Leseranwalt

20 Jahre Leserservice

von Gastautor

Aus drehscheibe 02/2020

Das Jahr 2020 bringt ein Jubiläum der ­Magdeburger Volksstimme mit sich: 20 Jahre Leseranwalt/Leserobmann. „Ärger mit dem Amt? Wir kümmern uns darum!“, ist der ­bewährte Leserservice überschrieben, den es seit dem Jahr 2000 einmal in der Woche auf unserer Leserseite gibt. Dort berichten wir von Menschen, die sich in ihrer Not an ihre Zeitung wandten, die sich vom „Amt“ ungerecht behandelt fühlten, als ihr Antrag abschlägig beschieden wurde, die das ­Gefühl hatten, Hilfe gebrauchen zu können, weil sich ihre Hoffnungen zerschlagen hatten.

Wir schildern Konflikte unserer Leserinnen und Leser mit Behörden, Institutionen oder Unternehmen und legen dar, wie der Leserobmann in Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern jener Stellen eine Lösung für diese ganz verschiedenen Probleme zu finden sucht, die oft aus einem Kompromiss oder einer Kulanzregelung besteht. Im vergangenen Jahr entstanden so 55 Veröffentlichungen – ­Berichte über erfolgreiche, manchmal aber auch vergebliche Bemühungen in mehr als 200 Fällen. Dabei ging es unter anderem um die Zahlung von Arbeitslosengeld, um verwirkte Krankengeldansprüche und verweigerte Behandlungskosten, um Probleme mit Energiedienstleistern und Telefonanbietern, um den Rundfunkbeitrag für Gartenlauben und Wohnwagen oder auch ­ärgerliche Reisevorkommnisse.

Als vor sieben Jahren im Zuge personeller und organisatorischer Veränderungen in der Redaktion aus dem Leseranwalt der Leserobmann wurde, lag dem der Gedanke zugrunde, den Dialog zwischen Lesern und Redaktion weiterzuentwickeln – getragen von der Überzeugung, dass eine Zeitung zu machen, die informativ und kritisch, schließlich auch unterhaltsam ist, die Mitwirkung der Leser braucht, ihre Hinweise, Anregungen und Wünsche, vor allem auch ihre Kritik. Von den mehreren Hundert Leserinnen und Lesern, die sich im vergangenen Jahr telefonisch beziehungsweise per E-Mail oder Brief an den Leserobmann wandten, kamen in der Tat auch zahlreiche kritische Anmerkungen und Vorschläge die Berichterstattung betreffend. Es ging um die Seitengestaltung, die Rechtschreibung und den Fremdwörtergebrauch, immer wieder aber auch um ­Entscheidungen des Presserats, insbesondere im Zusammenhang mit dem Pro­blem der Nennung der ethnischen Herkunft von Straftätern. Häufiges Thema war zudem die Veröffentlichung ­beziehungsweise Nicht­veröffentlichung von Leserbriefen und -fotos.

Bei manchem Anruf war aber auch spürbar, dass da eine Leserin oder ein ­Leser ­einfach mal mit jemandem reden ­wollte, um sich Dinge, die sie beziehungsweise ihn beschäftigten oder gar belasteten, von der ­Seele zu reden. Die montägliche Kolumne des ­Leserobmanns geht auf vieles davon ein. ­Indes antwortet sie nicht nur auf Lob und ­Tadel, sondern versucht auch zu erläutern, warum die Redaktion ein Thema auf ebendiese und nicht auf andere Weise aufgegriffen hat. Am Ende geht es auch um das Erläutern der
Arbeitsweise der Redaktion, das Vermitteln und Einhalten der publizistischen ­Grundsätze.

 

 

Peter Wendt

Autor

Peter Wendt ist Leser-Obmann der Magdeburger Volksstimme. Zuvor war er stellvertretender Chefredakteur.

Mail: Peter.Wendt@volksstimme.de

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