Interview

„Was allen fehlt, sind die Highlights“

von Hendrik Mühlenbrock

Katharina Tontsch ist stellvertretende Ressortleiterin Sport und Lokalsport.
Katharina Tontsch ist stellvertretende Ressortleiterin Sport und Lokalsport.

Abgesagte Turniere und ein aufs Miminum heruntergefahrenes Vereinsleben – die Corona-Pandemie hat den Lokalsport hart getroffen. Wie die Redaktion der Nürnberger Nachrichten damit umgeht und weiterhin spannende Geschichten erzählt, verrät Katharina Tontsch, stellvertretende Ressortleiterin Sport und Lokalsport. Eine Folge aus unserer Reihe „Wir halten Kontakt“.

Frau Tontsch, die Corona-Pandemie hat viele Bereiche des täglichen Lebens stark verändert und auch vor dem Lokalsport nicht Halt gemacht. Wie war das Sportjahr 2020 im Lokalen bislang?

Aufregend und auch ein wenig traurig. Von allem Gewohnten jedenfalls mussten wir uns verabschieden. Gerade im Sport, wo so oft Spielpläne und Veranstaltungen die Inhalte bestimmen, ist das für die Redaktion eine Herausforderung gewesen. Was allen fehlt, sind die Highlights, auf die auch wir als Berichterstatter im Lokalsport hinfiebern. Die sind fast alle ausgefallen. Als es dann wieder losging im September, ziemlich plötzlich und auch unter heftiger Kritik, war der gewohnte Stress im Wettkampfbetrieb wieder da. Spannend in dieser Phase war die Zerrissenheit der Sportler und Funktionäre: Sie alle wollten spielen, viele fühlten sich dabei aber nicht wohl und wussten, dass in einer Pandemie eine reibungslose Saison nicht möglich sein wird.

Wie hat die Redaktion ihre Arbeit an die Situation angepasst, insbesondere im ersten Shutdown?

Quasi von heute auf morgen ist die Redaktion ins mobile Arbeiten gewechselt. Was für uns erst einmal neu und ungewohnt war, ist mittlerweile Alltag geworden. Wir haben neue Kommunikationstool und Workflows etabliert, die den Kollegen auch weiterhin ermöglichen sollen, mobil zu arbeiten. Auch unsere Interviewtermine haben wir im Shutdown nur noch über Telefon oder Videocall geführt. Das Positive an den ersten Corona-Monaten war, dass sich im Lokalsport jeder endlich mit Themen auseinandersetzen musste und sich nicht mehr an Spielpläne und Ergebnisberichterstattung klammerte. Das ist sowieso der Weg, den wir im Verlag gehen, zum Teil schon länger und zum Teil aber auch erst seit diesem Jahr. Die Corona-Zeit hat hier gewissermaßen geholfen, alte Denkmuster aufzubrechen.

Mit welchen Themen haben Sie sich dann auseinandergesetzt?

Das große Thema war natürlich auch im Lokalsport, welche Auswirkungen die Coronakrise hat. Hier gab es viele Aspekte, die alle auch sehr emotional sind: die Angst vor dem Vereinssterben, Mitgliederschwund, eine verlorene Generation an Jugendsportlern, Ungerechtigkeiten, als die Ligen ausgesetzt oder abgebrochen wurden, oder wie Profi- und Leistungssportler mit der Situation umgehen. Das sorgte für viele Meinungsbeiträge. Hinzu kamen Geschichten aus dem Breitensport – was tun Menschen nun, um sich fit zu halten? In diesem Service-Bereich hatte der Lokalsport noch viel Potential – das während des Lockdowns mehr und mehr ausgeschöpft wurde. Zusätzlich haben wir viele zeitlose Themen-Schwerpunkte gesetzt, zum Beispiel durch eigene Serien: eine historische Fußball-Serie „Die Saison meines Lebens“, oder eine Serie zur Vorstellung von Ehrenamtlichen als „Die Seele des Vereins“.

Nach der kurzen Verschnaufpause im Sommer hat die Pandemie die Republik nun wieder im fest im Griff. Wie gehen Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen mit dem zweiten Shutdown light um, welche Themen werden Sie nun fokussieren?

Die Kollegen sind weiterhin im mobilen Arbeiten, die Workflows haben sich etabliert. Thematisch können wir einige Serien und Aspekte aus dem Frühjahr aufgreifen oder weiterdrehen. Ansonsten aber spürt man eine gewisse „Corona-Müdigkeit“: Gerade in kleineren Verbreitungsgebieten sind viele Geschichten nun erzählt, weshalb es neue, kreative Ansätze braucht. Das ist eine Riesen-Herausforderung, denn das Vereinsleben steht erst einmal wieder still. Vor allem versuchen wir daher, in einer wöchentlichen Themenkonferenz uns gegenseitig zu helfen. Im Verlag gibt es seit 1. Oktober einen Lokalsport-Pool, in dem alle Lokalsportredakteure in einem Team versammelt sind und so noch besser zusammenarbeiten können.

Wie es aussieht, bleibt die Pandemie noch eine Zeit lang bestehen. Wie stellen Sie sich darauf ein?

Für uns geht es vor allem darum, in Kontakt zu bleiben mit den Sportlerinnen und Sportlern vor Ort und noch genauer zuzuhören auf der Suche nach einer emotionalen, guten Geschichte. Wir weiten zudem den Service-Bereich Breitensport und Gesundheitssport aus und wollen hier noch regelmäßiger Inhalte bieten. Das kann ein Experteninterview sein mit der Frage, wie viel Bewegung gesund ist, es können aber auch die fünf besten Kraftübungen für zu Hause oder ein Lauf-Coaching sein.

Interview: Hendrik Mühlenbrock

Hier geht es zu den anderen Folgen aus der Reihe „Wir halten Kontakt“.

Katharina Tontsch

ist stellvertretende Ressortleiterin Sport und Lokalsport der Nürnberger Nachrichten.

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