Leseranwalt

Offenes Ohr für Leserinnen und Leser

von Gastautor

Aus drehscheibe 02/2026

Mein Telefon klingelt an manchen Tagen ziemlich oft, wenn es besondere Aufreger gibt. Die sind manchmal wenig journalistischer Natur: Bei Glatteis und bzw. oder heftigem Schneefall im Winter kann es zu Zustellungsproblemen kommen. Selbst der versierteste Zeitungsbote kann dann das gedruckte Exemplar der Frankenpost nicht zur gewohnten Zeit in den Briefkasten stecken. Und die wird dann schmerzlich vermisst. Warum das so ist, das kann ich erklären – und den Hinweis geben, dass das E-Paper eine gute Alternative ist.

Zu links? Zu grün?
Oft führen Wahlen zu vielen Anrufen. Den einen sind wir zu links, den anderen zu konservativ. Wenn die Beschwerden aus allen Richtungen kommen, bestätigt uns das: Dann sind wir als Medienschaffende unabhängig genug. Das wollen wir Journalisten auch sein. Kritische Köpfe, die Interessen der Bürger vertreten und „der Obrigkeit“ auf die Finger sehen. Doch auch die kleinen Dinge kommen auf den Tisch: Manchmal vermissen die Leser ein Kreuzworträtsel oder wollen mehr Sonderangebote in der Zeitung lesen. Andere wollen gar keine Werbung. Viele sind auch wichtige Hinweisgeber: Ohne Tipps aus der Leserschaft hätten wir viele Themen gar nicht im Blatt.

Am Lesertelefon
Hier kann man Kritik schnell loswerden. Viele, die anrufen, betonen im Gespräch, sie würden niemals einen Leserbrief schreiben. An unserem Lesertelefon können sie Kritik schnell loswerden, ohne sich „mit einem Brief zu blamieren“. Doch im vertrauensvollen Gespräch kann man solchen Menschen auch Mut machen, Meinung öffentlich zu äußern. Und dann gibt es nicht selten doch einen Leserbrief. Die Leserbriefseite ist eine der meistgelesenen, die Leserbriefe, die auch ins Netz gehen, haben hohe Klickzahlen. Und jeder darf sagen, was er möchte, wenn er in seiner Ausdrucksweise gewisse Formen wahrt, nicht beleidigend ist oder Mutmaßungen äußert, die er nicht belegen kann. Das wäre nämlich strafbar – und verantwortlich wäre nicht der Einsender, sondern die Redaktion.

Pressefreiheit
Womit wir bei einem wichtigen Thema sind: Pressefreiheit ist die Freiheit der Presse, sich alle Themen selbst zu suchen, sie zu gewichten und zu veröffentlichen. Niemand kann vorschreiben, was in der Zeitung zu stehen hat – nicht der Kanzler, nicht der Bürgermeister, nicht der einzelne Leser. Doch dieses Recht ist kein Freibrief: Man ist verantwortlich für das, was in der Zeitung gedruckt wird. Auch, wenn es ein Leser geschrieben hat.

Zensur? Gibt erst nicht
Und deshalb werden manche Einsendungen – es sind nur ganz wenige – nicht veröffentlicht. Das ist kein Einschnitt in die Meinungsfreiheit, keine Zensur, wie manche meinen. Allein ein Staat könnte Zensur ausüben, in unserem Land findet sie zum Glück nicht statt. Wer seine Meinung nicht in der Frankenpost veröffentlicht sieht, darf sie ja trotzdem vertreten und auf eigenen Plattformen veröffentlichen.

Im Austausch
Wenn es eine Kurzbeschreibung für die Arbeit eines Leseranwalts gibt, dann könnte sie lauten: Man ist die Plattform für Transparenz, Leistungen und Fehlleistungen der Medien und Austausch zwischen Lesern und Redaktion. Als Leseranwältin trage ich Kritik weiter in die Redaktion, diskutiere mit den Kollegen darüber. Häufig wurde schon gelobt, dass die Frankenpost durch diesen Gesprächskanal transparenter geworden ist.

Die Vereinigung der Medienombudsleute
Im Jahr 2014 hat sich eine kleine Anzahl von Leseranwälten und Ombudsleuten in Hof getroffen und die Vereinigung der Medienombudsleute auf den Weg gebracht. Heute hat der vdmo über 20 Mitglieder. Alle versuchen, nah an ihren Lesern zu sein.

Der Beitrag erschien zuerst in der Frankenpost und wurde leicht gekürzt.

Kerstin Dolde

Kerstin Dolde

ist Leseranwältin der Frankenpost und der Neuen Presse aus Coburg.

Telefon: 09281 – 81 61 00

E-Mail: leseranwalt@frankenpost.de

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