Interview

„Als Inspiration dienten Wimmelbilder“

von Max Wiegand

Die dpa hat kürzlich die Gewinner des Infografik-Award 2014 bekanntgegeben. In der Kategorie der nicht-tagesaktuellen Grafiken ging der Preis an die Redakteurin Natalie Schalk, Artdirektor Michael Karg und Grafikerin Tanja Friedrich von der Mediengruppe Oberfranken in Bamberg. Ausgezeichnet wurde ihre grafische Gestaltung der Serie „Entdeckerwochen“, die in mehreren fränkischen Zeitungen erschien. Über Idee und Umsetzung der Serie sprach die drehscheibe mit Michael Karg.

Grafik des Fränkischen Tags
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Herr Karg, worum ging es Ihnen in der Serie „Entdeckerwochen“, und wie kam es zu der Idee?

Das Konzept hatte unsere Redakteurin Natalie Schalk entwickelt. Sie wollte die Leser auf die besonderen Seiten Frankens aufmerksam machen, also auf Dinge hinweisen, die man so nicht direkt vermutet. Es gibt jede Menge offizielle Daten und Statistiken – und es gibt die Sicht der Menschen, die hier leben. Beides zu verbinden, um die Region aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, ist Ziel der „Entdeckerwochen“. Die Folgen der Serie erschienen dann jeweils als vierseitige Beilage im Rahmen einer achtwöchigen Aboaktion.

Wie gingen Sie dabei vor?

Die Redakteurin hat zunächst unter anderem über das statistische Landesamt Bayern jede Menge Daten ermittelt. Also zum Beispiel, wie viele Brauereien es in der Region gibt, wie viele Wald- oder Wasserflächen, statistisches Material über die Wirtschaft in der Region etc. Es wurde eine ziemlich aufwendige Recherche, weil die Statistiken nicht für jede Region deckungsgleich waren. Da mussten dann noch andere Quellen hinzugezogen werden. Tanja Friedrich wurde damit beauftragt, den Datenwust grafisch umzusetzen. Ich habe sie dabei unterstützt und darauf geachtet, dass Inhalt und grafische Mittel gut miteinander verknüpft wurden. Für jede Karte benötigten wir etwa zwei Arbeitstage.

War die Grafikabteilung von Anfang an an der Konzeption der Serie beteiligt?

Pauschalisierend lässt sich behaupten, dass Redakteure seltener grafisch denken, genauso wie ich als Grafiker dazu neige, den Schreibern gerne noch die ein oder andere Textzeile abzuluchsen. Frau Schalk hat hingegen von Anfang an eine gute Vorstellung von der visuellen Umsetzung gehabt und uns direkt miteinbezogen. Die Idee mit den doppelseitigen Karten gab es also von Beginn an. Wir haben schon häufiger aufwendigere Projekte mit grafischem Anteil realisiert. Von diesen Erfahrungen haben wir hier sicherlich profitiert.

Worauf haben Sie bei den Grafiken besonders geachtet?

Wir wollten die Leser inhaltlich überzeugen, aber eben auch unterhalten. Als Inspiration für die Grafiken dienten die sogenannten Wimmelbilder, also großformatige Bilder, auf denen viele kleine Details zu entdecken sind. Die Leser sollten sich länger mit den Grafiken beschäftigen können. Trotzdem durften wir sie natürlich nicht mit zu vielen Informationsebenen überfrachten. Das war auch das Schwierige an der Gestaltung der Karten.

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Wie ist die Grafikabteilung Ihres Verlagshauses aufgestellt? Gibt es weitere spannende Projekte, an denen Sie gerade arbeiten?

Es gab gerade zuletzt eine Doppelseite zum Thema Asyl und Flüchtlinge. Dabei haben wir verschiedene Aspekte des Themas mit Infografiken veranschaulicht. Generell legt die Chefredaktion großen Wert auf die grafische Gestaltung der Beiträge. Jede Geschichte braucht schließlich eine geeignete Erzählform. Dementsprechend haben wir den Freiraum und es sind entsprechende personelle Möglichkeiten vorhanden. An jeder Lokalausgabe wirkt mindestens ein Mediengestalter mit.

Wie wichtig sind Datenjournalismus und Infografiken im Lokalen generell?

Gerade bei regionalen Themen kann man durch eine gute grafische Veranschaulichung der recherchierten Fakten für ein Alleinstellungsmerkmal sorgen. Bei überregionalen Themen ist es leichter, an Daten zu kommen, und solche Statistiken finden sich dann ja meist in jeder Zeitung. Gut aufbereitete Fakten zu regionalen Themen in gebündelter Form sind definitiv Argument für den Leser seiner Heimatzeitung treu zu bleiben.

dpa-Infografik Award

In der Kategorie der Tagesaktuellen Grafiken geht der erste Preis an Carla Sophie Schnettler, Freie Grafikerin aus Wuppertal. Ihre Grafik „600 000 Düsseldorfer in Zahlen“ ist in der Rheinischen Post erschienen und illustriert „zum Beispiel das Gewicht, das sich ergäbe, wenn sich alle Düsseldorfer gemeinsam auf eine Waage stellen könnten“.

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Michael Karg

ist Art Director Print/Online des Fränkischen Tags.

Mediengruppe Oberfranken - Redaktionen GmbH & Co. KG
Gutenbergstraße 1
96050 Bamberg

Tel.: 0951 – 188-142
E-Mail: m.karg@infranken.de

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