125 Jahre Remscheider General-Anzeiger

Stärken mit den neuen Möglichkeiten kombinieren

von Sascha Lübbe

Der Remscheider General-Anzeiger (RGA) feierte im Jahr 2014 sein 125-jähriges Bestehen. Die Zeitung wird seit Dezember 2011 vom Medienhaus B. Boll, das auch das Solinger Tageblatts herausgibt, verlegt. Bernhard Boll ist seit 1975 Herausgeber des Solinger Tageblatts. Sein Sohn Michael, studierter Voll- und Wirtschaftsjurist, ist seit 2007 dabei. Im Interview mit Alex Richter, dem Leiter der Lokalredaktion, sprachen beide über das Selbstverständnis der Zeitung, ihr Erfolgsrezept und die Zukunftsaussichten.

Ausschnitt des Remscheider General-Anzeigers
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Fundiert über das Geschehen in der Region Remscheid zu berichten – das ist für Michael Boll das Alleinstellungsmerkmal seiner Lokalzeitung. „Weder die Tagesschau noch der WDR oder Google und Facebook haben so wie wir eine Vielzahl qualifizierter Journalisten vor Ort“, sagt Boll. Darüber hinaus habe man die Berichterstattung in den letzten Jahren auch auf das Umland ausgeweitet, ergänzt sein Vater Bernhard: „Die Menschen werden immer mobiler und pendeln für Arbeit, Freizeit und Einkaufen zunehmend in die Nachbarstädte.“ Diesem veränderten Arbeitsverständnis müsse man auch als Zeitung gerecht werden. Es gelte, dem Leserinteresse zu folgen.

Als der Remscheider General-Anzeiger 1996 online ging, war er damit eine der ersten Lokalzeitungen in Deutschland, schreibt Richter, der das Interview moderiert. Inzwischen bietet die Zeitung auch E-Paper-Ausgaben für Tablets und Smartphones an. Mit ihren Onlineangeboten erreiche die Zeitung inzwischen regelmäßig 100.000 User. Dennoch, Bernhard Boll zeigt sich überzeugt, dass die gedruckte Zeitung, jenes „tot geredete“ Medium, überleben wird: „Obwohl das Internet bereits seit vielen Jahren ein Massenmedium ist, lesen in Deutschland immer noch täglich 63 Prozent der Menschen eine gedruckte Zeitung, darunter immerhin 40 Prozent der 14- bis 29-Jährigen.“ Sein Sohn ergänzt, dass die mobile Nutzung der Zeitung kein digitales Phänomen sei, sondern vielmehr schon vor Einführung von Tablets und Smartphones existiert habe: „Denken Sie nur an den Pendler, der morgens erst zu Hause, dann in der Bahn und schließlich in der Arbeitspause seine Zeitung liest. Insofern hinkt das Internet in dieser Hinsicht dem Gedruckten sogar deutlich hinterher.“

Blick in die Zukunft

Wie aber wird sich die Zeitung in der veränderten Medienwelt behaupten? Die Zeitung müsse ihre „gewohnten Stärken – zuverlässige Nachrichten und Hintergründe insbesondere über das lokale Geschehen“ mit den „zusätzlichen Möglichkeiten des Internets“ kombinieren, glaubt Michael Boll. Die Vorteile des Internets, vor allem die „größere Schnelligkeit und die Abbildbarkeit von multimedialen Inhalten“, wolle man im Verlag in Zukunft noch intensiver nutzen. Das aber habe seinen Preis. Letztlich, so erinnert Bernhard Boll, ließen sich gute journalistische Inhalte im Netz nicht nur über Werbung finanzieren. Nötig sei eine „zusätzliche Erlössäule“, etwa über digitale Abonnements.

Was aber bedeuten diese Entwicklungen für den Journalisten? Welche neue Anforderungen stellen sie an ihn? Die grundsätzlichen, im Pressekodex definierten Regeln werden sich nicht ändern, glaubt Michael Boll. Im Gegenteil, sie werden sogar noch wichtiger werden, weil sie „auch im Internet ein Unterscheidungsmerkmal für klassische Medien gegenüber der Fülle beispielsweise semiprofessioneller Blogs und Nachrichtenwebsites darstellen.“ Was sich hingegen ändern werde, sei das Selbstverständnis des Journalisten: „Es wird weniger Spezialisten als früher geben“, glaubt Boll, „zum Beispiel weniger Unterscheidung nach Reporter/Fotograf oder Printredakteur/Onliner“. Technisches Knowhow und umfassende digitale Vernetzung – das seien die Bereiche, die in Zukunft an Bedeutung gewinnen werden, sagt der Verleger. Beim Remscheider General-Anzeiger ist man bereit dafür.

Haben Sie Interesse an der gesamten Jubiläumsausgabe des Remscheider General-Anzeigers? Wir schicken Ihnen gerne das PDF zu. Einfach E-Mail an: info@drehscheibe.org

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