Interview

„Man muss sich um stichhaltige Beweise bemühen“

von Stefan Wirner

Franziska Königseder arbeitet in der Lokalredaktion Freyung der Passauer Neuen Presse.
Franziska Königseder ist Redakteurin in der Lokalredaktion Freyung der Passauer Neuen Presse.

In einer Kaserne in Niederbayern ist es offenbar zu sexuellen Übergriffen auf eine Soldatin gekommen. Die Lokalredaktion Freyung der Passauer Neue Presse hat den Fall aufgegriffen.

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Frau Königseder, wie sind Sie auf die Geschichte gestoßen?

Die Soldatin hat sich mit ihrer Geschichte an die Redaktion gewandt. Wir haben dann erst mal überlegt, ob das etwas für uns ist. Und wir fanden: Ja! Ich habe die Soldatin anschließend für ein erstes Gespräch in die Redaktion eingeladen und mit ihr gesprochen. Sie schickte mir anschließend die ganzen Dokumente, die sie von der Psychologin hatte und auch von der Kaserne selbst, weil es ja Gespräche gab und davon Protokolle angefertigt worden waren. Ich habe dann bei der Bundeswehr und beim Landratsamt angefragt.

Wie fiel denn die Antwort der Bundeswehr aus?

Die Vorgesetzten in der Kaserne in Freyung haben der Soldatin schnell geglaubt. Sie hat durchaus Unterstützung erhalten. Grundsätzlich waren aber die Antworten, die man von der Bundeswehr zu dem Fall bekommen hat, eher ausweichend. Aus datenschutzrechtlichen Gründen, wie mir damals gesagt wurde. Es ging dabei um den Datenschutz der beiden beschuldigten Männer. Man sagte mir nur, dass eben ermittelt worden sei und dass Konsequenzen daraus gezogen worden seien. Ob es zu einer Anklage kommt, das wird immer noch geprüft.

Welche Konsequenzen wurden denn bisher daraus gezogen?

Nach Bestätigung der Vorwürfe wurden offenbar disziplinar- und dienstrechtliche Konsequenzen gezogen. Um welche es sich handelt, wurde mir nicht mitgeteilt.

Sie haben mehrfach über den Fall berichtet. Waren Sie auch die ersten?

Ja, und ich glaube im Falle Freyung auch die Einzigen. Es haben sich dann weitere Frauen gemeldet, da ging es aber um den Ort Regen im gleichnamigen Landkreis, darum hat sich dann eine Kollegin vor Ort gekümmert.

Haben Sie auf die Berichterstattung Reaktionen aus der Leserschaft bekommen?

Es gab geteilte Meinungen. Einige meinten, das sei ja nicht verwunderlich, wenn man sich als Frau in so ein Umfeld begebe. Andere sagten, dass ein Umdenken stattfinden müsse.

Worauf kommt es journalistisch an, wenn man so eine Geschichte aufgreifen will?

Man muss sich um stichhaltige Beweise bemühen. Die Geschichte muss glaubwürdig sein. Das war uns absolut wichtig, damit die Soldatin und ich nicht angreifbar werden. Und man muss Vertrauen aufbauen. Ich habe mit der Frau über Wochen hinweg kommuniziert. Über E-Mail, über Telefon. Sie war bei uns in der Redaktion, und irgendwann hat sie sich dann so sicher gefühlt, dass sie mir alles erzählt hat. Am Anfang war sie eher noch zurückhaltender, was die Geschichte angeht. Je länger wir kommuniziert haben, umso mehr konnte sie sich öffnen.

Konnte die Soldatin vorher lesen, was Sie veröffentlichen?

Ja, zumindest die Teile, die sie betroffen haben.

Lässt man in so einem Fall den Redaktionsanwalt drüberschauen, ob alles passt?

In dem Fall haben wir es nicht getan. Ich habe ja allen Seiten die Möglichkeit gegeben, sich zu äußern. Wir haben auch einen guten Kontakt zu der Kaserne in Freyung, und die haben den Fall auch nicht bestritten. Es lagen ja Gesprächsprotokolle vor.

 

Interview: Stefan Wirner

Franziska Königseder

ist Redakteurin in der Lokalredaktion Freyung der Passauer Neuen Presse. E-Mail: franziska.koenigseder@pnp.de

 

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