Mit Ausdauer ein Paar vereint
von Laura Denndorf
Idee
Auch, wer in Deutschland längst Fuß gefasst hat, beißt sich an der Bürokratie mitunter die Zähne aus. Mit diesem Thema beschäftigte sich Nico Tielke, Redakteur der Siegener Zeitung. „Im Januar vorigen Jahres kontaktierte uns Hamid“, sagt Tielke. „Der Pfleger war über den Iran nach Deutschland geflohen und hatte sich hier ein Leben aufgebaut. Er hatte in einer Zeitung einen Artikel über einen ähnlichen Fall wie seinen gelesen und wollte sich ebenfalls an die Presse wenden.“ Bei einem Treffen erzählte Hamid seine Geschichte. „2016 war er nach Deutschland gekommen. Seither versuchte er, seine Frau nachzuholen“, sagt Tielke. „Allerdings ohne Erfolg. Er bekam noch nicht einmal einen Termin bei der Deutschen Botschaft.“ Schließlich spitzte sich die Lage zu. „Hamids Frau lebte als afghanische Staatsangehörige im Iran, und ihr Visum lief ab.“ Das hätte bedeutet, dass sie zurück nach Afghanistan gemusst hätte.
Konzept
„Wir haben schnell gemerkt, dass es sich lohnt dranzubleiben“, sagt Tielke. „Trotzdem war zunächst nicht klar, wie umfangreichdas Thema werden würde.“ Neue Entwicklungen lieferten Inhalte für weitere Artikel. „Kein Termin in der Botschaft, das A1-Zertifikat wurde nicht anerkannt und dann der Angriff von Israel und den USA auf den Iran.“
Umsetzung
Auf das erste Treffen mit Hamid folgten Telefonate mit seinem Arbeitgeber, mit Pro Asyl, mit einer Expertin vom Flüchtlingsrat, die sich mit dem Familiennachzug befasst, und mehrere Anfragen an das Auswärtige Amt. Die Kommunikation war nicht immer einfach. „Mit Hamid lief der Kontakt meist über WhatsApp-Sprachnachrichten, manchmal war er einfach nicht erreichbar“, sagt Tielke. „Letztlich berichteten wir 2025 fünfmal über ihn.“ Einige Menschen boten daraufhin ihre Hilfe an. „Auch ein Anwalt nahm sich der Sache an, und schließlich klappte die Familienzusammenführung doch“, sagt Tielke.
Fazit
Für den Journalisten zeigt der Fall vor allem, wie wichtig Ausdauer ist. „Die Chronologie der Ereignisse up to date zu halten und Leserinnen und Leser dabei nicht zu ermüden, ist ein schmaler Grat“, sagt Tielke. „Die meisten der Reaktionen waren positiver Natur, aber es gab auch menschenverachtende Nachrichten“, sagt Tielke. Das Wichtigste? „Immer dran und immer in Kontakt bleiben!“
drehscheibeTipp: Zwischen Hoffen und Bangen: Familiennachzug nach Deutschland und die Hürden der Bürokratie. Gespräche mit Betroffenen und einer Fachanwältin für Migrationsrecht.
Link
Hier gelangen Sie zum neuesten Artikel über Hamid und seine Frau in der Siegener Zeitung (Paywall).
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