Ruhr Nachrichten

Über Twitter einen Dortmunder gefunden

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Das Erdbeben in Japan und die Atomkatastrophe sind seit Tagen das wichtigste Gesprächsthema in Dortmund. Grund genug für die Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten, auch im Lokalen die Ereignisse auf der anderen Seite des Erdballs aufzugreifen. „So ein großes Thema müssen wir natürlich sinnvoll nach Dortmund übertragen, da es die Lebenswirklichkeit unserer Leser berührt“, sagt Philipp Ostrop, Leiter der Stadtredaktion. Die Berichterstattung der Zeitung bestand im Folgenden aus drei Elementen.

Ausschnitt der Ruhr Nachrichten

So machten sich die Ruhr Nachrichten auf die Suche nach einem Dortmunder, der sich in Japan in der Unglücksregion aufhält. „Wir haben das zunächst über die Universität versucht, da es dort ein Austauschprogramm mit Japan gibt“,  sagt Ostrop. „Die wollen aber keine Daten herausgeben.“ Also startete er diesen Aufruf über Twitter – und tatsächlich meldete sich ein Dortmunder Student, der zur Zeit des Erdbebens in der der stark betroffenen Stadt Sendai war. „Anfangs hatten wir über SMS Kontakt, später haben wir drei Mal über Handy telefoniert“, sagt Ostrop. Die Redaktion brachte die Geschichte am Samstag als Aufmacher und begleitete den Studenten auch die folgenden Tage im Blatt und Online. „Es wurde jeden Tag berichtet, was er gerade macht. Wir haben ihn sozusagen aus der Ferne begleitet“, so Ostrop. Der Student habe lange auf die Evakuierung gewartet – am Montag war es dann soweit. „Wir sind weiter in Kontakt und warten nun ab, was weiter passiert und ob er sich entscheidet, weiter in Japan zu bleiben. Wenn er nach Dortmund zurückkommen sollte, werden wir ihn am Flughafen empfangen.“

Ausschnitt der Ruhr Nachrichten

Außerdem suchte die Redaktion Japaner in Dortmund. Über einen Anruf bei der Industrie- und Handelskammer machte die Redakteure japanische Firmen in Dortmund ausfindig. „Das ging schnell“, sagt Ostrop. Auch über die Deutsch-Japanische Gesellschaft konnten Kontakte zu Japanern hergestellt werden. Die Gespräche waren Teil der Printberichterstattung. Auch für die Internetseite wurde später nochmal kurz mit ihnen gesprochen und protokolliert, was sie gerade machen und wie es ihnen geht. Zum Beispiel geht es hier.

Ausschnitt der Ruhr Nachrichten

Drittens fragte die Redaktion: „Welche Folgen hat das Beben für Dortmund?“ Zum Beispiel wurde bei Autohäusern, die japanische Marken verkaufen, nachgefragt, ob Lieferengpässe drohen. Außerdem ging ein Redakteur in einen örtlichen Elektromarkt und erkundigte sich nach Geigerzählern. „Die waren am Samstag alle weg“, sagt Ostrop. Zwar habe der Markt nur vier auf Lager gehabt, „allerdings sagte der Marktleiter, dass er sonst höchstens einen pro Jahr verkauft.“ Außerdem brachte die Redaktion in Erfahrung, dass das Bundesamt für Strahlenschutz in jedem Ort kleine Mess-Stationen betreibt – insgesamt rund 1800 in ganz Deutschland -, die die Gamma-Strahlung messen. „Wir haben uns die Daten für Dortmund besorgt und auf die Seite verlinkt“, erläutert Ostrop. Zum Beispiel bitte hier entlang.

Es gab neben diesem ganzen Ideen noch weitere, die aber bewusst nicht umgesetzt wurden. So etwa ein Anruf bei Verbraucherzentralen, ob sich besorgte Bürger nach der Genießbarkeit von Lebensmitteln informieren. „Das erschien uns als Panikmache. Darum haben wir darauf verzichtet“, sagt Redaktionsleiter Ostrop. Weitere Geschichten seien derzeit konkret nicht geplant. „Wir verfolgen das Thema weiter und reagieren dann, wenn es wieder einen für Dortmund relevanten Ansatz gibt.“

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