. Mit „historische Bilder einblenden“ erscheint am oberen Rand eine Zeitleiste, welche die Jahreszahlen mit vorhandenem Material zeigt. So kann man direkt zu einem bestimmten Jahr wechseln oder von Datum zu Datum navigieren, um die Bilder zu vergleichen und Veränderungen zu erkennen. Zusätzlich lässt sich ein „Timelapse“, also Zeitraffer, aktivieren, der alle historischen Bilder nacheinander abspielt, die bis 1984 zurückreichen können.
Die Welt vermessen
Ebenfalls hilfreich ist der Lineal-Button, mit dem sich individuell markierte Strecken oder Flächen ausmessen lassen. Berechnet werden die Länge, die Fläche, der Umfang und sogar der Höhenunterschied. Solche Angaben können nützlich für die Berichterstattung sein, um Angaben zu
Ereignissen zu überprüfen und genaue Zahlen zu verwenden, etwa die Größe der Kirchsee bei Poel oder die schmalste Stelle der Straße von Hormus. In den Einstellungen von Google Earth kann man auch auswählen, welche Einheiten verwendet werden sollen, sodass man nicht extra in Hektar oder Seemeilen umrechnen muss.
Mehr als nur Karten
Bereits angekündigt ist die „Ask Google Earth“-Funktion, um mit KI über den Planeten zu navigieren oder die Datenebenen und Messungen per Prompt auf bestimmte Orte oder Gegenden zu beziehen. Alle neuen Funktionen werden auch im Text-Menü bei „Hilfe“ unter „Das ist neu“ veröffentlicht.
Durch Datenebenen, historische Bilder aus der Luft und individuelle Messungen ist Google Earth eine sinnvolle Ergänzung zu den viel genutzten Google Maps, um Informationen und Ideen für die journalistische Arbeit zu erhalten. Zudem ist der virtuelle Globus weitgehend kostenlos: Wer die Datenebenen im Upgrade ausprobieren möchte, kann es sogar 90 Tage kostenfrei testen.
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