Interview

„Wir wenden uns an Menschen, die Lust haben zu helfen“

von Katharina Dodel

Die DeWeZet vermittelt Helfer und Hilfesuchende. (Foto: Screenshot/kuemmerer.dewezet.de)
Die DeWeZet vermittelt Helfer und Hilfesuchende. (Foto: Screenshot/kuemmerer.dewezet.de)

Das Gemeinschaftshaus müsste neu gestrichen werden, die Singgruppe hofft auf neue Mitglieder und fürs Dorffest werden noch Helfer gesucht: Die Bereitschaft mit anzupacken, oder an einem Projekt ehrenamtlich mitzuwirken, ist heute nicht mehr selbstverständlich. Die Deister- und Weserzeitung hat dafür eine Lösung. Sie vermittelt Helfer und Hilfesuchende über die Plattform „Kümmerer Weserbergland“. Dafür wurde die Zeitung für den Nova Innovation Award nominiert, der am Dienstag auf dem BDZV-Kongress in Berlin verliehen wird. Wir haben mit Online-Redakteurin Nicole Trodler über das Projekt gesprochen.

Das Leben auf dem Dorf wird immer anonymer. Das bekommen auch Vereine zu spüren. Beobachten Sie diese Entwicklung ebenfalls im Verbreitungsgebiet der Dewezet?

Vereine und Initiativen leiden zunehmend unter dem Problem, dass immer weniger Menschen Vereinsmitglied werden wollen oder dauerhaft in Vereinen mitwirken möchten. Auch in unserem Landkreis Hameln-Pyrmont beobachten wir das. Während die Zahl der Vereinsmitglieder sinkt, zeigt sich auf der anderen Seite deutlich, dass die Hilfsbereitschaft groß ist, sobald die Zeitung über Projekte berichtet. Um diese Lücke zu schließen, macht der „Kümmerer Weserbergland“ ein neues Angebot für Vereine und Initiativen in unserem Verbreitungsgebiet.

Wie sieht das aus?

Auf der Online-Plattform können Hilfesuchende kostenlos per Eingabemaske Gesuche einstellen, in denen sie angeben, welche Art von Hilfe benötigt wird. Das können Helfer beim Malern des Dorfgemeinschaftshauses sein, eine fehlende Sitzgruppe für den Jugendtreff oder 500 Euro, die dringend für den Abschluss eines Projektes benötigt werden. Es können also Zeitspenden, Sachspenden oder Geldspenden gesucht werden. Zielgruppe sind jene Kurzentschlossenen. Wir wenden uns an Menschen, die Lust haben, zu helfen und zu unterstützen, auch ohne im Verein engagiert sein zu müssen. Über ein Webformular können die Parteien in Kontakt treten, sich vernetzen und die Hilfe miteinander selbstständig koordinieren.

Vor allem tatkräftige Unterstützung ist gefragt.
Vor allem tatkräftige Unterstützung ist gefragt.

Wer kam auf die Idee, die Plattform zu schaffen?

Die Idee entstand aus der Redaktion heraus und wurde von Dewezet-Chefredakteurin Julia Niemeyer angestoßen. Hintergrund ist, dass unseren Redakteuren häufig Menschen mit beeindruckenden Ideen begegnen oder Vereine, die für ihr Dorf etwas auf die Beine stellen wollen. Was ihnen oft fehlt, sind Mittel und Unterstützer, um ihre Projekte umzusetzen. Der Redaktion war schnell klar, diesem Bedürfnis nachkommen zu wollen – unser Know-how und unsere Reichweite zu investieren, um diesen engagierten Menschen eine Online-Plattform zum Vernetzen zu geben.

Wie wird sie von den Leserinnen und Lesern angenommen?

Da sich die Parteien weitestgehend selbst organisieren, ist es schwer, verlässliche Aussagen zur Akzeptanz machen. Da uns jedoch regelmäßig neue Gesuche erreichen, können wir schon feststellen, dass die Plattform angenommen wird. Manchmal erfahren wir auch von Erfolgsgeschichten, von einer Hilfesuchenden haben wir zum Beispiel ein kleines Dankesvideo bekommen. Mit Hilfe des Kümmerers konnte sie ihr Projekt erfolgreich umsetzen. Das freut uns sehr.

Welche „Anzeigen“ schalten die Leserinnen und Leser?

Zum großen Teil werden ehrenamtliche Helfer gesucht, zum Beispiel Fahrer, die Hilfsgüter verteilen oder Verkäufer für einen Shop des Deutschen Roten Kreuzes. Menschen, die bei der Vorbereitung von Festen, Seniorennachmittagen oder Ausflügen mit Kindern helfen, werden ebenfalls immer wieder gesucht. Wir hatten auch schon Anfragen, bei denen richtig Kreativität gefragt war. Ein Junges Theater hat Nachwuchsschauspieler gesucht oder eine Frau bat um Hilfe beim Nähen von Hunde-Accessoires, die für den guten Zweck verkauft werden sollten. Manchmal erreichen uns auch Bitten nach Sachspenden, zum Beispiel von einer Kindertagespflege, die nach Spielsachen fragte.

Welche war Ihre Lieblingsanfrage?

Besonders schön war eine Anfrage, in der um Geschenke für zwei Spendenweihnachtsfeiern gebeten wurde. Ein Geschenk ist schnell gepackt und es ist eine so einfache Möglichkeit, Menschen glücklich zu machen. Oft sind es schon die kleinen Ideen und Gesten, die den großen Unterschied machen. Das ist auch das Schöne am Kümmerer. Er bietet nicht nur Vereinen, die oft sowieso schon mehr Möglichkeiten haben zu helfen, sondern auch Privatpersonen eine Plattform, um ihre gemeinnützigen Projekte und Ideen einer größeren Öffentlichkeit vorzustellen und weitere Helfer zu bekommen.

Wie aufwändig ist das Programmieren so einer Plattform?

Wir haben diese Plattform nicht selbst programmiert, sondern sie basiert auf einem WordPress-Blog, der durch PlugIns auf unsere Bedürfnisse hin erweitert wurde. Das spart Kosten und macht ihn besonders flexibel. Wer eine ähnliche Plattform aufsetzen will, sollte ein paar Tage für das Einrichten einplanen.

Mit Klick aufs Bild gelangen Sie zur Zeitungsseite.
Mit Klick aufs Bild gelangen Sie zur Zeitungsseite.

Wo bewerben Sie diese?

Es gibt eine Facebook-Seite, auf der wir die eingestellten Hilfegesuche teilen. Da diese Seite jedoch noch nicht so lange existiert und noch nicht sehr viele Abonnenten hat, teilen wir die Beiträge auch auf der Facebook-Seite unserer Zeitung. Diese hat über 20.000 Abonnenten und bietet damit noch eine breitere Öffentlichkeit.

Berichten Sie auch in Print darüber?

Als wir den „Kümmerer Weserbergland“ im Dezember letzten Jahres gestartet haben, ist auch in unserer Zeitung auf die Plattform aufmerksam gemacht worden. Die ersten Hilfegesuche haben wir zudem abgedruckt.

Interview: Katharina Dodel

Hier geht’s zur Seite „Kümmerer Weserbergland“

Auch nominiert: #meingoho der Nürnberger Nachrichten

Nicole Trodler

ist Redakteurin der Online-Redaktion der Deister- und Weserzeitung.

Telefon 05151 – 20 04 58
E-Mail n.trodler@dewezet.de

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