Interview

Offen sein, Profil zeigen

von Katharina Dodel

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Reporter, Redakteure und Verleger im Südwesten Deutschlands wollen gemeinsam deutlich machen: Zeitungen prägen unsere Gesellschaft, deshalb ist qualitativ hochwertiger Journalismus wichtig. Deshalb starteten sie die Imagekampagne „Journalismus zeigt Gesicht“. Und da hinter gutem Journalismus gute Journalisten stecken, werden für die Aktion Reporter und ihre Ansichten in den Vordergrund gerückt. Die Redaktion der Weinheimer Nachrichten ist eine von vielen, die sich an der Kampagne beteiligt. Warum? Das erklärt Carsten Propp, Redaktionsleiter der Weinheimer Nachrichten/Odenwälder Zeitung.

Herr Propp, Sie starten am Dienstag, 12. November, eine Serie, in der Sie wöchentlich einen Mitarbeiter der Zeitung und die Arbeit in den Redaktionen vorstellen. Sie machen aus der internen Imagekampagne eine öffentliche und lassen die Leser daran teilhaben. Warum ist das so wichtig?

Damit es nicht nur eine weitere Imagekampagne der Zeitungsverlage wird, war klar, dass wir das Thema im Lokalteil begleiten wollen. Denn auch im lokalen Umfeld hat die Zahl der Akteure deutlich zugenommen, die ihre Sicht der Dinge zu bestimmten Themen auf eigenen digitalen Kanälen direkt verbreiten. Dabei erwecken sie mitunter den Anschein, sie würden Tatsachen ans Licht bringen, die in Wahrheit bestenfalls Meinungsäußerungen sind. Wir stellen außerdem fest, dass gerade in den sogenannten Sozialen Medien dann ein Ton angeschlagen wird, der einen konstruktiven Dialog praktisch unmöglich macht. Mein Job als Lokalredakteur ist es, der Verrohung der Sprache entgegenzutreten, Streitkultur zu fördern und den Menschen die Chance zu geben, sich eine eigene Meinung zu bilden, indem wir unterschiedliche Standpunkte, aber auch Zusammenhänge und Hintergründe recherchieren.

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Warum ist es dabei so wichtig, die Redakteure selbst mit Bild und Statement vorzustellen?

Weil wir damit zeigen können, dass hinter unseren Texten eben keine anonymen Facebook-Accounts stehen, sondern reale Menschen, die in unserer Region leben, die ihr Handwerk gelernt haben, die für ihren Beruf brennen und die gewissermaßen mit ihrem Gesicht für die Qualität ihrer Texte bürgen. Dazu gehört übrigens auch, dass wir Fehler korrigieren, wenn sie trotz allem Bemühen um Sorgfalt doch einmal passieren.

Der erste Beitrag der Serie läuft unter dem Thema: „Wie Zeitung (im Kleinen) wirkt“. Wie wirkt journalistische Arbeit Ihrer Ansicht nach?

Das sind ganz oft kleine Dinge – wenn wir zum Beispiel Hinweisen von Lesern nachgehen, die wochen- oder monatelang vergeblich auf eine Reaktion ihrer Stadtverwaltung warten. Wenn „die Presse“ dann im Rathaus anruft, beschleunigt das die Dinge fast immer und führt nicht selten zu einer guten Lösung des Problems. Oder wenn unsere Lokalredakteure vor Bürgermeisterwahlen die Kandidaten befragen und zu diesen Podiumsdiskussionen bis zu 800 Menschen kommen, dann tragen wir aktiv und für jeden sichtbar zur politischen Meinungsbildung bei. Wir gehen aber auch Gerüchten nach, die auf Facebook ungeprüft in die Welt gesetzt werden und von zahllosen Menschen geteilt oder kommentiert werden, als wären es Tatsachen.

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Haben Sie da ein Beispiel?

Eine lokale Facebook-Seite verbreitete kürzlich das Gerücht, ein großer Supermarkt würde in unserer Stadt schließen, dafür käme ein anderer Betreiber. Die Leute diskutierten dann nur darüber, ob sie das gut oder schlecht finden. Fast niemand hinterfragte, woher das Gerücht kommt und ob es stimmt. Aber es war Stadtgespräch. Unsere Redaktion sprach mit dem Eigentümer der Immobilie und mit den beiden Supermarktketten. Das Ergebnis: An dem Gerücht war nichts dran.

Welches Feedback erhoffen Sie sich von den Lesern?

Ich würde mir wünschen, dass wir durch die Kampagne mit unseren Lesern ins Gespräch kommen – über den Wert von professionellem Lokaljournalismus, über unsere Rolle als Marktplatz unterschiedlicher Meinungen und über unsere Aufgabe, Haltung zu zeigen, wenn Hass und Hetze den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft gefährden.

Interview: Katharina Dodel

Hier geht es zur Seite der Kampagne.

Carsten Propp

ist Redaktionsleiter der Weinheimer Nachrichten/Odenwälder Zeitung. (Foto: Thomas Rittelmann)

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